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Innere Medizin 30. Juni 2005

Verunsicherung bei Lipidtherapie

Am 8. 8. 2001 wurde Cerivastatin (Lipobay®) weltweit - mit Ausnahme von Japan - aus dem Markt genommen. Als Begründung werden mehr als 30 Todesfälle in den USA angeführt.

"Die Entscheidung der Firma Bayer kam für die vielen betroffenen Patienten, aber auch für die Ärzte überraschend. Bisher ist keine Publikation zum Thema bekannt", sagt Doz. Dr. Harald Kritz, Leiter der Kuranstalt der BVA, Baden, Atheroskleroseexperte und Mediensprecher des "Lipidforum Austriacum" in einer Stellungnahme gegenüber der ÄRZTE WOCHE.

Kritz: "Vor allem die Patienten sind stark verunsichert. Da wir ohne Vorwarnung mit der jetzigen Situation konfrontiert sind, gibt es auch bei den Ärzten und Apothekern eine große Informationslücke.?br> Das Gesundheitsministerium hat zwar bereits vor einigen Wochen auf die potentielle Myopathiegefahr hingewiesen und die Verordnung von Cerivastatin in der Kombinationstherapie mit Gemfibrozil (Gevilon®) und generell Fibraten untersagt. In der Monotherapie wurde eine Initialdosierung von 0,1 mg Cerivastatin und langsame Dosissteigerung empfohlen. Eine aktualisierte Ärzteinformation ist gerade in Ausarbeitung.

"Im Detail können derzeit (bei Redaktionsschluss) viele Fragen noch nicht beantwortet werden", so Kritz, "eine Pressekonferenz ist geplant und eine Liste der häufigsten Patientenfragen soll erstellt werden."

Diese sollen dann von Experten beantwortet und als objektive Information patientengerecht in Form von Broschüren, die bei Ärzten und in Apotheken aufliegen, weitergegeben werden. Die Ärzte sollen zudem mit Hinweisen "aufgerüstet" werden, um Patientenfragen, mit denen sie nun im großen Umfang konfrontiert sein werden, konkret beantworten zu können.

Kritz warnt vor allem vor unseriöser Berichterstattung in populären Medien, wo vergangene Woche in Schlagzeilen von "Todesarznei und Killerpille" zu lesen war: "Die Gefahr besteht, dass Patienten total verunsichert werden, unreflektiert ihre Lipidsenkertherapie ohne ärztliche Rücksprache absetzen und so erst recht Todesfälle "produzier" werden." Eine Klarstellung der Situation und seriöse Patienteninformation seien daher oberstes Gebot:

Nach momentanem Informationsstand besteht eine Gefahr lediglich bei Anwendung von Cerivastatin in Kombination mit Gemfibrozil, dass in Österreich praktisch nicht verwendet wird. In den meisten Fällen ist eine Kombinationstherapie auch nicht erforderlich, da die Triglyzeriderhöhung auch durch diätetische Maßnahmen hinreichend kompensiert werden kann. Kritz verweist hier auf den "Österreichischen Cholesterinkonsens" (www.lipidforum.at) sowie die "Initiative Arznei & Vernunft" (www.sozvers.at), wo auf die Gefahr der Kombinationstherapie von Statinen und Fibraten gesondert hingewiesen wird und klare Richtlinien für den Umgang mit Statinen definiert sind.

Zur Sicherstellung der kontinuierlichen Statinbehandlung von Risikopatienten muss zunächst klargestellt werden, dass in Österreich kein einziger Todesfall unter Statintherapie dokumentiert ist. Zudem wird neuerlich darauf hingewiesen, dass ein Klasseneffekt bei dieser unerwünschten Nebenwirkung nicht besteht.

Kritz rät daher: "Für jene Patienten, die nun von Cerivastatin auf ein anderes Statin umgestellt werden müssen, ergibt sich die Notwendigkeit, die individuelle Verträglichkeit neuerlich zu überprüfen: CPK-Kontrolle, Leber- und Nierenwerte.

Für eine bestehende Statintherapie mit einer anderen Substanz (Atorvastatin, Fluvastatin, Pravastatin und Simvastatin) ergibt sich keine Notwendigkeit einer Änderung.

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 28/2001

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