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Innere Medizin 18. April 2009

Parasitosen der Leber

Nur wenige Arten sind für so gut wie alle Leberparasitosen verantwortlich

Das Spektrum parasitärer Krankheitserreger, die im Verlauf ihres Lebens die Leber (und das Gallengangsystem) des Menschen „aufsuchen“ ist zwar sehr umfangreich, die Zahl jener Parasiten, die vornehmlich in der Leber lokalisiert sind, die deutliche Gesundheitseinschränkungen verursachen und daher als „Leberparasitose-Erreger“ bezeichnet werden können, umfasst hingegen nur etwa ein knappes dutzend Arten. Unter diesen sind Entamoeba histolytica, die beiden Bandwürmer Echinococcus multilocularis und E. granulosus sowie Fasciola hepatica die wichtigsten Parasitenarten, die beim Menschen auch tödlich verlaufen können.

Der Amöbenleberabszess (ALA)

Ein Amöbenleberabszess entwickelt sich meist, aber nicht immer, im Anschluss an eine nicht behandelte (blutig-schleimige) Diarrhoe (Amöbenruhr). Die Inkubationszeit variiert allerdings beträchtlich und kann 1 Woche bis mehrere Jahre betragen. Bei Patienten mit Oberbauchbeschwerden und Fieber (insbesondere nach Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard) muss an einen ALA gedacht werden. Der ALA lässt sich mittels bildgebender Verfahren (Oberbauch-Sonographie, CT) gut darstellen, und durch sensitive parasitologisch-serologische Test- methoden (z. B. IHA, ELISA) kann die klinische Verdachtsdiagnose mit hoher Treffsicherheit abgeklärt werden. Die Behandlung des ALA besteht in der Regel ausschließlich in der Verabreichung von Metronidazol; unbehandelt ist die Letalität beim ALA sehr hoch.

Die alveoläre Echinokokkose (AE)

Die durch Finnen des Echinococcus multilocularis (Kleiner Fuchsbandwurm) hervorgerufene AE stellt zwar eine seltene, jedoch sehr schwere chronische Lebererkrankung dar, sie gilt als eine der gefährlichsten Parasitosen des Menschen überhaupt und kommt auch in Österreich autochthon vor. Infektionsquelle sind die Fuchsbandwurm-Eier, die über den Kot in die Umwelt gelangen. Werden diese sehr umweltresistenten Eier von einem Menschen oral aufgenommen (z. B. über kontaminierte Hände), schlüpfen aus den Eiern Larven, die in die Leber gelangen, wo sie zu infiltrativ wachsenden Finnen heranwachsen. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 10–15 Jahre, die klinische Symptomatik ist meist durch Schmerzen im rechten Oberbauch charakterisiert. Die Diagnostik der AE basiert in aller erster Linie darauf, die AE in die Differentialdiagnose aufzunehmen, anschließend mittels bildgebender Verfahren (vor allem Oberbauch-Sonographie, CT) die Ausdehnung und genaue Lokalisation der pathologischen Leberläsionen zu erheben und mit parasitologisch-serologischen Methoden die klinische Verdachtsdiagnose (Trefferquote fast 100 %) zu erhärten (oder auszuschließen). Die Behandlung der AE umfasst meist eine chirurgische Intervention in Kombination mit einer meist jahrelangen Verabreichung von Antihelminthika (i. e. Albendazol). Die Prognose hängt vom Krankheitsstadium bei Diagnosestellung ab; wird die Infektion noch vor Auftreten klinischer Symptome diagnostiziert (z. B. durch regelmäßige parasitologisch-serologische Untersuchungen von Menschen mit besonders hoher Exposition) und adäquat behandelt, ist eine „reconstitutio ad integrum“ sehr wahrscheinlich.

Die zystische Echinokokkose (ZE)

Die ZE wird durch Finnen des Echinococcus granulosus (Dreigliedriger Hundebandwurm) – nach oraler Aufnahme von Hundebandwurm-Eiern aus Hundekot – hervorgerufen. Im Gegensatz zu den Fuchsbandwurmfinnen wachsen jene des Hundebandwurmes zystisch, die vornehmlich in der Leber, aber auch in anderen Organen, situiert sein können. Nach einer mehrmonatigen bis mehrjährigen Inkubationszeit treten aufgrund des zystisch-expansiven Wachstums klinische Symptome auf, die bei einer Leber-Echnikokkose meist durch Schmerzen im rechten Oberbauch gekennzeichnet sind. Wie bei der AE basiert die Diagnose der ZE auf der Anamnese, den Ergebnissen bildgebender Verfahren sowie parasitologisch-serologischer Untersuchungen. Auch die Behandlung umfasst in der Regel den kombinierten Einsatz chirurgischer und antihelminthischer Therapiemaßnahmen. Zudem besteht bei Vorliegen einer Leber-Echinokokkose (unter bestimmten Kautelen) die Möglichkeit des Einsatzes des „PAIR-Verfahrens“ (puntion, aspiration, instillation, reaspiration) durch Ultraschall-gezielte Punktion von im Leberparenchym eingeschlossenen Zysten nach mehrtägiger präoperativer Albendazol-Therapie.

Die Fasziolose

Die Leberegel-Krankheit stellt eine in Österreich seltene Helminthozoonose dar, an die nur selten gedacht wird. Der Mensch erwirbt die Krankheit durch Verzehr von mit Metazerkarien kontaminierten Vegetabilien (Salat, Wasserkresse, Bärlauch, Löwenzahnblätter). Im Dünndarm des Menschen penetrieren die Metazerkarien den Darm und migrieren durch das Leberparenchym, indem sie – in Abhängigkeit von der Infektionsdosis – intensive Entzündungsreaktionen induzieren, die sich auch klinisch durch Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber, gastrointestinale Erscheinungen und Oberbauchbeschwerden manifestieren können. Der eigentliche Aufenthaltsort der adulten Leberegel sind die großen Gallengänge. Die Inkubationszeit ist meist nur kurz (wenige Tage), der Nachweis der Eier im Stuhl ist allerdings erst 10 bis 12 Wochen später möglich. Durch Nachweis spezifischer Antikörper gegen Fasciola hepatica-Antigen kann die Diagnose allerdings schon 2 bis 3 Wochen nach der Infektion gestellt werden. Als Therapeutikum der Wahl gilt heute der Wirkstoff Triclabendazol.

Zum Autor
Univ.-Prof. Dr. Herbert Auer
Klinisches Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie
Medizinische Universität Wien
Kinderspitalgasse 15
1095 Wien
Fax: ++49/1/40 490-79435
E-Mail:

Herbert Auer, Abteilung für Medizinische Parasitologie, Klinisches Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Universität Wien, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 4/2009

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