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Abb. 1: 62-jährige Patientin, St.p. radikaler Wertheimoperation, Endometriumkarzinom, FIGO IIB, N pos., externe Radiotherapie. Planvergleich im Dosisvolumenhistogramm: IMRT DVH Line mit Quadrat, 3D-CRT DVH Line mit Dreieck. Rote Kurve PTV im Beckenbere

Abb. 1: 62-jährige Patientin, St.p. radikaler Wertheimoperation, Endometriumkarzinom, FIGO IIB, N pos., externe Radiotherapie.
Planvergleich im Dosisvolumenhistogramm: IMRT DVH Line mit Quadrat, 3D-CRT DVH Line mit Dreieck. Rote Kurve PTV im Beckenbereich, Orange Kurve PTV Lymphknoten retroperitoneal und hochiliacal, braune Kurve Rektum, violette Kurve Dünndarm. Bei der IMRT im Becken, geringere Dosisvolumsbelastung im Rektum (braune Kurve mit Quadrat) und Dünndarm (violette Kurve mit Quadrat). IMRT retroperitoneale Lymphknoten, geringere Dosisvolumsbelastung (violette Kurve Quadrat). Gleich hohe Dosisauslastungen vom Tumorzielgebiet und retroperitonealen Lymphknoten bei 3D-CRT und IMRT und gleichzeitiger Organschonung von Rektum und Dünndarm.

Abb. 2: Gleiche Patientin – digitale sagittale Planrekonstruktion, Becken 3D-CRT (hohe Rektumbelastung), retroperitoneale Lymphknoten AP-PA-Felder (hohe Dünndarmbelastung)

Abb. 3: Gleiche Patientin – digitale sagittale Planrekonstruktion, IMRT im Becken, geringere Dosisvolumsbelastung im Rektum und Dünndarm. IMRT retroperitoneale Lymphknoten, geringere Dosisvolumsbelastung im Bereich des Dünndarms.

 
Innere Medizin 21. April 2009

Tumoren des weiblichen Genitaltraktes

* Institut für Radioonkologie, SMZ-Süd/Kaiser Franz Josef Spital, Wien

Stellenwert der Strahlentherapie im Therapiemanagement

Gynäkologische Tumore treten mit einer Häufigkeit von etwa zehn Prozent auf, wobei das Endometriumkarzinom mit sechs Prozent, gefolgt vom Cervixkarzinom mit etwa drei Prozent, am häufigsten diagnostiziert wird. Augrund laufend verbesserter Screeninguntersuchungen ist nicht nur eine laufende Abnahme der Beckentumoren, sondern vor allem auch eine Diagnosestellung in niedrigeren Stadien zu beobachten. Die Strahlentherapie nimmt - neben Operation und Chemotherapie - im Rahmen der Gesamtbehandlung bei Karzinomen des Corpus uteri, der Cervix uteri, der Vagina und der Vulva einen wichtigen Stellenwert ein.

Das Ovarialkarzinom stellt keine Bestrahlungsindikation dar. Bei kleinen Tumoren erfolgt nach Operation eine adjuvante Strahlentherapie je nach Risikogruppe als alleinige Brachytherapie oder in Kombination mit der externen Radiotherapie. Liegt aus medizinischen Gründen eine Kontraindikation gegen eine längere Narkose und somit gegen eine Operation vor, kann die alleinige Strahlentherapie mit kurativer Zielsetzung erfolgen. Bei fortgeschrittenen Tumoren kann die kombinierte Brachy-Teletherapie postoperativ, neoadjuvant oder als primäre Therapie eingesetzt werden. Zunehmend wird auch konkomitant die Chemotherapie bei allen erwähnten Bestrahlungsstrategien angewandt.

Bestrahlungstechniken

Bei der Bestrahlung gynäkologischer Tumore unterscheiden wir zwischen Teletherapie (Externer Beam-Radiotherapy = EBRT), bei der mittels moderner Linearbeschleuniger im Bereich des primären Tumorzielgebietes und der Lymphknoten die Behandlung von außen erfolgt [1], andererseits die Brachytherapie mittels High Dose Rate (HDR), Pulsed Dose Rate (PDR) oder Low Dose Rate (LDR), bei der ein Applikator entweder in die Vagina, in den Cervikalkanal oder in das Cavum uteri eingebracht wird [1, 2].

Die Teletherapie wird nach Computertomographie- (CT), Magnetresonanztomographie- (MRT) oder Positronenemissionstomographie/Computertomographie (PET-CT)-basierter Bestrahlungsplanung appliziert. Anhand der dreidimensionalen Bestrahlungsplanung erfolgt die Festlegung des klinischen Tumorvolumens (CTV), das jene Bestrahlungsregionen definiert, die noch Tumorzellen sowohl im Tumorgebiet wie auch in den Lymphknoten beinhalten kann. Weiters wird das Planungstargetvolumen (PTV), das zusätzlich zum CTV mögliche Größen- und Lagerungsänderungen des Tumorzielgebietes unter Therapie berücksichtigt, bestimmt. Als Bestrahlungstechniken in der EBRT wendet man die dreidimensionale konformale Radiotherapie (3D-CRT), bei welcher konventionelle Felder modifiziert durch Filter, Keile und Individualsatelliten zum Einsatz gelangen, an. Die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT), bei welcher über die inverse Bestrahlungsplanung kompliziert geformte Tumorregionen mit komplexen Grenzen bei gleichzeitig noch besserer Risikoorganschonung, unter Beachtung von Dosisorgangrenzen, angewandt wird, gilt als Hochpräzisionsbestrahlung. Bei der Teletherapie werden durchschnittlich 46 bis 50 Gy in fünf Wochen mit einer Einzeldosis von 1,8 bis 2 Gy appliziert [3]. Die Bestrahlung erfolgt entweder in Bauch- oder Rückenlage mit speziellen Immobilisationshilfen [4]. Bei Patienten mit positiven Lymphknoten im Bereich der Iliacacommunis- oder Paraaortalregion kann über externe Bestrahlungsfelder die Radiotherapie 45 bis 50 Gy in 1,8 bis 2 Gy pro Fraktion, entweder als 3D-CRT oder, aufgrund des großen Volumens zur besseren Risikoorganschonung (z. B. Dünndarm und Rektum) als IMRT durchgeführt werden (Abb. 1, 2, 3).

Die Brachytherapie erfolgt je nach Tumorstadium und durchgeführter Operation mittels Vaginalzylinder oder endocervikal-endokavitären Applikatoren mit einer Dosis von bis zu 30 Gy in ein bis fünf Fraktionen [1].

Sowohl die Tele- wie auch die Brachytherapie erfolgen unter regelmäßiger Bildkontrolle als sogenannte Image Guided Radiotherapy (IGRT). Die IGRT ist einerseits notwendig, da sich sowohl das Tumorzielgebiet und hier vor allem die Gebärmutter bei primärer Bestrahlung während eines fünfwöchigen Behandlungskurses bewegen kann, andererseits auch Risikoorgane unterschiedliche topographische Positionen einnehmen können. Weiters kann während eines Bestrahlungskurses bei gutem Ansprechen die Tumorregression dazu führen, dass man das PTV zwecks Schonung der Risikoorgane, die dann in das Behandlungsfeld wandern würden, an die neue Tumorsituation adaptieren muss [5].

Cervixkarzinome

Frühstadien (FIGO IA IB IIA)

Bei Cervixkarzinomen im niedrigen Stadium, und bei niedriger Risikogruppe ist die Therapie der Wahl die Hysterektomie und Beckenlymphadenektomie mit nachfolgender externer Strahlentherapie von 46 Gy bis 50,4 Gy in 23 bis 28 Fraktionen.

Anhand einer randomisierten Phase III-Studie konnte gezeigt werden, dass die externe Strahlentherapie des Beckens nach radikaler Chirurgie zu einer signifikanten Reduktion des Lokalrezidivs und zu einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens, nicht nur bei Plattenepithelkarzinomen, sondern auch bei Adenokarzinomen und adenosquamösen Karzinomen führt [6].

