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Innere Medizin 28. Mai 2009

Mit Methylenblau gegen Anopheles-Mücken

Neue Wirkstoffkombinationen auf Basis des ältesten synthetischen Malariamittels können die Verbreitung der einzelligen Malaria-Parasiten entscheidend eindämmen.

Tropenmediziner des Universitätsklinikums Heidelberg haben in einer Studie mit 160 an Malaria erkrankten Kindern in Burkina Faso gezeigt: Kombiniert mit neueren Malaria-Medikamenten verhindert Methylenblau, dass die Malariaerreger infizierter Menschen von den blutsaugenden Moskitos wieder aufgenommen und weiter verbreitet werden können. Die Strategie ist damit doppelt so effektiv wie die Standardtherapie.

Die Gametozyten sind der Schlüssel für die Ausbreitung der Malaria durch die Anopheles-Mücke. Gängige Malaria-Medikamente, Artemisinine, blockieren die Vermehrung der Plasmodien im menschlichen Körper und verringern die Anzahl der Gametozyten im Blut um die Hälfte. Die Übertragung des Erregers auf die Mücke wird zwar erschwert, aber nicht verhindert.

In der aktuellen Studie in Burkina Faso mit 160 an Malaria erkrankten Kindern zwischen sechs und zehn Jahren testeten die Heidelberger Forscher, wie Kombinationstherapien von Artemisininen und Methylenblau auf die Gametozyten im Blut wirken. Eine Gruppe der Kinder erhielt die Standardtherapie, eine Kombination der Wirkstoffe Artesunat und Amodiaquin, zwei weitere Gruppen jeweils Methylenblau kombiniert mit einem der beiden Medikamente. Die Mediziner kontrollierten anhand von Blutproben die Anzahl der Gametozyten drei, sieben und 14 Tage nach Therapiebeginn.

Es zeigte sich: Beide Kombinationstherapien wirkten doppelt so gut gegen Gametozyten wie die Standardtherapie; schon in den ersten Tagen waren diese Parasiten-Formen fast vollständig verschwunden.

Durchschlagender Erfolg

Methylenblau hemmt dabei nicht nur die Bildung der Geschlechtsformen, sondern zerstört auch die bereits vorhandenen Zellen. Da Methylenblau von der Heidelberger Arbeitsgruppe bereits seit Jahren in Westafrika angewendet wird, ist es klinisch gut getestet; schwere oder gehäufte Nebenwirkungen traten nicht auf.

Besonders wichtig: Durch die Kombination mit Methylenblau wird die Resistenzentwicklung gegen Artemisinine erschwert.

Die Ergebnisse der Heidelberger Studie sind im Mai [O1]2009 im Online-Magazin PloS One veröffentlicht worden.

 

UniHeidelberg/IS , Ärzte Woche 22 /2009

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