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Foto: Privat
Prim. Dr. Wolfgang Stummvoll Abteilung für Gynäkologie, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz Betriebs-GmbH, Linz
 
Innere Medizin 29. April 2009

Behandlungsqualität in der gynäkologischen Onkologie

Was kann die Peripherie besser als das Zentrum? Die Daten der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie dienen als Vergleichsgrundlage.

In der Diskussion um die Qualitätssicherung in der gynäkologischen Onkologie wurde die Idee geboren, je einen Exponenten einer größeren Abteilung überlegen zu lassen, was periphere kleinere Abteilungen besser machen könnten als große. Mit seit Jahren bereits knapp an die hundert behandelten Neuerkrankungen im Bereich der gynäkologischen Beckenmalignome zählt die Gynäkologische Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz zu den zentralen Abteilungen.

 

Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO Austria) der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) betreibt seit 1999 eine Erhebung über die Behandlung gynäkologischer Malignome. In Österreich gibt es (einschließlich Privatkrankenanstalten und Sanatorien) 100 Gynäkologische Abteilungen, davon nehmen derzeit 72 (72 %) an den Erhebungen teil, 28 (39 %) davon beteiligen sich zusätzlich auch an multizentrischen klinischen Studien. Jede teilnehmende Abteilung erhält einmal jährlich einen Bericht, der auch ein Benchmarking der eigenen Abteilung im Vergleich zu den restlichen Abteilungen zulässt, allerdings in anonymisierter Form. Eine Aufschlüsselung der AGO-Erhebungen ergibt für die Jahre 1999 bis 2007 eine Gesamtzahl von 6.180 gemeldeten Fällen. Davon wurden 2.141 Fälle (34,6 %) an Häusern behandelt, die weniger als 20 Fälle eines gynäkologischen Beckenmalignoms (also Ovarial-, Endometrium- und Zervixkarzinoms zusammen) pro Jahr behandeln. Dem gegenüber wurden nur 1.378 Fälle (22,4 %) an Häusern mit mehr als 50 Fällen pro Jahr behandelt.

Argumente für dezentrale Abteilungen

Es werden für die Behandlung von Malignomen auch an peripheren Abteilungen immer wieder zahlreiche Argumente wie gleiche operative und konservative Behandlungsmöglichkeiten in räumlicher Nähe zu Wohnort und Einweiser angeführt. Auch wenn es kaum Literatur darüber gibt, dürften soziale Argumente gerade in dezentralen Regionen mit der Versorgung durch eine lokale Abteilung zutreffen und sollen hier nicht bestritten werden. Sie stellen die besondere Stärke von dezentralen Abteilungen dar.

Medizinische Argumente

Besonderes Augenmerk ist auf medizinische Argumente zu legen. Insbesondere für das Ovarialkarzinom belegen Studien aus Dänemark und auch aus der österreichischen (AGO Austria) Erhebung für das fortgeschrittene Ovarialkarzinom des Stadiums FIGO III (1–23 versus 24+ Fälle an Ovarialkarzinomen allein/Abteilung/Jahr) bessere Überlebensraten für Patientinnen, die primär an einer größeren Abteilung operiert worden waren. Die Abteilungsgröße bzw. die behandelten Fallzahlen stellten sich als unabhängiger Prognosefaktor heraus. Auch zeigten Patientinnen, die an einer Abteilung behandelt worden waren, die an wissenschaftlichen Studien teilnimmt, ein signifikant besseres Überleben. Diese besseren Ergebnisse ließen sich für das Stadium I jedoch nicht belegen. Für die Stadien II und IV wurde keine statistische Signifikanz erreicht.

Beim Endometriumkarzinom fanden sich für frühe Stadien gleiche Ergebnisse an peripheren Abteilungen und Zentren, für fortgeschrittene Fälle und Typ II Karzinome signifikant bessere Überlebensdaten für Zentren. Beim Zervixkarzinom sind die Zahlen für eine derartige Auswertung noch zu gering.

Für das Mammakarzinom wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) ein Konzept von Zentren (100+ Fälle/Jahr) mit daran affilierten kleineren peripheren Abteilungen (50+ Fälle/Jahr) erarbeitet und auch bereits allgemein vorgestellt. Einzelne dieser Einrichtungen wurden inzwischen bereits zertifiziert.

Es könnte somit gefolgert werden, dass Frühstadien des Ovarial- und Endometriumkarzinoms gleich gut oder besser an einer kleineren peripheren Abteilung behandelt werden könnten, weil bei gleichen medizinischen Ergebnissen soziale Vorteile schlagend werden. Eine behandelnde Abteilung sollte jedoch an Studien und im Rahmen der Qualitätssicherung an den Erhebungen der AGO Austria teilnehmen sowie eng mit einem Zentrum entsprechend dem Modell Mammakarzinom zusammenarbeiten.

 

In der nächsten Ausgabe der Ärzte Woche beschreibt ein Experte im Gegenzug, was das Zentrum besser als die Peripherie machen kann.

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen im Magazin Wiener Medizinische Wochenschrift-Skriptum 5/2009.

© Springer-Verlag, Wien

Tabelle 1:
AGO Austria- Erhebungen
Ovarialkarzinom seit 1999
Endometriumkarzinom seit 2002
Zervixkarzinom seit 2005
Mammakarzinom seit 2005

Von Prim. Dr. Wolfgang Stummvoll, Ärzte Woche

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