zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 3. Mai 2012

Infarkt-Sterblichkeit um 70 Prozent verringert

Tagungspräsidentin Prof. Dr. Ellen Hoffmann: „Neue Technologien befinden sich in klinischer Erprobung und könnten in Zukunft den Schrittmacherbereich revolutionieren.“

Die Fortschritte der modernen Herzmedizin haben zu einer Verringerung der Infarkt-Sterblichkeit um etwa 70 Prozent in den vergangenen drei Jahrzehnten geführt. Großen Anteil daran haben die schonenden Eingriffe der „interventionellen Kardiologie“, so Prof. Dr. Ellen Hoffmann, Tagungspräsidentin der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

 

Durch Forschung und Entwicklung haben sich die interventionellen Therapien rasant entwickelt. Zwei Beispiele: „Der plötzliche Herztod kann heute mittels moderner Defibrillatoren abgewendet und die Krankheitsursache interventionell mittels Herzkatheter behoben werden“, so Hoffmann.

Kardiale Resynchronisationstherapie mittels implantiertem Gerät

Neue Entwicklungen im Bereich der CRT-Therapie sind auf dem Vormarsch. Bei schwerer Herzinsuffizienz kommt es häufig zu Störungen des Reizleitungssystems, was zu unkoordinierter Kontraktion der Herzkammern und zur weiteren Leistungseinschränkung führt. Hoffmann: „Mit einer zusätzlichen dritten Sonde kann die Erregung resynchronisiert und somit die Symptomatik und Sterblichkeit gebessert werden. Telemonitoring-Verfahren bieten uns heute die Möglichkeit, die Therapie frühzeitig anzupassen und somit unnötige Krankenhausaufenthalte zu verhindern.“

Mehrpolige linksventrikuläre Sonden können die Resynchronisation durch Auswahl des optimalen Stimulationsorts verbessern. Neue Technologien, um drahtlos im linken Ventrikel ohne zusätzliche Sonde zu stimulieren, befinden sich in klinischer Erprobung und könnten vielleicht in Zukunft den Schrittmacherbereich revolutionieren, so Hoffmann.

Katheter-geführte Aortenklappen-Implantation

Besonders ältere Menschen mit schwerer Aortenklappen-Stenose und mit „Komorbiditäten“, für die eine herzchirurgische Therapie nicht in Frage kommt, können von der transkutanen Katheter-geführten Aortenklappen-Implantation (TAVI) profitieren. Hoffmann: „Diesen Patienten, die zuvor keine Behandlungsperspektive und eine schlechte Prognose hatten, kann durch eine Katheterintervention wieder gute Lebensqualität und verlängerte Lebenszeit gegeben werden.“

Neue Wege bei der Ablation von Herzrhythmusstörungen

Auch bei der Ablation von Herzrhythmusstörungen schreitet die Entwicklung voran. Bei der herkömmlichen Ablation von Vorhofflimmern wird hochfrequenter Strom an der Stelle innerhalb des Herzens abgegeben, an der die Rhythmusstörung entsteht. Das Gewebe stirbt ab und wird durch elektrisch nicht aktives Narbengewebe ersetzt. Hoffmann: „Neue Kathetertechniken können die Effizienz und Sicherheit erhöhen. Neue Ablationskatheter helfen, den Anpressdruck zu überwachen, visuell geführte Verfahren wie die Laserballon-Ablation müssen noch zeigen, wie sicher und effektiv sie in einem Real-World-Szenario sind. Der Cryoballon als neues Ablationsverfahren mittels Kälte ist bereits in der Anwendung etabliert. Durch die Entwicklung des simultanen zirkulären Mappingkatheters konnte das Verfahren weiter verbessert werden. Dieses neue Verfahren wird derzeit in der kontrollierten Studie „Fire and Ice“ unter der Leitung von Prof. Kuck und in der Registerstudie „FREEZE Cohort Study“ unter meiner Leitung mit dem Standardverfahren der Radiofrequenzablation verglichen und überprüft.“

Mehr Sicherheit und weniger Strahlung

Wenn es um Sicherheit geht, sind auch die kardiale Bildgebung und 3D- Mapping-Verfahren bei der Ablation von Herzrhythmusstörungen von Bedeutung. Die Rotationsangiographie ermöglicht die genaue Planung der Ablation, und das in einer hohen Geschwindigkeit. Neue integrative 3D-Verfahren, die in die konventionelle Durchleuchtung eingebunden werden können, erleichtern die anatomische Vorstellung mit dem Ziel, Strahlung einzusparen.

Optimaler Einsatz durch evidenzbasierte Medizin

„Der Umgang mit diesen innovativen interventionellen Verfahren setzt einen rationalen, effizienten Einsatz voraus“, so Hoffmann. „Neben Kosteneffektivitätsanalysen und qualitätssichernden Maßnahmen hat die evidenzbasierte Medizin (EBM) einen hohen Stellenwert. Die Sicherheit und der Nutzen für die Patienten, der Akut- und Langzeit-Erfolg müssen besonders gut nachgewiesen werden. Das wird durch den konsequenten Einschluss der Patienten in klinische Studien und Register gesichert. Die EBM ermöglicht die Abwägung zwischen Kosten und Nutzen und ist ein wichtiger Baustein der modernen Medizin.“

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben