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Abb. 1: Das „Pill-in-the-pocket“-Konzept; pAF = paroxysmales Vorhofflimmern; AA = Antiarrhythmika; TTE = Transthorakale Echokardiographie; TEE = Tranösophageale Echokardiographie

Abb. 1: Das „Pill-in-the-pocket“-Konzept; pAF = paroxysmales Vorhofflimmern; AA = Antiarrhythmika; TTE = Transthorakale Echokardiographie; TEE = Tranösophageale Echokardiographie

Abb. 2: Stellenwert der „Pill in the Pocket“-Therapie bei paroxysmalem Vorhofflimmern

 
Innere Medizin 16. April 2009

Das „Pill in the Pocket“-Konzept bei Vorhofflimmern

Einnahme nur im Anfallsfall minimiert Nebenwirkungen

Bei der häufigen Form des anfallsweisen Vorhofflimmerns (paroxysmales Vorhofflimmern) hat das neue Konzept der „Pill in the Pocket“-Therapie für herzgesunde Patienten besonderes Interesse gefunden. Die in der Tasche des Patienten mitgeführte „Rhythmuspille“ wird nur bei einem Anfall, nicht auf Dauer eingenommen. Es handelt sich dabei um eine attraktive Behandlungsstrategie, die vor allem in Italien schon länger verfolgt wird. Mit diesem Vorgehen lässt sich der normale regelmäßige Sinusrhythmus meist innerhalb von ein bis zwei Stunden wiederherstellen. Die Erfolgsquote liegt nach heutigen Erfahrungen bei mehr als 90 %. Voraussetzung ist, dass die Anfälle von Vorhofflimmern nicht zu oft auftreten, maximal zwei- bis dreimal im Monat, und dass diese von wahrnehmbaren Beschwerden begleitet sind. Welche Medikamente sind geeignet? Aufgrund der bisherigen Erfahrungen werden vor allem Flecainid und Propafenon empfohlen. Patienten mit einem Körpergewicht unter 75 kg nehmen einmal 200–300 mg Flecainid oder einmal 600 mg Propafenon ein, sobald das Vorhofflimmern auftritt. Amiodaron kommt weniger in Frage, da die Wirkung zu verzögert eintritt (Abb. 1).

Wirksamkeit und Zuverlässigkeit müssen sichergestellt werden

Für eine erfolgreiche Anfallstherapie ist entscheidend, dass das Vorhofflimmern für den Patienten spürbare Symptome wie Herzklopfen, Schwäche, eventuell Schwindel und Leistungsminderung verursacht, und dass das betreffende Medikament in der gewählten Dosierung bei dem Patienten tatsächlich wirksam ist. Die erste Anwendung muss im Krankenhaus oder in der Fachpraxis erfolgen, um sicherzustellen, dass die Antiarrhythmika keine gefährlichen Herzrhythmusstörungen auslösen. Der Patient darf die festgelegte Dosis auf keinen Fall selbständig ändern oder gar von sich aus das Medikament wechseln. Wenn das Vorhofflimmern nach sechs bis acht Stunden nicht verschwindet oder wenn Nebenwirkungen (krankhafte Pulsverlangsamung oder Beschleunigung, Schwindel oder Bewusstlosigkeit) auftreten, muss der Patient den Arzt oder die Klinik aufsuchen. In den Leitlinien des American College of Cardiology, der American Heart Association und der European Society of Cardiology, die im August 2006 erschienen sind, hat dieses neue Verfahren Eingang in die allgemeinen Behandlungsleitlinien gefunden.

Vorteile der „Pill in the Pocket“-Therapie

Was sind die Vorteile? Anstelle der üblichen Dauertherapie müssen Medikamente nur gelegentlich, nämlich nur bei einem Anfall von Vorhofflimmern, eingenommen werden. Weniger Medikamente verursachen auch weniger Nebenwirkungen! Naturgemäß gibt es Bedingungen, unter denen das „Pill in the Pocket“-Konzept nicht in Frage kommt. Dazu zählen Herzkrankheiten, vorbestehende Pulsverlangsamung, Erregungsleitungsstörungen, Alter über 75 Jahre, Nieren- und Leberfunktionsschwäche, Schwangerschaft oder Kaliummangel sowie Unverträglichkeit bzw. Gegenanzeigen bei bestimmten Rhythmusmitteln.

Auswahl der geeigneten Patienten

Zu klären bleibt noch die Auswahl der am besten für die „Pill in the Pocket“-Therapie geeigneten Patienten, die Langzeitwirkungen und der Vergleich mit anderen Therapiekonzepten; aber schon heute kann das „Pill in the Pocket“-Konzept als eine wesentliche Bereicherung der Behandlung von anfallsweisem Vorhofflimmern für viele Patienten bezeichnet werden (Abb. 2). n

Berndt Lüderitz, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 1/2009

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