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Innere Medizin 3. Mai 2012

Nicht alles ist verboten

Bei Rheumatoider Arthritis gilt zwar Rauchverbot, Alkohol aber ist – in Maßen – erlaubt.

Umweltfaktoren sind nicht nur an der Entstehung der Rheumatoiden Arthritis (RA) beteiligt. Sie haben auch beim Verlauf und der Therapie ein Wörtchen mitzureden. Die gute Nachricht: Nicht alles, was Spaß macht, ist verboten.

„Dass Rauchen das Risiko einer Rheumatoiden Arthritis erhöht, wissen wir seit den 80er Jahren“, sagt Prof. Dr. Angela Zink, Leiterin des Forschungsbereichs Epidemiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin. Erst in den letzten Jahren haben die Experten freilich herausgefunden, wie ausgeprägt der Einfluss des Rauchens nicht nur auf die Entstehung, sondern auch auf den Verlauf der RA ist.

Ohne Glimmstängel weniger Beschwerden

So konnte anhand einer Kohorte von Patienten mit neu aufgetretener RA gezeigt werden, dass Patienten weniger Beschwerden haben, wenn sie nach der RA-Diagnose vom Glimmstängel ablassen. Das sei so bisher nicht gezeigt worden, so Zink: „Wir können den Patienten jetzt sagen, dass ihre Erkrankung weniger gravierend verläuft, wenn sie mit dem Rauchen aufhören.“

Auch im Hinblick auf das Therapieansprechen macht es Sinn, den RA-Patienten die Zigaretten auszureden. Bei einer Berliner Kohorte von 896 RA-Patienten, die über drei Jahre begleitet wurden, zeigte sich ein deutlich höherer Therapiebedarf bei Rauchern.

So wurden 36 Prozent der rauchenden RA-Patienten im Studienzeitraum auf eine DMARD-Kombinationstherapie eingestellt und 15 Prozent benötigten Biologicals. In der Gruppe der Patienten, die nie geraucht hatten, brauchten 20 Prozent eine Kombinationstherapie und nur 8 Prozent Biologicals. Auch der Bedarf an nicht-steroidalen Antirheumatika war bei Rauchern höher als bei Patienten, die nie geraucht hatten. Die Ergebnisse bei Ex-Rauchern lagen jeweils zwischen den der beiden anderen Gruppen.

Alkohol in Maßen schützt

Anders als beim Rauchen sieht die Situation beim Alkoholkonsum aus. Hier werde mittlerweile davon ausgegangen, dass moderater Alkoholkonsum einen gewissen schützenden Effekt habe, so Zink. So zeigte sich in der bevölkerungsbasierten schwedischen EIRA-Kohorte ein signifikant geringeres RA-Risiko bei mäßigem und auch bei hohem Alkoholkonsum im Vergleich zur totalen Abstinenz.

Die britische Sheffield-Kohorte konnte diese Daten anhand von 873 RA-Patienten und 1.004 Kontrollprobanden bestätigen und quantifizieren. Das RA-Risiko war bei Nicht-Trinkern mehr als viermal so hoch wie bei Menschen, die an über zehn Tagen im Monat Alkohol tranken.

Analog zum Umweltfaktor Zigarettenrauch gibt es auch für den Umweltfaktor Alkohol erste epidemiologische Daten zum Verlauf der RA. Und die deuten in dieselbe Richtung: „Der Verlauf ist bei Patienten, die nie getrunken haben, schwerer“, so Zink. Der Grund könnten antiinflammatorische Effekte des Alkoholkonsums sein: Im Rahmen der US-amerikanischen Nurses Health Study konnte gezeigt werden, dass Interleukin 6 und der lösliche TNF-Rezeptor mit zunehmendem Alkoholkonsum herunterreguliert werden. Das Fazit aus all diesen Daten: Von moderatem Alkoholkonsum muss den RA-Patienten mit Blick auf ihre Erkrankung jedenfalls nicht abgeraten werden.

Nichts Neues gibt es von den Hormonen. Trotz zahlreicher, auch großer Studien und insgesamt vier Metaanalysen sei ein protektiver Effekt der oralen Kontrazeption auf Entstehung oder Verlauf der RA nicht überzeugend nachgewiesen worden, so Zink. Auch im Hinblick auf den RA-Verlauf gebe es keine überzeugenden Daten.

Davon, RA-Patientinnen mit Blick auf das Osteoporoserisiko zu einer Hormontherapie zu raten, halten die Experten nichts: Hier gebe es mit Vitamin D und Kalzium sinnvollere Präventionsansätze.

 

springermedizin.de/gvg, Ärzte Woche 18 /2012

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