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Innere Medizin 12. Mai 2009

Liebevoller Parasit fortan besser enttarnt

Dem Pärchenegel, ein Parasit im Zeichen des Eros, werden seine DNA-Spuren im Körper des Wirtes zum Verhängnis. War man früher von Antikörpertest und Fäkalienbeschau abhängig, steht nun ein Bluttest zur Verfügung.

Die Schistosomiasis zählt zu den gefährlichsten Tropenerkrankungen mit einer schier unüberschaubaren Opferzahl. Der Nachweis per Antikörpertest bzw. das Aufspüren der Eier im Rahmen einer Harn- und Kotuntersuchung mit Mikroskop haben ihre Tücken. Daher ist die Nachricht aus Hamburg, dass ein neuer Bluttest den Erreger leichter ausfindig machen kann, eine ausgezeichnete Botschaft.

 

Manche Parasiten begleiten die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Zu ihnen zählt auch der global verbreitete Schistosoma, der bereits in ägyptischen Mumien entdeckt wurde. Dabei hätte der Schmarotzer unter besseren Umständen auch als Inbegriff der Liebe gelten können, schließlich sind die weiblichen und männlichen Trematoden auf ihrer Reise durch den Wirt innig ineinander verschlungen (genauer gesagt, befindet sich das Weibchen in der männlichen Bauchfurche), weshalb sie auch Pärchenegel genannt werden. Klingt drollig, sind sie aber nicht, denn die Schistosomiasis (früher noch nach ihrem Erstbeschreiber als Bilharziose bezeichnet) gilt als eine der wichtigsten Tropenkrankheiten mit einer geschätzten Opferzahl von rund 200.000 Menschen pro Jahr.

Die unterschiedlichen Symptome, die sich nach dem befallenen Organ ausprägen, machen bislang die Diagnose nicht einfach. Der herkömmliche Antikörper-Test hatte einerseits seine Mühe, akute Infektionen anzuzeigen, und schlug dagegen bei längst abgeheilten Infektion Alarm. Auch die Methode, die Parasiteneier im Urin oder Stuhl nachzuweisen, ist aufgrund der ungleichmäßigen Verteilung kaum praktikabel.

Nun konnten aber Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin der Universitäten Hamburg sowie Gießen einen wichtigen Schritt in der Diagnose des Erregers vollziehen und konzipierten den ersten DNA-Test für Schistosomiasis.

Im Journal PLoS Neglected Tropical Diseases beschreiben die Wissenschaftler den Bluttest sowohl bei akut als auch bei chronisch Infizierten als hochsensitiv. Zudem korrespondiert die nachgewiesene DNA-Menge mit der Menge der Erreger.

 

Der Artikel Diagnosing Schistosomiasis by Detection of Cell-Free Parasite DNA in Human Plasma” kann unter www.plosntds.org/doi/pntd.0000422 abgerufen werden.

Von Raoul Mazhar, Ärzte Woche 20/2009

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