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 Hans Spitzauer segelt trotz Rheuma wieder.

 
Innere Medizin 30. November 2011

Frische Brise

„Leben mit Rheuma muss kein Schicksalschlag sein.“

In Österreich leiden pro Jahr rund zwei Millionen Menschen zumindest für kurze Zeit an Schmerzen am Bewegungsapparat. Zwischen 50.000 und 80.000 davon sind an chronischer rheumatoider Arthritis. Bei einer Veranstaltung von Roche Austria und dem Österreichischen Segelverband anlässlich des Welt-Rheumatages am 12. Oktober 2011 zum Thema: „Sport und chronische Erkrankungen – Ein Widerspruch?“ berichtete der österreichische Weltklasse-Segler Hans Spitzauer von seinen persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit.

„Ein Leben mit Rheuma muss kein Schicksalsschlag sein, besonders wenn möglichst früh eine Diagnose erstellt und mit der richtigen Behandlung begonnen wird“, so Prof. Dr. Ludwig Erlacher, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung des SMZ-Süd mit Schwerpunkt Rheumatologie, Osteologie und Akutgeriatrie, bei der Veranstaltung am Neusiedlersee.

Medikamente schützen Gelenke

Unbehandelt entstehen irreversible Schäden an den Gelenken bereits nach den ersten sechs Monaten. Schreitet die Zerstörung fort, kommt es zum Verlust der Selbstständigkeit bis hin zur Invalidität. Nach zwei Jahren können 20 Prozent der Betroffenen ihren Beruf nicht mehr ausüben, nach zehn Jahren jeder zweite.

Die Ursachen der Autoimmunerkrankung sind nicht bekannt, es wird aber vermutet, dass genetische Faktoren, aber auch Infektionen und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen können. Um das sogenannte „Window of Opportunity“ bei der RA-Therapie zu nutzen, sollte die medikamentöse Therapie innerhalb der ersten drei Krankheitsmonate beginnen. Hauptziel der Therapie ist die Remission – der beschwerdefreie Zustand, in dem die Gelenkzerstörung nicht fortschreitet. Wesentliche Teile der Behandlung sind die medikamentöse Therapie mit Schmerzmittel, kortisonfreie Entzündungshemmer, Kortison, langwirksame Antirheumatika und krankheitskontrollierende Medikamente.

Erfolg durch Biologika

Die Biologika haben den Durchbruch bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis gebracht. Diese biotechnologisch hergestellten Arzneimittel (sieben sind zur Zeit am Markt) greifen in den immunologischen Ablauf der Entzündung ein. Zu unterscheiden sind zell- und zytokingerichtete Therapien. Zu ersteren zählen B- und T-Zellen-Therapie, zu letzteren TNF-α-, Interleukin-1- und Interleukin-6-Inhibitoren.

Als erstes Medikament richtet sich Rituximab (MabThera®) selektiv gegen bestimmte T-Zellen. Der Wirkstoff wird in Kombination mit dem Rheuma-Basismedikament Methotrexat eingesetzt und als Infusion verabreicht. Ein Behandlungszyklus besteht aus zwei Infusionen (á 1.000 mg) im Abstand von zwei Wochen. Steigt die Krankheitsaktivität wieder an (zumeist nach 6 – 12 Monaten), sollte der nächste Zyklus verabreicht werden.

Der Wirkstoff Tocilizumab (RoActemra®) ist der weltweit erste zugelassene Interleukin-6-Rezeptor-Antikörper. Das Wirkprinzip ist für den Einsatz nach Versagen einer klassischen DMARD (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs)-Therapie zugelassen – entweder in Kombination mit Methotrexat oder als Monotherapie. Tocilizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der alle vier Wochen durch eine einstündige Infusion verabreicht wird. Die Anwendung von Biologika kostet pro Patient jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Derzeit werden in Österreich etwa 6.000 Patienten mit der neuen Therapie behandelt.

Biologika können die RA-Symptome vollständig unterdrücken, das im Röntgenbild sichtbare Fortschreiten der entzündlichen Gelenkzerstörung verlangsamen und teilweise sogar komplett hemmen.

Sportlich aktiv trotz RA

„Rückenschmerzen sind ganz typisch für Segler“, erzählte Hans Spitzauer, vierfacher Teilnehmer bei Olympischen Spielen, Weltmeister, Europameister und 17-facher österreichischer Staatsmeister im Segeln. Umso schlimmer, wenn sich ein Weltklassesportler praktisch von einem Tag auf den anderen kaum mehr Bewegen kann, weil ihn die Schmerzen plagen. Glücklicherweise landete Spitzauer rasch bei Rheumaspezialist Erlacher, der ihm die – anfangs eher niederschmetternde Diagnose rheumatoide Arthritis mittteilte. Bewegung, Physiotherapie und moderne Biologikatherapie hatten überzeugende Wirkung. Die Schmerzen ließen wieder nach, die Beweglichkeit kam wieder, Spitzauer kann seinem Sport nun weiterhin nachgehen. Wobei Erlacher die Zeit zwischen den Behandlungszyklen zunehmend ausdehnt. Bei vielen – zumeist ja eher jungen – Patienten ist es möglich, wenn die chronische Krankheit rechtzeitig mit modernen Biologika therapiert wird, quasi eine Heilung zu erzielen, und damit Beschwerdefreiheit. Heilung, erklärte Erlacher, bedeutet bei der RA, dass keine Medikamenteneinnahme nötig ist. Nur, wenn sich wieder Symptome zeigen, wird neuerlich eine Infusion nötig.

Der 46-jährige Profi-Skipper ist jetzt wieder viel in der Welt unterwegs. Zurzeit bereitet er sich auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London vor.

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