Frühstadien von Cervixkarzinomen, die einer Hochrisikogruppe mit N-positivem Lymphknotenstatus, einer R1-Resektion oder Parametriummikroinvasion angehören, sollten, nach radikaler Chirurgie, einer externen Radiotherapie in Kombination mit cisplatinhältiger Chemotherapie (CRT) unterzogen werden.

Peters konnte aufzeigen, dass bei dieser Hochrisikogruppe durch die konkomitante Radiochemotherapie eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und ein 4-Jahresgesamtüberleben bei alleiniger Radiotherapie von 71 Prozent, bei kombinierter Radio-Chemotherapie von 81 Prozent, beobachtet wurde [7]. Frühstadien mit intermediärem Risiko (Tumorgröße 3–6 cm, Lymphgefäßinvasion, tiefe Stromainvasion > 50 %, R0-Resektion und Vaginalstumpfresektion < 1 cm) zeigten durch eine zusätzlich applizierte Chemotherapie zur externen Strahlentherapie keine Differenz im progressionsfreien Überleben [8].

In einer nicht randomisierten Studie konnte bei Frühstadien gezeigt werden, dass eine alleinige adjuvante Chemotherapie mit Bleomycin, Vincristin, Mytamicin und Cisplatin ein 5-Jahres-krankheitsfreies Überleben bei der intermediären Risikogruppe von 93 Prozent (bei Plattenepithelkarzinomen 100 %, bei adenosquamösen Karzinomen 71 %) und bei der Hochrisikogruppe von 85 Prozent erzielt wurde [9]. Bei Patienten mit Kontraindikation gegen Bestrahlung, stellt die adjuvante Chemotherapie eine praktikable adjuvante Alternativtherapie dar.

Lokal fortgeschrittene Stadien (FIGO IB, II - IIIB)

Cisplatinbasierende Chemo-Radiotherapie stellt bei lokal fortgeschrittenen Cervixkarzinomen den Behandlungsstandard dar. In einer randomisierten Multicenterstudie wurde eine Gruppe mit neoadjuvanter cisplatinhältiger Radio-Chemotherapie (NACRT) vor Chirurgie und eine Gruppe mit alleiniger Radiotherapie (EBRT 45–50 Gy, gefolgt von Brachytherapie 20–30 Gy) verglichen. Dabei zeigte sich ein signifikanter 5-Jahres-Gesamtüberlebensvorteil in der neoadjuvanten Chemo-Radiotherapiegruppe (NACRT) von 60 Prozent, verglichen mit der alleinigen Strahlentherapiegruppe von 45 Prozent, bei den Stadien FIGO IB2–IIB [10]. In einer weiteren Phase II-Studie, die unterschiedliche neoadjuvante Chemotherapieregime und neoadjuvante Chemo-Radiotherapie mit Cisplatin oder Cisplatin-Gemcitabine untersuchte, konnte gezeigt werden, dass die pathologisch komplette Remissionsrate in der Chemo-Radiotherapiegruppe mit Cisplatin bei 47 Prozent, in der Chemo-Radiotherapiegruppe Cisplatin-Gemcitabine bei 58 Prozent lag, verglichen mit 26 Prozent bei alleiniger neoadjuvanter Chemotherapie Cisplatin-Gemcitabine, 37 Prozent mit Oxaliplatin-Gemcitabine und 19 Prozent mit Carboplatin-Paclitaxel. Weiters konnte in dieser Studie auch gezeigt werden, dass die pathologisch komplette Remission als Prädiktor für das Gesamtüberleben steht. Der pathologische Respons war der einzige beeinflussende Faktor für einen Relaps. So zeigten nur sechs Prozent der Patienten mit kompletter pathologischer Remission einen Relaps, während 26 Prozent der Patienten mit partieller Remission ein Tumorrezidiv entwickelten [11]. In einer weiteren Studie konnte bei lokal fortgeschrittenen Cervixkarzinomen (FIGO IB – IVA) durch die präoperative konkomitante Radio-Chemotherapie mit Cisplatin und 5-FU in 73 Prozent eine pathologisch komplette bzw. mikroskopisch minimal residuale Remission, und eine damit verbundene 5-Jahresüberlebenszeit von 90 Prozent bei einem 5-Jahres-krankheitsfreien Überleben von 83 Prozent erzielt werden [12]. Anhand einer kleinen Fallzahl konnte in einer anderen Studie gezeigt werden, dass im neoadjuvanten Radio-Chemotherapiesetting mit Dosiseskalation durch integrierte Boosttechnik und nachfolgender radikaler Chirurgie, die Gesamtbehandlung gut toleriert wird [13].Die Ergebnisse einer prospektiv randomisierten Studie der EORTC, in der die neoadjuvante Chemotherapie mit der definitiven cisplatinhältigen Radio-Chemotherapie verglichen wird, werden erwartet.

