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Auffällige Fingergrundgelenke bei rheumatoider Arthritis.
 
Innere Medizin 10. August 2012

Moderne Gelenksrheuma-Therapie verlängert das Leben

Eindeutig positive Entwicklung durch Biologika.

Biotech-Medikamente gegen chronische Polyarthritis (auch: rheumatoide Arthritis/RA oder chronische Polyarthritis/cP) revolutionieren die Medizin auf diesem Gebiet. Vor 13 Jahren wurde in Europa das erste Biologikum zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen: Infliximab, ein monoklonaler Antikörper gegen den stärksten körpereigenen Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha). Jetzt konnte bewiesen werden, dass dieses und ähnliche Medikamente die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich erhöht, teilte die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie am Donnerstag in einer Aussendung mit.


Zeitgleich zu der Einführung der Arzneimittel in die Therapie hatten Experten Biologika-Register in mehreren europäischen Ländern eingerichtet, um Sicherheit und Wirksamkeit zu bestimmen. Die wissenschaftliche Gesellschaft: "Übereinstimmend zeigen die Register, dass eine Behandlung mit den am längsten erprobten Biologika, den TNF-Blockern, das Krebsrisiko nicht erhöht. Das deutsche Biologika-Register konnte jetzt erstmals zeigen, dass Rheuma-Patienten eine normale Lebenserwartung erreichen, wenn es gelingt, die Krankheitsaktivität dauerhaft zu kontrollieren. Es bestehe jedoch ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Infektionen bei Behandlung mit TNF-Blockern." Letzteres war schon aufgrund der klinischen Studien zur Zulassung dieser Medikamente bekannt.

Über Nutzen und Risiken der Biologika-Therapie sowie die optimale Therapieplanung diskutieren Experten auf dem 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vom 19. bis 22. September in Bochum. Fast 11.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) werden in dem seit elf Jahren bestehenden deutschen Biologika-Register RABBIT beobachtet - die Abkürzung steht für "Rheumatoide Arthritis: Beobachtung der Biologika-Therapie".

Großer Fortschritt durch Biologika in der Rheumatherapie


Der Hintergrund: Etwa ein Prozent der Bevölkerung leiden an chronischer Polyarthritis. Ehemals konnte diese chronisch entzündliche Erkrankung der Gelenke mit Substanzen wie Methotrexat, Leflunomid oder Sulfasalazin (Basistherapeutika) oft nur mangelhaft kontrolliert werden. Die chronische Entzündung zerstört einerseits die Gelenke. Das bedeutet oft Invalidität. Auf der anderen Seite fördert die chronische Entzündung aber auch die Atherosklerose und wirkt sich insgesamt negativ auf die Lebenserwartung der Rheumatiker aus. Die Biologika - monoklonale Antikörper und Biotech-Konstrukte zur Neutralisierung der entzündlichen Vorgänge - brachten eine wesentlich bessere Krankheitskontrolle. Wenn sie ab dem frühesten Stadium eingesetzt werden, können Schäden von Anfang an verhindert werden.

Risiken mithilfe des Biologika-Registers einschätzbar


"Inzwischen können wir aufgrund der Register-Daten das Mortalitäts-, Krebs- und Infektionsrisiko der Patienten gut einschätzen", erläuterte Angela Zink, Leiterin des Programmbereichs Epidemiologie am Deutschen Rheuma Forschungszentrum in Berlin. Es ist seit langem bekannt, dass die Lebenserwartung bei RA verkürzt ist. "Bei Auswertung der Daten des RABBIT-Registers haben wir jetzt aber festgestellt, dass RA-Kranke mit einer normalen Lebenserwartung rechnen können, wenn es gelingt, die Krankheitsaktivität auf ein niedriges Niveau zu senken", erläuterte die Expertin. Bei anhaltend hoher Krankheitsaktivität sei die Mortalität hingegen dreimal höher als in der Normalbevölkerung.

"Die Sterblichkeit der mit Biologika behandelten Patienten ist nach den RABBIT-Daten im Vergleich zu konventioneller Therapie deutlich verringert", so Angela Zink. Dies erkläre sich unter anderem durch die geringere Krankheitsaktivität und die Einsparung von Glukokortikoiden (Cortison). Patienten, die eine Biologika-Therapie erhalten, müssen nicht mit einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen rechnen, wie etwa Lymphomen oder Tumoren, so die übereinstimmenden Ergebnisse der europäischen Register. Hingegen ist das Risiko für schwerwiegende Infektionen erhöht. Aufgrund der Daten des RABBIT-Registers haben die Forscher einen Score entwickelt, mit dem Ärzte das Risiko eines Patienten berechnen können.

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