zur Navigation zum Inhalt
Abb. 1: Die häufigste Rezidivform ist die Fernmetastasierung. Sie bedeutet für die Patientinnen eine drastische Verschlechterung der Prognose

Abb. 1: Die häufigste Rezidivform ist die Fernmetastasierung. Sie bedeutet für die Patientinnen eine drastische Verschlechterung der Prognose

Abb. 2: Anhaltender Effekt mit zunehmendem Benefit nach regulärer Beendigung der adjuvanten Behandlungsdauer von 5 Jahren („Carry-Over-Effekt“) unter Monotherapie mit dem Aromatasehemmer Anastrozol

 
Innere Medizin 18. April 2009

Neue Daten in der adjuvanten Hormontherapie des Mammakarzinoms

Rezidive vermeiden, Leben verlängern

Auf dem San Antonio Breast Cancer Meeting im Dezember 2001 wurden erstmals die Daten aus der ATAC-Studie präsentiert, die dem Aromatasehemmer Anastrozol eine dem damaligen „Goldstandard“ Tamoxifen überlegene Wirksamkeit bescheinigten. Von diesem Zeitpunkt an fand ein Paradigmenwechsel in der adjuvanten Behandlung des Mammakarzinoms statt. In den folgenden Jahren konnten Aromatasehemmer ihre Rolle in der Behandlung des frühen Mammakarzinoms bestätigen, wobei die Vermeidung von Rezidiven als primärer Endpunkt stets im Vordergrund der Analysen stand. Der Nachweis, dass durch die Integration der Aromatasehemmer ins adjuvante Therapieregime auch eine Verlängerung des Gesamtüberlebens möglich ist, war jedoch über lange Zeit ausständig – hatte es doch auch 10 Jahre gedauert, um eine solche Überlegenheit von Tamoxifen versus Plazebo in einem vergleichbaren Kollektiv nachzuweisen (1). Auf dem San Antonio Breast Cancer Meeting 2008 wurden in diesem Zusammenhang Updates der ABCSG-Studie 8 und der BIG 1-98-Studie präsentiert, in denen der lebensverlängernde Effekt der Aromatasehemmer erstmals deutlich wird.

Anastrozol führte zu signifikanter Lebensverlängerung

In der ABCSG-Studie 8 (2) wurden postmenopausale hormonrezeptor-positive Mammakarzinompatientinnen direkt nach der Tumorresektion in die beiden Behandlungs-Arme 5 Jahre Tamoxifen versus 2 Jahre Tamoxifen, gefolgt von 3 Jahren Anastrozol randomisiert. Aufgrund der guten Datenlage für Aromatasehemmer wurde es den Patientinnen im Monotherapie-Arm nach 2002 freigestellt, sich ebenfalls für einen Wechsel auf Anastrozol zu entscheiden. Frühere Analysen der Studie 8 bezogen sich nur auf die Periode nach dem Switch-Zeitpunkt, womit die Ereignisse der ersten beiden Therapiejahre unter Tamoxifen nicht in das Ergebniss einflossen.

Die Datenauswertung von 2008, die erstmals den gesamten Therapiezeitraum ab der Randomisierung berücksichtigt, konnte sehr beeindruckend unter Beweis stellen, dass die Umstellung auf Anastrozol neben einer signifikanten Verbesserung des rückfallfreien Überlebens um relativ 21 % (HR 0,79; p = 0,038) auch zu einer signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens um relativ 23 % im Sequenz-Arm führte (HR 0,77; p = 0,025).

Das Ergebnis ist umso eindrucksvoller, als es sich bei den Teilnehmerinnen in ABCSG 8 um ein Niedrigrisikokollektiv handelt: Alle Frauen hatten gut bis mäßig differenzierte Tumoren (Grading 1 und 2), drei Viertel waren nodalnegativ, 82 % brusterhaltend operiert. Keine Patientin hatte eine Chemotherapie erhalten.

Letrozol bestätigt günstige Wirkung

Die BIG 1-98-Studie konnte nach 2005 für den Aromatasehemmer Letrozol ebenfalls eine Verringerung des Rezidivrisikos gegenüber Tamoxifen nachweisen und damit die ATAC-Ergebnisse weiter untermauern. Die rezente Datenauswertung der Monotherapiearme 2008 (3) zeigt nun auch einen Trend zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens durch den Aromatasehemmer (HR = 0,87; p = 0,08). Die Auswertung der sequentiellen Arme der Studie zeigte keine Vorteile im Vergleich zur Aromatasehemmer-Upfront-Therapie, wobei jedoch im direkten Vergleich der „klassischen“ mit einer „umgekehrten“ Sequenz dem Beginn mit einem Aromatasehemmer der Vorzug zu geben ist. Dies gilt in diesem Fall für Patientinnen mit höherem Rezidivrisiko.

Ersten 2 Jahre kritisch

Es zeigt sich zunehmend, dass auch bei Patientinnen mit niedrigerem Rezidivrisiko die ersten 2 Jahre nach Diagnosestellung tumorbiologisch durchaus als kritisch angesehen werden können. Als weitaus häufigste Rezidivform tritt dabei die Fernmetastasierung auf, die für die Patientin eine drastische Verschlechterung der Prognose bedeutet (4) (Abb. 1). Hier gilt es, von Anfang an Aromatasehemmer als jene Therapie zum Einsatz zu bringen, die während dieser vulnerablen Periode bei insgesamt günstigem Nebenwirkungsprofil am effektivsten vor Rezidiven schützt. Ein späteres Umstellen der Therapie auf Tamoxifen, falls notwendig, ist aufgrund der rezenten Daten eine Option. Ein anhaltender Effekt mit zunehmendem Benefit nach regulärer Beendigung der adjuvanten Behandlungsdauer von 5 Jahren („Carry-Over-Effekt“) konnte bis dato allerdings nur für die Monotherapie mit dem Aromatasehemmer Anastrozol nachgewiesen werden (5) (Abb. 2).

Noch keine Empfehlung zur Therapiedauer

Die Datenlage der Aromatasehemmer in der adjuvanten Behandlung des Mammakarzinoms, so beeindruckend sie auch ist, ermöglicht derzeit noch keine definitive Empfehlung über die optimale Therapiedauer in der adjuvanten Situation über die initialen 5 Jahre hinaus. Diesbezüglich bleiben die nächsten Jahre gespannt abzuwarten, besonders was die Ergebnisse der ABCSG-Studie 16 (SALSA) anbelangt.

Literatur

(1) Peto R, SABCS 2007, Plenary Lecture 1

(2) Jakesz R, et al, SABCS 2008; Abstr. #14 (oral presentation)

(3) Mouridsen HT, SABCS 2008, Abstr. #13 (oral presentation)

(4) Mansell J, et al, SABCS 2006, Abstr. #2091

(5) Arimidex, Tamoxifen, Alone or in Combination (ATAC) Trialists’ Group. Lancet Oncol 2008; 9:45-53

Zum Autor
Dr. Arik Armon Galid
Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe
Hanusch-Krankenhaus Wien
Heinrich-Collin-Straße 30
1140 Wien
Fax. ++43/1/91021-84819
E-Mail:

Arik Galid, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Hanusch-Krankenhaus, Wien, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 5/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben