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Innere Medizin 17. April 2009

Hypertonie light mit Diät

Auswirkung von Gewichtsreduktion bei Bluthochdruckpatienten wurde in Graz untersucht.

Das EBM-Center der Medizinischen Universität Graz beschäftigt sich seit vier Jahren mit der ausführlichen, wissenschaftlichen und unabhängigen Bewertung von Medikamenten. Eine der zahlreichen Untersuchungen, die für das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) durchgeführt wurden, zeigt auf, dass eine Gewichtsreduktion helfen kann, den Blutdruck von Hypertoniepatienten zu senken.

Bluthochdruck ist für den Tod von rund sieben Millionen Menschen jährlich weltweit verantwortlich. In Österreich leiden bis zu 30 Prozent der Erwachsenen an Bluthochdruck. Schwerwiegende Folgen sind Herzerkrankungen oder Schlaganfälle, die die Haupttodesursachen in Industrieländern darstellen.

Durch leichtere Kost zum Idealblutdruck

Das EBM-Center Graz (EBM = Evidence Based Medicine) hat in einer umfassenden Untersuchung die Nutzenbewertung von verschiedenen therapeutischen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion als Behandlung von Bluthochdruck durchgeführt. Dabei wurden sowohl Gewichtsabnahmen durch Diäten berücksichtigt wie auch durch medikamentöse Behandlung. Beide Varianten können helfen, den Blutdruck zu senken.

„Patientinnen und Patienten, die aufgrund von Diäten Gewicht reduziert haben, können von einem Einsparungspotenzial bei Blutdrucktabletten profitieren. Bei einer Reduktion des Körpergewichts von rund vier Kilogramm durch Diäten kann der Blutdruck um rund 6 mmHg systolisch und rund 3 mmHg diastolisch gesenkt werden“, erklärt Dr. Karl Horvath, Leiter der Untersuchung und Ko-Leiter des Grazer EBM-Centers.

Medikamentös schlank

Gewichtsreduktion aufgrund von medikamentöser Behandlung mit Orlistat kann bei Hypertoniepatienten den Bluthochdruck senken (systolisch bis etwa 2,5 mmHg und diastolisch um etwa 2 mmHg).

Der Arzneistoff Sibutramin senkt trotz Gewichtsreduktion den Blutdruck nicht und kann ihn im Gegenteil bei höherer Dosierung sogar erhöhen. „Das heißt, am besten wird die Blutdrucksenkung durch eine Gewichtsreduktion mittels Diäten erreicht“, fasst Horvath zusammen.

Österreichische Expertise

Die Studie des Grazer EBM-Centers wurde unter anderem in Archives of Internal Medicine publiziert und jüngst auch in der Internet-Plattform des deutschen Cochrane-Zentrums www.cochrane.de angeführt.

Die Forschungsarbeit des EBM-Centers gewinnt zunehmend an Bedeutung, da der Bedarf an evidenzbasierten Entscheidungsgrundlagen im internationalen und nationalen Umfeld laufend zunimmt.

In Deutschland etwa sind evidenzbasierte Entscheidungskriterien zum Teil gesetzlich vorgegeben. „Der Vorteil an unseren Studien ist, dass wir Medikamentenbewertungen absolut unabhängig nach rein wissenschaftlichen und objektiven Methoden erstellen, vergleichbar mit Konsumentenschutztests“, betont Prof. Dr. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Leiterin des EBM-Centers. „Nicht nur Patientinnen und Patienten profitieren von unseren Ergebnissen, sondern auch Entscheidungsträger im Gesundheitsbereich und praktisch tätige Kolleginnen und Kollegen.“

Das EBM-Center hat bereits schon zahlreiche Studien durchgeführt und wichtige Ergebnisse wie etwa zu Diabetes-Medikamenten oder Blutdruck senkenden Arzneimitteln hervorgebracht.

 

Quelle: Aussendung der Medizinischen Universität Graz

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