zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 2. Oktober 2011

Wien war Schauplatz der Medizinischen Physik

vom 28. September bis 1. Oktober 2011 fand in Wien die traditionelle Dreiländertagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Gesellschaften für Medizinische Physik (DGMP, ÖGMP und SGSMP) statt. Highlights waren unter anderem moderne Verfahren, die bei Tumorerkrankungen eine individuelle, zielgenaue und schonende Strahlentherapie ermöglichen sowie Innovationen auf dem Gebiet der Magnetresonanztomographie.

Das Leistungsspektrum der Forschung in den verschiedensten Sparten der Medizinischen Physik und Technik und deren Anwendung für den Patienten in der Medizin wurde dort präsentiert.

Die Medizinische Physik steht im Schnittpunkt von Grundlagenforschung (Physik), der Entwicklung zum einsetzbaren Gerät (Technik) und der Anwendung für und am Patienten (Medizin). