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Innere Medizin 24. Oktober 2011

Das Schlimmste verhindern

Früherkennung des gefährlichen Bauchaortenaneurysmas kann Leben retten.

Schwerwiegende Gefäßerkrankungen wie das Bauchaortenaneurysma sind bei über 60-Jährigen stark im Steigen. Wird dieses nicht rechtzeitig behandelt, kann dies tödlich enden. Mit einer österreichweiten Kampagne will das neu gegründete "Gefäßforum Österreich" über die Gefahren des meist unerkannten Bauchaortenaneurysmas aufklären. Ziel der Initiative ist die Information der Betroffenen über Vorsorge, Risikofaktoren und neue Therapien.

 

Experten schätzen, dass aufgrund der demografischen Entwicklung sich die Zahl der Bauchaortenaneurysma-Erkrankten in den nächsten Jahren dramatisch vervielfachen wird. Um dieser besorgniserregenden Entwicklung entgegenzusteuern, wurde von einem Team aus österreichischen Spitzenmedizinern und prominenten Persönlichkeiten das Gefäßforum Österreich (GFÖ) ins Leben gerufen. Unter dem Motto "Gefäße sind Leben!" will das GFÖ die Bevölkerung über schwerwiegende Gefäßerkrankungen aufklären, Präventionsmaßnahmen forcieren und zu einem gesünderen Lebensstil motivieren.

Oft nur durch Zufall entdeckt

Das Bauchaortenaneurysma ist die häufigste Aneurysmaform und tritt vor allem bei Männern auf. Doz. Dr. Afshin Assadian, Vorstand der Gefäßchirurgie des Wilhelminenspitals in Wien und Wissenschaftlicher Sprecher des GFÖ: "Leider haben auch die Fälle, in denen es zu einer Ruptur kommt, besorgniserregend stark zugenommen. Für rund 90 Prozent der Betroffenen endet ein solcher Vorfall tödlich: Die Dunkelziffer liegt bei geschätzten 900 Todesfällen pro Jahr."

Die Ursache für diese Entwicklung sieht Assadian darin, dass in Österreich Risikopopulationen nicht gezielt auf ein Bauchaortenaneurysma untersucht werden. "Die Betroffenen wissen oft gar nicht, dass sie an diesem leiden. Sie sind sich auch über die Risiken und Gefahren dieser Erkrankung gar nicht bewusst. Dabei kann ein Bauchaortenaneurysma durch eine einfache Ultraschalluntersuchung sehr gut erkannt werden", so Assadian, der auch die erstversorgende Ärzteschaft verstärkt auf die Gefahr von Bauchaortenaneurysmen aufmerksam machen möchte.

Geplatzte Aneurysmen enden meist tödlich

Die Notwendigkeit der Gesundheitsinitiative des GFÖ wird durch die Tatsache, dass jeder zehnte Gefäßpatient ein behandlungswürdiges Bauchaortenaneurysma (über fünf Zentimeter) aufweist, deutlich. Wird dieses nicht behandelt, besteht immerhin bis zu 70 Prozent pro Jahr die Gefahr, dass es zu einer Ruptur kommt. In 90 Prozent aller Fälle endet ein geplatztes Bauchaortenaneurysma tödlich. Wird ein Betroffener noch rechtzeitig von einem erfahrenen Team im Krankenhaus behandelt, so liegen die Überlebenschancen bei 50 Prozent. Überlebende haben dabei häufig mit gravierenden Folgen zu kämpfen: ein künstlicher Darmausgang, Verlust der Nierenfunktion mit notwendiger Dialyse, Amputationen, Wundheilungsstörungen und eine lange Genesungszeit.

Das GFÖ empfiehlt daher dringend, 60- bis 90-Jährige, abhängig vom Allgemeinzustand, auf ein Bauchaortenaneurysma mittels Bauchultraschall zu untersuchen. Die Überweisung erfolgt in der Regel durch den Hausarzt. Die CT-Angiografie findet beim niedergelassenen Radiologen oder beim Radiologen im Krankenhaus statt. Wenn eine Erweiterung der Bauchschlagader von mehr als dreieinhalb Zentimeter festgestellt wird, muss unbedingt eine Überweisung zum Gefäßspezialisten stattfinden. "Die beste Präventionsmaßnahme ist aber noch immer, gesund zu leben", resümiert Assadian.

 

Quelle: Pressekonferenz des Gefäßforums Österreich, 27. September 2011, Wien

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