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Innere Medizin 30. Juni 2005

Bauch: Jeder Zentimeter zählt

Während die Cholesterinspiegel der ÖsterreicherInnen auf hohem Niveau stabil bleiben, nehmen Körperfett, Körpergewicht und Diabetes zu. "Zum Teil ist daran die Werbung schuld, die der Bevölkerung etwa suggeriert, dass man literweise fette Milch trinken muss, um keine Osteoporose zu bekommen", so Prof. Dr. Helmut Sinzinger, Präsident des Lipidforum Austriacum, auf einer Pressekonferenz in Wien. Lediglich zwei Prozent der DiabetikerInnen werden laut Sinzinger dem Stand der Wissenschaft entsprechend mit Lipidsenkern behandelt.

Änderung des Bewusstseins

Und das, obwohl 80 Prozent der Diabetiker an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. Generell sei es der Wissenschaft nicht gelungen, die aktuellen Erkenntnisse zum Thema "Fett" den niedergelassenen Ärzten und der Bevölkerung zu vermitteln. "Wenn wir es nicht schaffen, das Problem Fettkrankheit durch eine Änderung des Bewusstseins und nicht-medikamentöse Maßnahmen in den Griff zu bekommen, müssten allein für Lipidsenker pro Jahr zwei Milliarden Euro ausgegeben werden", so Sinzinger. Dies würde das Budget sprengen.

Prof. Dr. Fritz Hoppichler, Salzburg: "Ich habe den Eindruck, dass es der Politik recht ist, wenn viele Menschen frühzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben und auf diese Weise das bestehende System finanzieren." Wie Hoppichler sagte, weisen in Österreich etwa zwei Drittel der über 25-Jährigen Cholesterinwerte von mehr als 200 mg/dl auf. Nur zwei Prozent werden behandelt, und von diesen erreichen lediglich 10 Prozent die geforderten Werte. Da männliches Geschlecht als Risikofaktor anzusehen sei, sollten Männer eigentlich einen Cholesterinwert unter 160 mg/dl haben, bei zwei oder mehr Risikofaktoren liegt der Zielwert unter 130 mg/dl. "Cholesterinsenker müssen konsequent und kontinuierlich gegeben werden, da sonst schwere Herzattacken drohen", so Hoppichler. Wie Prof. Dr. Hermann Toplak von der Medizinischen Univ.-Klinik Graz erklärte, stellt das stoffwechselaktive Bauchfett ein großes Gesundheitsproblem dar.

Der Bauchumfang korreliert mit dem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Hypertonie und Diabetes. Sinzinger: "Die Verwendung des Body-Mass-Index wird heute nicht mehr empfohlen. Viele Menschen haben Probleme, ihn zu berechnen. Außerdem wiegt der BMI Menschen mit geringer Muskelmasse, aber viel Körperfett in falscher Sicherheit."

Metabolisches Syndrom

Der Bauchumfang kann mit Hilfe eines Maßbandes leicht bestimmt werden. Er sollte bei Männern (möglichst weit) unter 102 cm, bei Frauen unter 88 cm liegen. Ist der Bauchumfang größer, leidet der Patient an der Fettkrankheit (Metabolisches Syndrom). Durch regelmäßigen Ausdauersport (mit niedriger Pulsfrequenz) kann das Fett verbrannt werden. "Bereits eine Reduktion des Bauchumfangs um einen Zentimeter senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes um 5 Prozent", betonte Toplak. 

Prim. Dr. Herbert Laimer, Rehab-Zentrum Bad Tatzmannsdorf, wies darauf hin, dass in Österreich rund 16.000 Menschen von familiärer Hypercholesterinämie betroffen sind. Oft wird die Erkrankung erst nach einem Herzinfarkt diagnostiziert. Laimer: "Häufig berichten die Patienten, dass bereits ein Elternteil in jungen Jahren einen Infarkt erlitten hat. Bei einem Screening der Familie zeigt sich dann, dass viele Verwandte hohe Cholesterinwerte haben. Auch schlanke und sportliche Kinder oder Enkel im Teenageralter können durchaus schon Cholesterinspiegel von 350 mg/dl aufweisen. "Rettet die Enkel", forderte Laimer daher.

Eine hervorragende Möglichkeit zur Erfassung der familiären Hypercholesterinämie sei die Stellungsuntersuchung. Die "Musterung" sollte auch für die gleichaltrigen Mädchen obligat sein, so Laimer. Die Zahl der Patienten, die mittels LDL-Apherese behandelt werden, ist laut Sinzinger gering. Die Möglichkeit dazu gibt es in allen Bundesländern außer dem Burgenland. 

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