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Entzündung und Immunität ist das Motto der 43. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin in Graz
© Sissy Furgler

Prof. Dr. Winfried Graninger Leiter der Abteilung für Rheumatologie und Immunologie der Univ.-Klinik für Innere Medizin der Medizinischen Universität Graz und Präsident der diesjährigen ÖGIM-Jahrestagung.

 
Innere Medizin 19. September 2012

ÖGIM 2012: Von der Forschung in die Klinik

Entzündung und Immunität stehen im Zentrum der diesjährigen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) vom 20. bis 22. September 2012 in Graz.

Wir sprachen mit Prof. Dr. Winfried Graninger, Leiter der Abteilung für Rheumatologie und Immunologie der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz und Präsident der diesjährigen Jahrestagung der ÖGIM über Schwerpunkte und Highlights dieses Kongresses, der eine Brücke von der wissenschaftlichen Forschung in die klinische Praxis schlagen soll.

„Entzündung und Immunität“ lautet das Motto der diesjährigen ÖGIM-Jahrestagung. Warum haben Sie gerade diesen Schwerpunkt gewählt?

Graninger: Die klinische Immunologie ist einerseits ein wichtiges Thema und wurde andererseits bisher von vielen Allgemeininternisten nicht entsprechend wahrgenommen. Nicht zuletzt bin ich als Leiter der Grazer Abteilung für Rheumatologie und klinische Immunologie daran interessiert, die medizinische Qualität in diesem Bereich zu fördern.

Bei der Entzündung handelt es sich um eine Reaktion des Organismus, die jedes Organ betreffen kann. Es ist für Internisten daher von großer Bedeutung, dass sie Entzündung als therapierbare physiologische Reaktion, die sich selbstständig machen kann, in der Theorie und der klinischen Translation verstehen.

Ein spezifisches Thema ist die Immunität. Das Abwehrsystem spielt für jeden Internisten eine große Rolle; insbesondere wenn es wie bei Autoimmunerkrankungen überaktiv oder bei Immunmangelerkrankungen beschädigt ist.

Was erwartet die Teilnehmer?

Graninger: Das Programm umfasst ein weites Spektrum, das über die gesamte Innere Medizin reicht. Alle Subgesellschaften der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin haben an der Gestaltung mitgewirkt, indem sie die jeweiligen Programmpunkte für ihre Bereiche festgesetzt haben. So reicht das Programm von der Sportmedizin über die Geriatrie, vom Impfen bis hin zur Humangenetik. Dabei haben wir stets darauf geachtet, dass die Vorträge klinisch relevant sind.

Kongresse haben oft den Ruf sehr wissenschaftlich und theoretisch zu sein und die klinische Relevanz zu vernachlässigen. Wie wollen Sie diese Brücke zwischen wissenschaftliche Forschung und klinischer Praxis schlagen?

Graninger: Wir haben Vortragende eingeladen, die genau diese translationale Wissenschaft betreiben. So konnten wir beispielsweise Prof. Dr. Wolfgang Gross aus Deutschland für den Festvortrag gewinnen, der ein berühmter Spezialist für Vaskulitiden und ein absoluter Kliniker ist. Es ist heute unmöglich, eine Therapie der Gefäßwand-Entzündung ohne entsprechende immunologische Grundkenntnisse durchzuführen, geschweige denn zu überwachen, wenn sie die molekularen Grundlagen der Wirkungsmechanismen der Medikamente nicht verstehen. Dies ist ein Beispiel, dass es in der Immunologie häufig um seltene Erkrankungen geht, bei denen es sich allerdings um Systemerkrankungen handelt, die den gesamten Organismus betreffen. Aber auch organspezifische Erkrankungen, von der Endokrinologie bis zur Nephrologie begegnen uns allen jeden Tag in der Praxis, und diesem Praxisbedarf wollen wir Rechnung tragen.

Welche Themen sind für Sie die Highlights der 43. ÖGIM-Jahrestagung?

Graninger: Ich denke, dass wir ein sehr vielfältiges Programm erstellen konnten, in dem jeder Kongressteilnehmer – abhängig von den individuellen Interessen – interessante Vorträge finden wird. Gemäß dem Motto wird dies häufig in Zusammenhang mit Entzündung und Immunität stehen. Nicht zuletzt gehen auch die vielen Satelliten-Symposien auf Neuerungen in der pharmazeutischen Industrie ein.

Außerdem haben wir mit viel Aufwand die Facharztprüfung als Modell abgebildet. Interessierte können an einem Computerterminal anonym mit Fragen aus der echten Prüfung ihr Wissen überprüfen. In einer eigenen Sitzung werden die Fragen der Facharztprüfung besprochen.

Darüber hinaus gibt es eine Sitzung der korporativen Mitglieder zum Thema moderne Geriatrie. Es geht um Immunologie auf jeder Ebene. So haben wir auch eine basic Lecture ins Programm aufgenommen, in der die Bedeutung der Fibroblasten und Bindegewebszellen in der Immunologie translational erläutert wird. Sie sehen, das Programm reicht von sehr anspruchsvoll bis zu sehr klinisch, und ich bin stolz auf das Programm.

Welch Rolle spielt die pharmazeutische Industrie bei einem Kongress wie diesem?

Graninger: Der finanzielle Aufwand für einen derartigen Kongress ist naturgemäß ziemlich hoch und kann nur zum Teil durch die Teilnahmegebühren hereingespielt werden. Hier hat die pharmazeutische Industrie natürlich eine große Rolle als Sponsor. Aber auch in der Vermittlung von neuen pharmazeutischen Spezialitäten ist die Industrie ein wertvoller Partner.

Welchen Stellenwert hat das Rahmenprogramm für die ÖGIM-Jahrestagung?

Graninger: Ein Kongress ist eine Zusammenkunft, die einen über das rein fachliche und wissenschaftliche hinausgehenden sozialen Aspekt hat. Da gehört es dazu, dass man sich unterhält, gemeinsam isst und trinkt. Der berufliche Kontakt innerhalb der Disziplin der Inneren Medizin ist schon deshalb wichtig, da die Gefahr besteht, dass jeder nur noch seine Subspezialität sieht. Der Kongress bietet die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und innerhalb der Inneren Medizin interdisziplinäre Kontakte zu knüpfen.

Das Interview führte Mag. Harald Leitner.

Harald Leitner, Ärzte Woche 38/2012

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