zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 23. Mai 2012

Schützt eine Harnsäuresenkung?

Harnsäure ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Atherosklerose.

Auch ohne manifeste Gicht könnte es sinnvoll sein, erhöhte Harnsäurewerte zu senken. Denn möglicherweise lässt sich auf diesem Weg das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Niereninsuffizienz verringern.

Die Korrelationen sind relativ deutlich: Eine erhöhte Harnsäure spricht bei Patienten mit Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen für ungünstige Verläufe. Eine Absenkung der Harnsäure scheint Herz-Kreislauf-Effekte zu haben. Doch Daten aus großen Studien fehlen bisher.

Viel spreche dafür, dass Harnsäure in den Gefäßen eine endotheliale Dysfunktion verursache, so Prof. Dr. Jan Kielstein von der Abteilung Nephrologie und Hypertensiologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Auf diesem Wege könnte es die Niere schädigen, so könnten die Endotheldefekte das Renin-Angiotensin-System aktivieren. Sollte dieser Mechanismus klinisch relevant sein, könnte er erklären, was Nephrologen seit einigen Jahren wissen: „Je höher die Harnsäurespiegel, umso höher ist das Risiko einer chronischen Niereninsuffizienz“, so Kielstein.

In einer Studie aus dem Jahr 2008 beispielsweise war das Risiko einer Niereninsuffizienz (CKD-Stadium III bis V) bei Harnsäurespiegeln von über 9 mg/dl um den Faktor zwei bis drei höher als bei Werten unter 7 mg/dl. Die chronische Niereninsuffizienz wiederum gilt als etablierter kardiovaskulärer Risikofaktor.

Auf eine Bedeutung der Harnsäure bei der Herz-Kreislauf-Regulation deutet auch eine andere prospektive Studie hin, die bei 263 Typ-1-Diabetikern den Zusammenhang zwischen Harnsäure und diabetischer Nierenerkrankung untersucht hat.

Harnsäuresenkung senkt den systolischen Blutdruck

Höhere Harnsäurewerte gehen demnach mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine diabetische Nephropathie einher. 1 bis 2 mg/dl mehr Harnsäure bedeuten ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko.

Dass eine Harnsäuresenkung Kreislaufeffekte haben kann, belegt eine viel zitierte Studie bei hypertensiven Jugendlichen, die aber zu klein für weitreichende Schlussfolgerungen war: „In dieser Studie führte eine Senkung der Harnsäure ohne antihypertensive Therapie zu einem Abfall des systolischen Blutdrucks“, so Kielstein.

Der Grund könnte darin gelegen haben, dass in diesem frühen Stadium der Hypertonie die Gefäße noch nicht strukturell verändert sind, sich das Endothel also erholt, wenn die Harnsäure verschwindet.

Insgesamt vertrat Kielstein bei der von Berlin-Chemie unterstützten Gicht-Akademie die Auffassung, es sei durchaus denkbar, dass die Harnsäuresenkung künftig als renal und kardiovaskulär präventive Maßnahme etabliert wird: „Wir brauchen dazu dringend klinische Studien, die die Bedeutung der Xanthin-Oxidase-Inhibition bei der Progressionsminderung der chronischen Niereninsuffizienz und der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen klären.“

Für eine Absenkung der Harnsäure ohne manifeste Gicht spreche die Tatsache, dass Harnsäure ein unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkte und Atherosklerose sei, bestätigte Prof. Dr. Stefan Schewe aus München-Gräfeling. Hohe Harnsäurewerte verschlechterten sowohl eine Hypertonie als auch eine endotheliale Dysfunktion. Allerdings fehlten Studien, und zudem komme es bei den meisten Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten weder zu Gichtanfällen noch zu kardiovaskulären Komplikationen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben