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Foto: wikipedia
Der Hundebandwurm ist ein guter Grund, gegen die urbane Hundehaufenplage vorzugehen. Er kann auch Menschen befallen.
Foto: Archiv WMW Skriptum

Univ.-Prof. Dr. Herbert Auer, Klinisches Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Wien

 
Innere Medizin 12. Mai 2009

Heimische Leberparasitosen mit potenziell auch tödlichen Verlaufsformen

Nur wenige Arten sind für einen Großteil aller parasitären Leberinfektionen verantwortlich.

Das Spektrum parasitärer Krankheitserreger, die im Verlauf ihres Lebens die Leber (und das Gallengangsystem) des Menschen „aufsuchen“, ist zwar sehr umfangreich, die Zahl jener Parasiten, die vornehmlich in der Leber lokalisiert sind, deutliche Gesundheitseinschränkungen verursachen und daher als „Leberparasitose-Erreger“ bezeichnet werden können, umfasst hingegen nur etwa ein knappes Dutzend Arten. Unter diesen sind Entamoeba histolytica, die beiden Bandwürmer Echinococcus multilocularis und E. granulosus sowie Fasciola hepatica die wichtigsten Parasitenarten, die beim Menschen auch tödlich verlaufen können.

 

Ein Amöbenleberabszess (ALA) entwickelt sich zumeist, aber nicht immer, im Anschluss an eine nicht behandelte (blutig-schleimige) Diarrhoe, die sogenannte Amöbenruhr. Die Inkubationszeit variiert allerdings beträchtlich und kann eine Woche bis mehrere Jahre betragen. Bei Patienten mit Oberbauchbeschwerden und Fieber (insbesondere nach Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard) muss an einen ALA gedacht werden. Der ALA lässt sich mittels bildgebender Verfahren (Oberbauch-Sonographie, CT) gut darstellen. Durch sensitive parasitologisch-serologische Testmethoden (z. B. IHA, ELISA) kann die klinische Verdachtsdiagnose mit hoher Treffsicherheit abgeklärt werden. Die Behandlung des ALA besteht in der Regel ausschließlich in der Verabreichung von Metronidazol; unbehandelt ist die Letalität beim ALA sehr hoch.

Die durch Finnen des Echinococcus multilocularis (Kleiner Fuchsbandwurm) hervorgerufene alveoläre Echinokokkose (AE) stellt zwar eine seltene, jedoch sehr schwere chronische Lebererkrankung dar, sie gilt als eine der gefährlichsten Parasitosen des Menschen überhaupt und kommt auch in Österreich autochthon vor. Infektionsquelle sind die Fuchsbandwurm-Eier, die über den Kot in die Umwelt gelangen. Werden diese sehr umweltresistenten Eier von einem Menschen oral aufgenommen (z. B. über kontaminierte Hände), schlüpfen aus den Eiern Larven, die in die Leber gelangen, wo sie zu infiltrativ wachsenden Finnen heranwachsen. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich zehn bis 15 Jahre, die klinische Symptomatik ist meist durch Schmerzen im rechten Oberbauch charakterisiert. Die Diagnostik der alveolären Echinokokkose basiert in allererster Linie darauf, die AE in die Differentialdiagnose aufzunehmen, anschließend mittels bildgebender Verfahren (vor allem Oberbauch-Sonographie, CT) die Ausdehnung und genaue Lokalisation der pathologischen Leberläsionen zu erheben und mit parasitologisch-serologischen Methoden die klinische Verdachtsdiagnose (Trefferquote fast 100 Prozent) zu erhärten (oder auszuschließen). Die Behandlung der AE umfasst meist eine chirurgische Intervention in Kombination mit einer meist jahrelangen Verabreichung von Anthelminthika (i. e. Albendazol). Die Prognose hängt vom Krankheitsstadium bei Diagnosestellung ab: Wird die Infektion noch vor Auftreten klinischer Symptome diagnostiziert (z.B. durch regelmäßige parasitologisch-serologische Untersuchungen von Menschen mit besonders hoher Exposition) und adäquat behandelt, ist eine „reconstitutio ad integrum“ sehr wahrscheinlich.

Der Hundebandwurm befällt auch nichtbellende Opfer

Die zystische Echinokokkose (ZE) wird durch Finnen des Echinococcus granulosus (Dreigliedriger Hundebandwurm) – nach oraler Aufnahme von Hundebandwurm-Eiern aus Hundekot – hervorgerufen. Im Gegensatz zu den Fuchsbandwurmfinnen wachsen jene des Hundebandwurmes zystisch, die vornehmlich in der Leber, aber auch in anderen Organen situiert sein können. Nach einer mehrmonatigen bis mehrjährigen Inkubationszeit treten aufgrund des zystisch-expansiven Wachstums klinische Symptome auf, die bei einer Leber-Echnikokkose meist durch Schmerzen im rechten Oberbauch gekennzeichnet sind. Wie bei der AE basiert die Diagnose der ZE auf der Anamnese, den Ergebnissen bildgebender Verfahren sowie parasitologisch-serologischer Untersuchungen. Auch die Behandlung umfasst in der Regel den kombinierten Einsatz chirurgischer und anthelminthischer Therapiemaßnahmen. Zudem besteht bei Vorliegen einer Leber-Echinokokkose (unter bestimmten Kautelen) die Möglichkeit des Einsatzes des „PAIR-Verfahrens“ (puntion, aspiration, instillation, reaspiration) durch Ultraschall-gezielte Punktion von im Leberparenchym eingeschlossenen Zysten nach mehrtägiger präoperativer Albendazol-Therapie.

Fasziolose

Die Leberegel-Krankheit stellt eine in Österreich seltene Helminthozoonose dar, an die nur selten gedacht wird. Der Mensch erwirbt die Krankheit durch Verzehr von mit Metazerkarien kontaminierten Vegetabilien (Salat, Wasserkresse, Bärlauch, Löwenzahnblätter). Im Dünndarm des Menschen penetrieren die Metazerkarien den Darm und migrieren durch das Leberparenchym, indem sie – in Abhängigkeit von der Infektionsdosis – intensive Entzündungsreaktionen induzieren, die sich auch klinisch durch Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber, gastrointestinale Erscheinungen und Oberbauchbeschwerden manifestieren können. Der eigentliche Aufenthaltsort der adulten Leberegel sind die großen Gallengänge. Die Inkubationszeit ist meist nur kurz (wenige Tage), der Nachweis der Eier im Stuhl ist allerdings erst zehn bis zwölf Wochen später möglich. Durch Nachweis spezifischer Antikörper gegen Fasciola hepatica-Antigen kann die Diagnose allerdings schon zwei bis drei Wochen nach der Infektion gestellt werden. Als Therapeutikum der Wahl gilt heute der Wirkstoff Triclabendazol.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen im Magazin Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 4/2009.

© Springer-Verlag, Wien

Von Prof. Dr. Herbert Auer, Ärzte Woche 20/2009

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