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Innere Medizin 3. Mai 2012

Ausgangswert entscheidend

Selen: Was den einen nutzt, kann anderen schaden.

Selen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Nahrung, der zur Synthese einer Reihe von Proteinen benötigt wird. Viele davon arbeiten als Enzyme und haben direkten Einfluss auf die Gesundheit. Doch die unreflektierte Zufuhr dieses Spurenelements ist kritisch. Denn während Menschen mit niedrigem Selenspiegel von einer zusätzlichen Aufnahme profitieren, nehmen andere mit adäquaten oder erhöhten Selenspiegeln durch die Zufuhr der gleichen Menge Selen Schaden.

Die Aufnahme von Selen mit der Nahrung variiert von 7 µg/Tag bis zu 4.990 µg/Tag, je nach Lebensraum. Während die Einwohner von Venezuela, Kanada, Japan oder den USA täglich hohe Mengen Selen auf natürliche Weise zu sich nehmen, sind es bei europäischen Frauen im Mittel nur 40 µg/d.

Empfehlungen für die tägliche Selenzufuhr liegen bei durchschnittlich 60 µg/d für Männer und 53 µg/d für Frauen. Die besten Selenlieferanten sind Innereien, Fisch, Meerestiere und Nüsse, gefolgt von Getreide- und Vollkornprodukten, Fleisch, Milch und Milchprodukten.

Vielfältige Seleneffekte

In prospektiven Studien konnte gezeigt werden, dass in bestimmten Bevölkerungsgruppen eine höhere Selenkonzentration mit niedrigeren Mortalitätsraten verknüpft ist und umgekehrt.

Gleichzeitig wurden dem Selenmangel ungünstige Auswirkungen auf Immunabwehr und kognitive Fähigkeiten zugeschrieben. Höhere Selenspiegel dagegen wurden mit antiviralen Effekten, erhöhter Fruchtbarkeit und einem geringeren Risiko für autoimmune Schilddrüsenerkrankungen in Verbindung gebracht.

Bei 122 µg/l scheiden sich Nutzen und Schaden

Zunächst ließen prospektive Studien vermuten, dass höhere Selenspiegel das Risiko für verschiedene Krebsarten, darunter Prostata-, Lungen- und Blasenkarzinome, senken. Allerdings zeigte sich, wie auch beim Risiko für einen Typ-2-Diabetes, nur dann ein Nutzen der Supplementation, wenn die Probanden vor der Behandlung einen niedrigen Selenspiegel hatten.

In der NPC-Studie etwa ließ sich der präventive Effekt nur bei Patienten mit Serumselen < 122 µg/l erkennen. Bei diesen Probanden reduzierte sich sowohl das Krebsrisiko als auch das Risiko für nicht melanösen Hautkrebs und Typ-2-Diabetes, wenn sie eine Selensupplementation von 200 µg/d erhielten. Andererseits erhöhte sich das Risiko für die gleichen Krankheiten, wenn Personen supplementiert wurden, deren Ausgangswert für Selen ohnehin schon bei 122 µg/l lag. Die NPC-Studie zeigte auch, dass Patienten mit einem Serumselen zwischen 130 und 150 µg/l die niedrigsten Mortalitätsraten aufwiesen.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 18 /2012

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