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Foto:  EyeWire
Transplantatverlust verhindern: Blutgruppenantigene aus dem Blut entfernen,
 
Innere Medizin 15. Juni 2009

Erfolgreiche Nierentransplantation gegen die ABO-Barriere

Ein vielversprechendes Verfahren könnte zukünftig zur Erweiterung des Lebendspenderpools führen.

Frühzeitige Transplantationen von dialysepflichtigen Patienten sind nur mit einer Lebendspende möglich. Ein gleiches Blutgruppenprofil von Spender und Empfänger ist aber für solch einen Eingriff Voraussetzung. Mit der Einführung der AB0-inkompatiblen Form der Organverpflanzung könnten sich nun neue Perspektiven ergeben.

Eine Inkompatibilität im ABO-Blutgruppensystem gilt als harte immunologische Barriere gegen Organtransplantationen, sie birgt ein hohes Risiko für einen irreversiblen Transplantatverlust durch hyperakute Abstoßung. Dieser Sachverhalt vermindert die Möglichkeit, Nierentransplantationen von Lebendspenden („Verwandtentransplantation“) durchzuführen, um bis zu 30 Prozent. In Anbetracht des weltweiten Mangels an Organen für die Organtransplantation ist dies ein schwerwiegender Tatbestand. Zudem stellt gerade die Verwandtentransplantation aus verschiedensten Gründen eine optimale Form der Organtransplantation mit einer langen Funktionsdauer des Transplantates dar.

In den letzten Jahren konnte auch in einigen Studien gezeigt werden, dass durch eine präoperative Elimination von Blutgruppenantigenen eine ABO-inkompatible Lebendnierentransplantation mit geringem immunologischem Risiko und gutem Langzeitergebnis vorgenommen werden kann. Diese Antigenentfernung wurde früher mit einer Plasmapherese vorgenommen. Mit der Entwicklung der Blutgruppenantigen-spezifischen Immunadsorption, bei der selektiv und sehr effektiv Blutgruppenantigene aus dem Blut entfernt werden können, wurde die ABO-inkompatible Organtransplantation revolutioniert.

Mit dem Ziel einer Erweiterung des Lebendspendenpools wurden in den letzten zwei Jahren auch an der Medizinischen Universität Wien erste erfolgreiche Lebendtransplantationen gegen die ABO-Barriere durchgeführt. Bislang wurden vier Dialysepatienten unter Desensibilisierung mit Antigen-spezifischen Immunadsorption, B-Zell-Depletion durch Verabreichung eines CD-20-Antikörpers und Tacrolimus-basierter Immunsuppression ABO-inkompatibel transplantiert. Die Patienten hatten keine schwerwiegenden immunologischen oder infektiologischen Komplikationen, zeigten eine gute Transplantatfunktion, das aktuelle Patienten- und Transplantatüberleben war also 100 Prozent. Diese positiven Wiener Erfahrungen bestätigen die hohe Effektivität immunadsorptionsbasierter Empfänger-Desensibilisierung und geben Hoffnung auf einen breiteren Einsatz dieses Verfahrens.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen im Magazin Wiener Klinische Wochenschrift 7–8/09, 121. Jahrgang ©Springer-Verlag Wien

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