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Abb. 1: Aktivitätsspektrum

Abb. 1: Aktivitätsspektrum

Abb. 2: Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa

Abb. 3: Aktivität gegen Staphylokokken

 
Innere Medizin 18. April 2009

Ceftobiprol – ein neues Cephalosporin

Wirksam gegen MRSA und Pseudomonas

Wozu ein neues Cephalosporin? Es gibt bei den Cephalosporinen keinen neuen Wirkungsmechanismus, hat daher Ceftobiprol überhaupt eine Daseinsberechtigung? Aus pharmakodynamischer Sicht ist Ceftobiprol ein klassisches Betalaktamantibiotikum, dass heißt, seine maximale antimikrobielle Aktivität hängt von der Dauer der Antibiotikumkonzentration über der MHK (minimale Hemmkonzentration) des zu vernichtenden Erregers ab. Aus pharmakokinetischer Sicht wird Ceftobiprol renal eliminiert – wie fast alle Betalaktamantibiotika, es ist hämodialysierbar, es akkumuliert nicht bei Mehrfachgaben, es hat eine geringe Eiweißbindung von 16 %, und es gibt keine Cytochrom P450 Interaktionen. Die wichtigsten Nebenwirkungen in den Zulassungsstudien sind Übelkeit, Erbrechen und schlechter Geschmack wie einige andere bekannte Cephalosporine.

Überraschende antimikrobielle Aktivität

Die Überraschung entpuppt sich bei der antimikrobiellen Aktivität. Bislang gilt bzw. galt die Doktrin, Betalaktame hätten keine Aktivität gegenüber Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) und Cephalosporine selektionieren Enterokokken, wirken jedoch nicht bei Enterokokken. Ceftobiprol wirft diese Dogmen über den Haufen. Ceftobiprol hat eine ausgezeichnete antimikrobielle Aktivität gegenüber Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen und hat – aus klinischer Sicht noch nicht abschließend beurteilbar – eine gewisse Wirkung gegen Enterococcus faecalis. Zusätzlich ist es auch noch gegen Pseudomonas aeruginosa wirksam – in etwa in der Aktivität der Cephalosporine IV. Leider besitzt Ceftobiprol wie alle Cephalosporine oder Penicilline keine Aktivität gegen Extended Spectrum Betalactamase-bildende (ESBL- positive) Enterobakterien, sonst wäre die eierlegende Wolfmilchsau aus pharmakologischer Sicht perfekt. Die Standarddosierung beträgt 500 mg Ceftobiprol dreimal täglich parenteral.

Erste klinische Studien

Aus klinischer Sicht gibt es derzeit zwei klinische Studien zu Haut- und Weichteilinfektionen, die zeigen, dass das neue Cephalosporin der fünften Generation den Vergleichssubstanzen Vancomycin plus/minus Ceftazidim als Monotherapie nicht unterlegen war. Die Zulassung wird in den nächsten Monaten für diese Indikation erwartet.

Welche Indikationen?

Wo sind die Pferdefüße? Vom Konstrukt als Cephalosporin sollte man sich eine große therapeutische Breite auch in höherer Dosierung erwarten, allerdings steht der Beweis noch aus.

 

Von der antimikrobiellen Aktivität kann es gängige Kombinationen – z. B. MRSA-Antibiotikum plus Pseudomonas-Antibiotikum – ersetzen. Die klassischen Indikationen wären hierfür das neutropenische Fieber unbekannter Ursache oder die Beatmungspneumonie. Für letztere gibt es erste rudimentäre Daten, die jedoch – der niedrigen Dosis wegen? – noch nicht überzeugen.

Zum Autor
Univ.-Prof. Dr. Florian Thalhammer
Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin
Univ.-Klinik für Innere Medizin I
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++49/89-2443-18696
E-Mail:

Florian Thalhammer, Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 4/2009

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