Studien, die den Outcome von neoadjuvanter Radio-Chemotherapie versus primärer Radio-Chemotherapie vergleichend bewerten würden, liegen nicht vor.

Endometriumkarzinome

Niedrige Stadien (FIGO I)

In einer Multicenterstudie bei postoperativer Radiotherapie beim Endometriumkarzinom (PORTEC), wurden 715 Patienten verglichen, wobei 354 Patienten einer postoperativen Radiotherapie zugeführt wurden, und 360 Patienten keine weitere Behandlung erhielten. Die 10-Jahresrezidivrate betrug in der Radiotherapiegruppe fünf, in der Kontrollgruppe 14 Prozent, wobei keine signifikanten Unterschiede im 10-Jahresüberleben (Radiotherapiegruppe 66 %, Kontrollgruppe 73 %) auftraten. Das 5-Jahresüberleben nach Relaps betrug in der Radiotherapiegruppe 13, in der Kontrollgruppe 48 Prozent. Die meisten locoregionalen Rezidive waren isoliert in der Vagina mit 73 Prozent aufgetreten. Die Salvage-Therapie für vaginale Rezidive bei der Kontrollgruppe war die Radiotherapie. Dadurch hatte diese Gruppe eine 5-Jahresüberlebensrate von 70 Prozent, verglichen mit der primär bestrahlten Gruppe von 38 Prozent, bei der keine volle Radiotherapie mehr möglich war. Ein wichtiger Parameter in der 10-Jahresrezidivrate war das Grading, wobei Grad I-Tumore in sieben, Grad II-Tumore in elf und Grad III-Tumore in 18 Prozent rezidivierten. Zum karzinomassoziierten Tod bei GI-Tumoren kam es in fünf, bei GII-Tumoren in zwölf und bei GIII-Tumoren in 31 Prozent. Tumore mit einer Invasionstiefe von weniger als 50 Prozent zeigten in sechs Prozent locoregionäre Rezidive, jene mit einer Invasionstiefe von mehr als 50 Prozent zeigten eine Rezidivrate von zwölf Prozent. Auffallend war auch, dass Patienten, die älter als 60 Jahre sind, eine deutlich schlechtere Prognose und höhere Rezidivrate aufwiesen.

Konklusiv kann gesagt werden, dass Patienten, die mehr als zwei bis drei Risikofaktoren (Alter > 60, histopathologischer Grad III und Invasionstiefe > 50 %) zeigen, ein deutlich erhöhtes Risiko für ein locoregionales Rezidiv haben und somit am meisten von einer pelvinen Bestrahlung profitieren. Endometriumkarzinome im Stadium IC, Grad III profitieren von einer kombinierten Beckenbestrahlung und Brachytherapie [14].

Fortgeschrittene Stadien

Die Rolle der multimodalen adjuvanten Chemo- und Radiotherapie bei fortgeschrittenen Endometriumkarzinomen wurde anhand einer retrospektiven Analyse von 356 Patienten, die eine postoperative adjuvante Therapie erhielten, geprüft. 171 Patienten erhielten eine alleinige Strahlentherapie, 102 Patienten eine alleinige Chemotherapie und 83 Patienten eine kombinierte Radio-Chemotherapie. Am schlechtesten schnitt die alleinige Chemotherapiegruppe mit einem 3-Jahresgesamtüberleben von 33 Prozent ab, die alleinige Radiotherapiegruppe zeigte ein 3-Jahresüberleben von 70 und ein progressionsfreies Überleben von 59 Prozent im gleichen Zeitraum, während die kombinierte Radio-Chemotherapiegruppe ein 3-Jahresgesamtüberleben von 79 und ein progressionsfreies Überleben von 62 Prozent aufwies [15]. Eine derzeit laufende EORTC-GCG-Studie soll bei High-risk-Endometriumkarzinompatienten bei fortgeschrittenem Tumorstadium postoperativ die Chemotherapie versus kombinierte Radio-Chemotherapie vergleichen.

Vaginalkarzinome

Primäre Vaginalkarzinome sind selten und werden sowohl chirurgisch als auch radiotherapeutisch unter kurativer Zielsetzung behandelt. Eine retrospektive Studienanalyse empfiehlt beim primären Vaginalkarzinom der Stadien II bis IV eine primäre konkomitante cisplatinhältige Radio-Chemotherapie mit kurativer Zielsetzung. Die externe Radiotherapie wird mit 45 Gy in 25 Fraktionen über fünf Wochen mit einmal wöchentlicher intravenöser Cisplatin-Chemotherapiegabe (40 ml/m²), gefolgt von einer intravaginalen Brachytherapie mit 30 Gy verabreicht. Das erwartete 5-Jahresgesamtüberleben betrug 92, das erwartete 5-Jahres-progressionsfreie Überleben 75 und das 5-Jahres-Lokalrezidiv-freie Überleben betrug 66 Prozent. In 17 Prozent traten Spättoxizitäten auf, die eine chirurgische Sanierung erforderten [16].

Vulvakarzinom

In einer retrospektiven Prognose und Rezidivrisikoanalyse des primären Plattenepithelkarzinoms der Vulva war das Durchschnittsalter zum Diagnosezeitpunkt 62 Jahre. 62 Prozent der Frauen hatten ein niedriges Tumorstadium (I–II), 39 Prozent zeigten ein fortgeschrittenes Stadium (III–IV) bei Diagnosestellung. In 13 Prozent kam es zum Auftreten eines Tumorrezidivs nach primärem Therapiemanagement. Als Risikofaktoren hiefür waren Lymphknoteninvasion, höheres Stadium, Tumorgröße mehr als zehn Millimeter, Tumorexulceration, lokale chirurgische R1-Excision und adjuvante Therapieverweigerung zu identifizieren [17]. Generell handelt es sich beim Vulvakarzinom um ein Karzinom der älteren Frau. Das Auftreten eines primären Vulvakarzinoms bei Frauen, die jünger als 40 Jahre sind, ist meist mit einer HBV-Infektion oder Immundefizienz vergesellschaftet [18].

In der primären Behandlung des Vulvakarzinoms nimmt die chirurgische Therapie eine zentrale Rolle ein. Eine adjuvante Radiotherapie wird stadienabhängig durchgeführt.

In einer prospektiven multiinstitutionellen Studie bei klinischem Stadium III–IV, squamöser Plattenepithelkarzinome der Vulva, wird über die Möglichkeit einer präoperativen Chemo-Radiotherapie, zur Vermeidung mutilierender, chirurgischer Maßnahmen, berichtet [19]. In dieser Studie erfolgte die Radiotherapie über große AP-PA-Felder im Split-Course-Verfahren mit zwei separaten Kursen von je 23,8 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 47,6 Gy, wobei sowohl im ersten als auch im zweiten Kurs 5-FU/4 Tage kontinuierlich und Cisplatin als Kurzinfusion am fünften Tag verabreicht wurde. Das CTV der Bestrahlungsplanung umfasste den nichtresektablen T3/T4-Tumor, sowie die inguinalen und pelvinen Lymphknoten. Bei nicht erfolgter R0-Resektion wurde postoperativ eine kleinvolumige Dosisaufsättigung im primären Tumorbereich mit zehn bis 15 Gy verabreicht. Die vordergründige Zielsetzung, eine Exenteration zu verhindern, war durch diese Therapieform gewährleistet. Lediglich bei drei von 71 Patienten war die erweiterte Lokalexcision bzw. die Tumorresektion nicht möglich. Die mediane Beobachtungszeit betrug 50 Monate. In dieser Zeit blieben 54 Prozent der Patientinnen rezidivfrei.

