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Innere Medizin 3. Mai 2012

Schützendes Stresshormon Cortisol fehlt

Patienten mit koronarer Herzerkrankung leiden häufiger an Depressionen als Gesunde.

Menschen mit KHK haben unter mentalem Stress eine eingeschränkte hormonelle Stressreaktivität, obwohl sie die Stressbelastung deutlich empfinden. Es kommt bei ihnen zu einer verminderten Ausschüttung des „Stresshormons“ Cortisol, das auch eine entzündungshemmende und auf überschießende Immunreaktionen dämpfende Wirkung hat. Dieser „Hypocortisolismus“ wird durch das Vorliegen einer chronischen Depression noch verstärkt und hängt in seiner Ausprägung vom Schweregrad der Depression ab. Er könnte ein direkter Hinweis auf eine möglicherweise gesteigerte Entzündung und Immunantwort sein, die das Fortschreiten einer KHK begünstigen könnte, so Dr. Christiane Waller, Internistische Psychosomatik, Universitätsklinikum Ulm.

Bei ihrer Untersuchung hatte Waller drei Teilnehmergruppen – 43 Herz-Kreislauf-Patienten mit und ohne Depressionen, sowie 11 gesunde Probanden – stressenden Situationen (freie Rede plus Rechentest vor einem Gremium) ausgesetzt. Stress und Angst wurden durch Fragebögen ermittelt, zusätzlich wurden mit Bluttests die Stresshormone Cortisol und ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) gemessen.

Mehr Belastung und körperliche Beschwerden

Die depressiven Patienten waren signifikant mehr belastet und hatten mehr körperliche Beschwerden als die Patienten ohne Depression. Während das Plasma-ACTH keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen zeigte, war das Serum-Cortisol bei den Patienten mit Depression sowohl in Ruhe als auch kurz nach mentalem Stress signifikant reduziert im Vergleich zu den gesunden Probanden. Das Serum-Cortisol korrelierte negativ mit der Depression und der Angst sowohl in Ruhe als auch zum Zeitpunkt des maximalen Stresses.

Depression fördert koronore Herzerkrankung

Der Hintergrund der Studie: Patienten mit KHK leiden signifikant häufiger an einer Depression als Gesunde. Es ist bekannt, dass das Vorkommen einer Depression mit dem Fortschreiten der KHK oder dem Auftreten neuer Infarktereignisse assoziiert ist. Akute Depressionen sind mit einer verstärkten hormonellen Stressantwort verbunden, die sich u.a. in einem Anstieg der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-(HPA)-Achsen-Reaktivität ausdrückt. Chronische Depressionen zeigen jedoch unter Stress eine reduzierte basale ACTH und Cortisol-Sekretion sowie eine verminderte Suppression von Cortisol im Dexamethason-Hemmtest. Ziel dieser experimentellen Studie war die Untersuchung der akuten Stressreaktivität von KHK-Patienten in Abhängigkeit vom Grad der Depression.

Die Ergebnisse könnten zu einer Erklärung beitragen, warum KHK-Patienten häufiger an Depressionen leiden als Gesunde und umgekehrt Depression mit dem Fortschreiten der KHK oder dem Auftreten neuer Infarktereignisse assoziiert ist. FH

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

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