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Innere Medizin 17. September 2012

Riskanter als angenommen

„Stille“ Gallensteine: Auch bei Beschwerdefreiheit steigt die Krebsgefahr, wie aktuelle Studien belegen.

Jeder Sechste hat sie, viele sind sich ihrer Gallensteine aber gar nicht bewusst, da ihnen nichts weh tut. 20 bis 40 Prozent der Betroffenen hingegen leiden unter anfallartigen, teils heftigen Schmerzen im Oberbauch, die manchmal in den Rücken oder in die rechte Schulter ausstrahlen oder unspezifische Beschwerden, wie Druck- oder Völlegefühl und Blähungen verursachen.

Wer seine Gallensteine regelmäßig spürt, ist doppelt betroffen: Neben den schmerzhaften Koliken neigt man bekanntlich auch häufiger zu Komplikationen als jene, die beschwerdefrei sind. Als besonders heikle Folgen gelten Ikterus, Pankreatitis und Cholezystitis. Letztere kann in der Akutphase zur Peritonitis und somit zu einem lebensbedrohenden Zustand führen. Es besteht auch die Gefahr, dass Steine durchbrechen, in den Darm wandern und dort einen Darmverschluss verursachen.

So nimmt das Krebsrisiko zu

Als offizielle Empfehlung gilt heute: Solange Gallensteine keine Beschwerden bereiten, müssen sie nicht behandelt werden. Allerdings steigt auch beim symptomlosen Patienten die Risikogefahr. Laut Studien führen „stille“ Gallensteine bei bis zu 3 Prozent der Betroffenen im Laufe der Jahre zu schweren Komplikationen.

Auch das Krebsrisiko nimmt zu: Die raue Steinoberfläche reizt die Blasenwand und deren häufige Entzündung fördert Gallenblasenkrebs. „Speziell bei Männern wurde in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg des biliären Karzinoms, das Gallenblase und Gallengänge betrifft, beobachtet“, berichtet Chirurg Dr. Andreas Franczak, Oberarzt am Evangelischen Krankenhaus-Wien. Laut Langzeitstudien steigt auch die Gefahr für Dünndarmkrebs signifikant, die Wahrscheinlichkeit für Prostata- und Nierenzellkrebs wird beeinflusst. Wurden die Daten mehrerer Studien zusammengefasst, ergab sich ein knapp zweieinhalbfach erhöhtes Risiko für Dünndarmkrebs durch Gallensteine. Dabei musste das Gallensteinleiden seit mindestens zehn Jahren bestehen.

Wann „stille“ Steine entfernen?

Daher empfiehlt die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie jetzt auch bei bestimmten beschwerdefreien Patienten die vorsorgliche Entfernung der Gallenblase: bei Steinen, die bereits größer als 3cm sind, bei über 1 cm großen Polypen oder bei Colitis ulcerosa. „Auch solche Patienten, auf welche die vorhin genannten Punkte nicht zutreffen, sollten vorsichtshalber alle 1,5 - 2 Jahre zu einer Oberbauch-Sonographie gehen, um Steingröße, bzw. die Beschaffenheit der Gallenblasenwand zu kontrollieren“, rät Doz. Dr. Werner Weiss, Internist und Gastroenterologe in Wien.

Empfehlenswert, so der Chirurg Franczak, ist ein Eingriff auch bei jenen, welche ab und zu Beschwerden haben und eine längere Auslandsreise planen. „Gallenkoliken können zum ungünstigsten Zeitpunkt auftreten und nicht überall auf der Welt die medizinische Versorgung auf dem bei uns gewohnten Niveau“, gibt Weiss zu bedenken.

Gallensteine können heute bei nahezu allen Patienten gemeinsam mit der Gallenblase durchs Schlüsselloch entfernt werden. Bei den modernen, mikrolaparoskopischen Techniken und den neuen, feinen Instrumenten sind dazu in der Regel nur mehr zwei winzige Einstiche und ein kleiner Schnitt in der Bauchdecke nötig. Franczak: „In geeigneten Fällen wird die Operation heute von spezialisierten Chirurgen schon ohne verbleibende sichtbare Narbe durch einen einzigen Zugang im Nabel (SILS-Technik) durchgeführt.“ Der Klinikaufenthalt beträgt üblicherweise nur mehr drei bis vier Tage, eine spezielle Diät ist nicht erforderlich.

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