Toxizität

Radiotherapie bzw. Radiochemotherapie

Generell ist die Toxizität der EBRT des Beckens abhängig vom Dosisvolumseffekt. Je höher die applizierte Bestrahlungsdosis und je größer das bestrahlte Volumen, umso eher ist mit einer Toxizität höheren Ausmaßes zu rechnen [20, 21].

Die akuten radiogenen Nebenwirkungen umfassen passagere Hautreizungen mit fakultativer Epitheliolyse, vor allem im Inguinalbereich und im Bereich der Rima ani. Weiters kann es zu Nebenwirkungen im Bereich des Gastrointestinaltraktes und hier vor allem zu akuten Dünndarmreizungen mit konsekutiven Diarrhoen kommen. Blasen- und Harnröhrenreizungen mit erhöhtem Infektionsrisiko können ebenfalls als akute Nebenwirkungen auftreten. Durch die kombinierte Radio-Chemotherapie sind Hämatotoxizitäten unterschiedlichen Schweregrads, abhängig von der Chemotherapie, zu beobachten.

Spättoxizitäten Grad III und IV sind vor allem als Kombinationseffekt großer externer Bestrahlungsfelder, kombiniert mit Brachytherapie und Chemotherapie, sowie chirurgischer Interventionen zu beobachten. Hier sind vorwiegend Darmstenosen und Schleimhautblutungen im Dünn- und Dickdarm, sowie in seltenen Fällen Uretherstenosen und Blasenschleimhautblutungen, zu sehen [20, 21]. Beckenfrakturen im Rahmen einer externen Radiotherapie mittels Linearbeschleuniger sind sehr selten. Die Ursache hiefür ist nicht bekannt. Pathologische Beckenfrakturen können auch ohne vorangegangene Bestrahlung durch physiologischen Stress, Demineralisation im Rahmen der Osteoporose, bei Cortisontherapien oder bei Steroidbehandlungen rheumatoider Erkrankungen, auftreten. Radioinduzierte Knochenveränderungen treten bei Patienten mit gynäkologischen Tumoren, die eine Beckenbestrahlung mit 45 bis 50 Gy erhalten haben, oft erst nach mehreren Jahren auf. So berichtet eine rezent publizierte Studie über acht bis 19 Prozent Radioosteonekrosen, die mittels hochauflösender Bildgebung diagnostiziert wurden [22]. Ob eine konkomitante Chemotherapieapplikation das Risiko von Radioosteonekrosen erhöht, wird kontroversiell diskutiert. Ein sicherer Risikofaktor für eine Radioosteonekrose stellt eine präexistente Osteoporose dar. Weitere Risikofaktoren sind Alter und niedriger Body-Mass-Index der Patienten. Bisphosphonatmedikation und intensitätsmodulierte Radiotherapie mit Dosisreduktion im Knochen vermindern das Risiko von Radioosteonekrosen [22].

Zusammenfassung

Die Lebensqualität der langzeitüberlebenden Patienten mit gynäkologischen Tumoren bedarf eines streng abgestimmten, multimodalen Therapievorgehens mit verantwortlichem Einsatz Tumorstadien- und Risikofaktor-gerechter Therapie, die vor allem durch gezielte moderne Radiotherapietechniken gewährleistet ist [23].

Die vorgeschlagene tumorabhängige Therapieempfehlung für gynäkologische Tumoren ist in Tabelle 1 dargestellt.

 

 

 

 

 

 

Korrespondenz: Univ.-Doz. Dr. Annemarie Ulrike Schratter-Sehn SMZ-Süd/Kaiser Franz Josef Spital Institut für Radioonkologie Kundratstr. 31100 Wien Tel.: 01/60191/3508 Fax: 01/60191/3509 E-Mail:

1 Gaffney DK, Bu Bois A, Narayan K, Reed N, Toita T, Pignata S et.al. (2007) Practice Patterns of Radiotherapy in Cervical Cancer among Member Groups of the Gynecologic Cancer Intergroup (GCIG). Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 68, No 2, pp 485–490

2 Fayed A, Mutch DG, Rader JS, Gibb RK, Powell MA, Wright JD et al. (2007) Comparison of High-Dose-Rate and Low-Dose-Rate Brachytherapy in the Treatment of Endometrial Carcinoma. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 67, No 2, pp 480–484

3 Small jr. W, Mell LK, Anderson P, Creutzberg C, De Los Santos J, Gaffney D et al. (2008) Consensus Guidelines for Delineation of Clinical Target Volume for Intensity-Modulated Pelvic Radiotherapy in Postoperative Treatment of Endometrial and Cervical Cancer. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 71, No 2, pp 428–434

4 Beriwal S, Jain SK, Heron DE, de Andrade RS, Lin CJ, Kim H (2007) Dosimetric and Toxicity Comparison between Prone and Supine Position IMRT for Endometrial Cancer. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 67, No 2, pp 485–489

5 Beadle BM, Jhingran A, Salehpour M, Sam M, Iyer RB, Eifel PJ (2009) Cervix Regression and Motion During the Course of External Beam Chemoradiation for Cervical Cancer. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 73, No 1, pp 235–241

6 Rotman M, Sedlis A, Piedmonte MR, Bundy B, Lentz SS, Muderspach LI, Zaino RJ (2006) A phase III randomized trial of postoperative pelvic irradiation in Stage IB cervical carcinoma with poor prognostic features: follow-up of a gynaecologic oncology group study. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 65, No 1, pp 169–76

7 Peters WA, Liu PY, Barrett RJ, Stock RJ, Monk BJ, Berek JS et al. (2000) Concurrent chemotherapy and pelvic radiation therapy compared with pelvic radiation therapy alone as adjuvant therapy after radical surgery in high-risk early-stage cancer of the cervix. J Clin Oncol, Vol 18, No 8, pp 1606–13

8 Lee KB, Lee JM, Ki KD, Lee SK, Par CY, Ha SY (2008) Comparison of adjuvant chemotherapy and radiation in patients with intermediate risk factors after radical surgery in FIGO stage IB-IIA cervical cancer. Int J Gynecol Cancer, Vol 18, No 5, pp 1027–31

9 Takeshima N, Umayahara K, Fujiwara K, Hirai Y, Takizawa K, Hasumi K (2006) Treatment results of adjuvant chemotherapy after radical hysterectomy for intermediate- and high-risk stage IB-IIA cervical cancer. Gynecol Oncol, Vol 103, No 2, pp 618–22

10 Benedetti-Panici P, Greggi S, Colombo A, Amoroso M, Smaniotto D, Giannarelli D et al. (2002) Neoadjuvant chemotherapy and radical surgery versus exclusive radiotherapy in locally advanced squamous cell cervical cancer: results from the Italian multicenter randomized study. J Clin Oncol, Vol 20, No 12, pp 2908–9

11 Candelaria M, Chanona-Vilchis J, Cetina L, Flores-Estrada D, López-Graniel C, González-Enciso A et al. (2006) Prognostic significance of pathological response after neoadjuvant chemotherapy or chemoradiation for locally advanced cervical carcinoma. Int Semin Surg Oncol, Vol. 3, No 3

12 Ferrandina G, Legge F, Fagotti A, Fanfani F, Destefano M, Morganti A et al. (2007) Preoperative concomitant chemotherapy in locally advanced cervical cancer: Safety, outcome, and prognostic measures. Gynecol Oncol, Vol 107, pp 127–132

13 Cellini N, Smaniotto D, Scambia G, Luzi S, Balducci M, Ferrandina G et al. (2008) Chemoradiation with concomitant boost followed by radical-surgery in locally advanced cervical cancer: a dose-escalation study. Am J Clin Oncol, Vol 31, No 3, pp 280–4

14 Scholten AN, van Putten WLJ, Beerman H, Smit VTHBM, Koper PCM, Lybeert MLM et al. (2005) Postoperative Radiotherapy for Stage 1 Endometrial Carcinoma: Long-Term outcome of the Randomized Portec Trial with Central Pathology Review. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 63, No 3, pp 834–838

