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Innere Medizin 7. Mai 2009

Tumorzellen auf Wanderschaft

Ist das Protein SCAI inaktiv, breiten sich Krebszellen leichter aus.

Heidelberger Forscher entdecken ein neues Protein, das bei besonders aggressiven Krebszellen ausgeschaltet ist.

Fehlt Krebszellen ein bestimmtes Protein, so können sie leichter in gesundes Körpergewebe eindringen und in der Folge Metastasen bilden. Wissenschaftler des Pharmakologischen Instituts der Universität Heidelberg haben den bisher unbekannten Zell-Signalfaktor SCAI (suppressor of cancer cell invasion) entdeckt, der in Laborversuchen die Bewegung und Ausbreitung von Tumorzellen hemmt. War der Faktor in seiner Funktion gestört, bewegten sich die Krebszellen viel effektiver.

„Offenbar ist das Protein in vielen Tumorarten, zum Beispiel Brust-, Lungen- oder Schilddrüsenkrebs, ausgeschaltet“, erklärt Dr. Robert Grosse. Der neue Faktor könnte somit ein interessanter Ansatzpunkt für die Erforschung neuer Mechanismen zur Krebsbekämpfung sein. Die Forschungs-Ergebnisse sind vorab online in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Cell Biology“ erschienen.

Tumorzellen sind außerordentlich beweglich, wenn es darum geht, in gesundes Gewebe einzudringen und Metastasen zu bilden: Sie passen sich der Beschaffenheit des Gewebes an, indem sie ihre Form ständig verändern, und heften sich mit Hilfe spezieller Oberflächenrezeptoren flexibel an umliegendes Gewebe.

Ein solcher Rezeptor ist das sogenannte ß1-Integrin, der in vielen Tumoren wie etwa metastasiertem Brustkrebs gehäuft gebildet wird. „Der Zell-Signalfaktor SCAI kontrolliert die Bildung und Funktion von ß1-Integrin“, erklärt Dr. Robert Grosse. „Gibt es in Tumorzellen zu wenig SCAI, dann ist ß1-Integrin überaktiv. Die Zelle kann schneller in eine aggressivere Form wechseln und in umliegendes Gewebe eindringen, ein entscheidender Schritt hin zu starker Tumorausbreitung und der möglichen Bildung von Metastasen.“

In ihrer Arbeit untersuchten die Wissenschaftler Zellen des schwarzen Hautkrebses und Brustkrebszellen. In weiteren Projekten möchte das Team um Dr. Robert Grosse die Funktion von SCAI im Tiermodell genauer untersuchen. „Bestätigt sich die entscheidende Funktion von SCAI für die Ausbildung besonders aggressiver Tumorzellen, dann könnte hier ein vielversprechender Ansatz für die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden oder auch Medikamente liegen“, so der Pharmakologe. Möglich wäre es, einen Wirkstoff zu entwickeln, der das genetische Ausschalten des Signalfaktors in Krebszellen verhindert.

 

Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg

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