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Prim. Dr. Norbert Vetter Vorstand der 2. Internen Lungenabteilung des Otto Wagner Spitals in Wien
 
Innere Medizin 7. Mai 2009

Patientenorientiertes Asthma-Management

Bei Cortisonangst gezielt auf Wirkstoffe mit günstigem Sicherheitsprofil zurückgreifen.

Nicht selten entscheidet die Compliance über Erfolg und Misserfolg in der Therapie von Asthma bronchiale. Prim. Dr. Norbert Vetter, Vorstand der 2. Internen Lungenabteilung des Otto Wagner Spitals, Wien, analysiert im Gespräch mit der Ärzte Woche den „schwierigen Asthmatiker“ und wie Arzt und Patient gemeinsam ein Optimum an Krankheitskontrolle erarbeiten können.

Die Einstellung von Menschen mit Asthma gelingt dank vielfältiger potenter Therapieoptionen in der Mehrzahl der Fälle reibungslos. Bei wem erwarten Sie Probleme? Gibt es den „schwierigen Asthmatiker“?

Vetter: Die Motive für fehlende Therapietreue sind breit gestreut, und Menschen mit schlechter Compliance präsentieren sich in der Sprechstunde ganz unterschiedlich. Den schwierigen Asthmatiker als Stereotyp gibt es gewiss nicht. Einige Aspekte im Patientenprofil und in der Anamnese sollten aber hellhörig und skeptisch stimmen. Menschen aus Sing- und Sprechberufen beklagen beispielsweise viel häufiger lokale Beschwerden infolge der inhalativen Therapie. Häufiges Räuspern, Trockenheit im Hals und eine raue Stimme werden von dieser Gruppe empfindlich wahrgenommen. Ebenfalls kompliziert kann sich die Behandlung von Patienten mit Cortisonangst oder bei Jugendlichen mit besonders besorgten Eltern gestalten. Hier dominiert die Angst vor Nebenwirkungen das Patientengespräch. Bleibt ein einfühlsames Gespräch aus, scheint ein Therapieabbruch mit weiterer Verunsicherung vorprogrammiert.

Wie kann die Krankheitskontrolle für diese Asthmatiker verbessert werden?

Vetter: Individuelle Probleme verlangen ebenso individuelle Lösungskonzepte. Trotzdem gibt es Orientierungshilfen: Einfache Therapieschemata mit wenigen, am besten in langen Intervallen wirksamen Präparaten helfen Menschen, die umfangreiche oder häufige Medikation vergessen oder verwechseln. Die Einbindung des Patienten muss sich an dessen Bedürfnissen orientieren. Wenn Angst im Vordergrund steht, kann es hilfreich sein, gezielt auf Wirkstoffe mit ausdrücklich günstigem Sicherheitsprofil zurückzugreifen. Je komplexer die Anforderungen an ein individuelles Therapieschema werden, desto eher kommt eine Komposition aus mehreren Einzelpräparaten anstelle fixer Kombinationen in Frage.

 

Das Gespräch führte

Dr. Alexander Lindemeier

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 19/2009

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