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Auch gastrointestinale Erkrankungen können zur Entwicklung einer Osteoporose führen.
 
Innere Medizin 3. Juli 2012

Häufig unberücksichtigt

Risikofaktoren für Osteoporose können auch Magen-Darm-Erkrankungen sein.

Ein Zusammenhang zwischen Osteoporose und Störungen des Magen-Darm-Trakts scheint zunehmend bestätigt. Daher wäre es an der Zeit, Risikofaktoren im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen in den europäischen Richtlinien zur Osteoporose-Prävention einen höheren Stellenwert einzuräumen, betont Prof. Dr. Heidi-Ingrid Maaroos der Universität von Tartu, Estland, im Namen der United European Gastroenterology.

 

„Das Bewusstsein für die Rolle gastrointestinaler Störungen und bestimmter gängiger Therapien bei der Osteoporose-Entwicklung sollte erhöht werden. Daher müssen Gastroenterologen Seite an Seite mit Allgemein- und Fachärzten den Kampf gegen die Osteoporose aufnehmen, denn diese erreicht mittlerweile epidemische Ausmaße“, so Maaroos.

Die Osteoporose-Epidemie

Schätzungen zufolge sind 1,6 Millionen Knochenbrüche weltweit pro Jahr auf eine Osteoporose zurückzuführen. Die Interessengruppe für Osteoporose im Europäischen Parlament ist zusammen mit der IOF (International Osteoporosis Foundation) und dem EU Osteoporosis Consultation Panel (Osteoporose-Beratungsforum der EU) federführend bei der Untersuchung der Epidemiologie, der Entstehung und des klinischen Managements der Osteoporose. Gemeinsam erarbeiten sie EU-weite Empfehlungen und nationale Richtlinien für eine verbesserte Therapie und Prävention der Osteoporose. „Risikofaktoren infolge von Magen-Darm-Erkrankungen bleiben dabei aber leider meist unberücksichtigt. Damit lässt man wichtige – und potenziell vermeidbare – Osteoporose-Ursachen außer Acht“, so Maaroos.

Osteoporose und der Magen-Darm-Trakt

Eine Osteoporose kann sich aufgrund von Verdauungsproblemen oder mangelhafter Nährstoffaufnahme bei Erkrankungen wie Zöliakie oder atrophischer Gastritis, als Folgeproblem bei Magen-Bypässen oder als Nebenwirkung von Corticosteroiden oder Protonenpumpenhemmern (PPIs) entwickeln. Bei Zöliakie etwa weisen bis zu 75 Prozent aller neu diagnostizierten Erwachsenen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits eine signifikant reduzierte Knochenmineraldichte auf. „Menschen mit Zöliakie können Nährstoffe wie Kalzium nur schwer aufnehmen. Dazu kommt, dass viele aufgrund einer zusätzlichen Laktose-Intoleranz Milchprodukte jahrelang meiden“, so Maaroos. „Dies verdoppelt ihr Risiko für Knochenbrüche im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.“ Auch eine verringerte Konzentration an Magensäure als typische Folge atrophischer Gastritis oder der Einnahme von PPIs kann zur mangelhaften Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen führen und das Risiko osteoporosebedingter Knochenbrüche erhöhen.

Ein weiteres Problem sind Steroide, die als Erstbehandlung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz kommen und ebenfalls zu Problemen bei der Nährstoffaufnahme und zu verringerter Knochenmineraldichte führen können. „Dies ist besonders Besorgnis erregend, weil auch viele junge Menschen an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden und mit Steroiden behandelt werden“, so Maaroos.

Auch adipositas-chirurgische Eingriffe zur Behandlung hochgradigen Übergewichts gehen mit einer mangelhaften Aufnahme von Mineralstoffen und damit einem erhöhten Osteoporose-Risiko einher.

Osteoporose auch für Magen- und Darmspezialisten relevant

Daher können Gastroenterologen und andere Fachärzte erheblich zur Osteoporose-Prävention beitragen, indem sie die Risiken der Adipositas-Chirurgie sowie chronischer und oftmals unerkannt verlaufender Krankheiten wie Zöliakie und atrophischer Gastritis berücksichtigen und bei Patienten, die Steroide oder PPIs einnehmen, die Knochenmineraldichte regelmäßig untersuchen, ist Maaroos überzeugt.

 

Quelle: UEG – United European Gastroenterology – www.ueg.eu 

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