15 Alvarez Secord A, Havrilesky LJ, Bae-Jump V, Chin J, Calingaert B, Bland A et al. (2007) The role of multi-modality adjuvant chemotherapy and radiation in women with advanced stage endometrial cancer. Gynecol Concol, Vol 107, No 2, pp 285–91

16 Samant R, Lau B, Choan E, Le T, Tam T (2007) Primary Vaginal Cancer Treated with concurrent Chemoradiation using Cis-Platinum. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 69, No 3, pp 746–750

17 Ayhan A, Velipasaoglu M, Salman MC, Guven S, Gultekin M, Bayraktar O (2008) Prognostic factors for recurrence and survival in primary vulvar squamous cell cancer. Acta Obstet Gynecol Scand, Vol 87, No 11, pp 1143–9

18 Keskin N, Iyibozkurt AC, Topuz S, Salihoglu Y, Bengisu E, Berkman S (2008) Invasive squamous carcinoma of the vulva in women aged less than 40 years: report of two cases and a third case diagnosed during pregnancy. Eur J Gynaecol Oncol, Vol 29, No 4, pp 399–401

19 Moore DH, Thomas GM, Montana GS, Saxer A, Gallup DG, Olt G (1998) Preoperative Chemoradiation for Advanced Vulvar Cancer: A Phase II Study of the Gynecologic Oncology Group. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 42, No 1, pp 79–85

20 Small jr. W, Winter K, Levenback Ch, Iyer R, Gaffney D, Asbell S et al. (2007) Extended-Field Irradiation and Intracavitary Brachytherapy Combined with Cisplatin Chemotherapy for Cervical Cancer with Positive Para-Aortic of High Common Iliac Lymph Nodes: Results of Arm 1 of RTOG 0116. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 68, No 4, pp 1081–1087

21 Eng-Yen H, Chien-Cheng S, Sheung-Fat K, Chong-Jong W, Kuender DY (2007) The Different Volume Effects of Small-Bowel Toxicity During Pelvic Irradiation between Gynecologic Patients with and without Abdominal Surgery: A Prospective Study with Computed Tomography-Based Dosimetry. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 69, No 3, pp 732–739

22 Dongryul O, Seung JH, Heerim N, Won P, Youngyih H, Do Hoon L, Yong CA et al. (2008) Pelvic Insufficiency Fracture after Pelvic Radiotherapy for Cervical Cancer: Analysis of Risk Factors. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 70, No 4, pp 1183–1188

23 Van de Poll-Franse LV, Mols F, Essink-Bot M-L, Haartsen JE, Vingerhoets JJM, Lybeert MLM et al. (2007) Impact of External Beam Adjuvant Radiotherapy on Health-Related Quality of Life for Long-Term Survivors of Endometrial Adenocarcinoma: A Population-Based Study. Int J Radiation Oncology Biol Phys, Vol 69, No 1, pp 125–132

Tab. 1: Therapieempfehlung
Cervix-Carcinom
Niedrige Stadien low und intermediär risk: Operation + Radiotherapie [6, 8]
Niedrige Stadien high risk: Operation + Chemo-Radiotherapie [7]
Fortgeschrittene Stadien: Neoadjuvante Chemo-Radiotherapie [10, 11, 12]
Endometrium-Carcinom
Niedrige Stadien low risk und intermediär: Operation + Brachytherapie [14]
Niedrige Stadien high risk: Operation+Externe Beam-Radiotherapie+Brachytherapie [14]
Fortgeschrittene Stadien: Operation + Chemo-Radiotherapie [15]
Vaginal-Carcinom
Multimodales Vorgehen
Fortgeschrittene Karzinome: Neoadjuvante Chemo-Radiotherapie [16]
Vulva Carcinom
Operation und Radiotherapie
Fortgeschrittene Karzinome: Neoadjuvante Chemo-Radiotherapie [19]

Univ. Doz. Dr. Annemarie Ulrike Schratter-Sehn * , Wiener Klinisches Magazin 2/2009

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