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Innere Medizin 9. November 2011

Experten wollen Adipositaschirurgie stärken

Die ExpertInnen sind sich einig: ab BMI 40 liegt krankhafte Adipositas vor und da hilft nur mehr die Adipositaschirurgie. Andere Behandlungsmethoden gegen die krankhafte Fettsucht haben dann nur mehr eine Chance von einem Prozent. Wenn zusätzliche Erkrankungen vorliegen wie etwa ein Diabetes, dann darf sogar ab BMI 35 operiert werden.

 

Vorteile bekannt machen


Experten bestätigten nun diese Position, die noch vor wenigen Jahren zu einem Sturm in der "medical community" geführt hätte. Jetzt geht es darum, diese Tatsachen auch bekannt zu machen. Viele Ärzte und Betroffene wissen nichts davon. "Wir müssen uns leider auf Schätzungen verlassen, aber jeder 10. Erwachsene in Österreich dürfte betroffen sein, eine Zahl jenseits der 500.000“, bestätigte Prof. Dr. Alexander Klaus, Leiter der Abteilung für Chirurgie am KH der Barmherzigen Schwestern in Wien.

Die Angst vor dem Risiko


Die OP-Methoden, die derzeit angewendet werden, sind weitgehend risikofrei, so. Prof. Dr. Stefan Kriwanek, Chirurgiechef am Wiener Donauspital: "Hinsichtlich des immer wieder angefragten Operations-Risikos liegt es beim Magenschlauch etwas geringer als beim Bypass, allerdings ist letzterer eine Methode, mit der man bereits rund 50 Jahren Erfahrung hat. Eine Österreich weite Statistik aus 2009 weist insgesamt eine Letalität von 0,4 Prozent (vier aus 1000) - das steht für 'sehr sicher'."

Internistische Betrachtung


Die heikle Frage in der Vergangenheit war, was sagen die Internisten zum Einsatz des "Messers gegen Diabetes"? Univ.Prof.in Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Diabetes-Spezialistin und Ordinaria für Gender-Medizin an der Meduni-Wien: "Lange Zeit fand die bariatrische Chirurgie keine Akzeptanz seitens der 'Inneren Medizin'.

Heute allerdings wissen wir es besser. Ab BMI 40 (ab 35 bei Zusatzerkrankungen) ist die Adipositaschirurgie die Therapie der Wahl. Gleichsam 'über Nacht' kommt es zum Verschwinden des Diabetes. Das hat mittlerweile dazu geführt, diese Rückbildung des Diabetes besonders zu studieren, um etwas über die noch immer nicht völlig geklärte Entwicklung des Diabetes mehr zu lernen."

Studien: Kein Zweifel an Chirurgie


Auch Klaus stimmt dem zu: "Der Nutzen des Eingriffs steht außer Zweifel. So identifizierte eine englische Beobachtungsstudie über 24 Jahre an 100.000 Frauen Übergewicht als den einzigen unabhängigen Risikofaktor für frühe Sterblichkeit. Eine schwedische Studie an 2.000 Männern zeigte, dass die OP das Mortalitätsrisiko um 30 Prozent senkt. 'Zuwarten' entspricht nach heutigen Erkenntnissen einer verweigerten Hilfeleistung sowie der wissentlichen Steigerung des kumulativen Risikos für Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Karzinome - um nur die wichtigsten Beispiele zu nennen."

Teufelskreis bis zur Dialyse


Betroffen sind vom Übergewicht zwar generell mehrheitlich Männer, krankhaft adipös sind allerdings mehr Frauen, verbunden mit vielseitigen Problematiken. Beide Geschlechter zeigen meist ein metabolisches Syndrom mit hohem Blutdruck, geringem HDL, erhöhtem LDL, Arthrose mit Schmerzen in vielen Gelenken. Wir finden häufig Depressionen (bei Frauen häufiger) durch die gesellschaftliche Stigmatisierung und möglicherweise auch durch ähnliche pathophysiologische Mechanismen.

Das eröffnet eine Art Teufelskreis, in dem Psychopharmaka zum Einsatz kommen, die selbst auch wieder gewichtsfördernd sind. So gut wie alle Betroffenen sind "Jojo-geschädigt". Der "gute Rat", doch mehr Bewegung zu machen, kann nicht mehr umgesetzt werden. Letztlich eine Situation, die direkt in den Diabetes führt mit all seinen Konsequenzen bis hin zur Dialyse.

Pressetext/AN, springermedizin.at

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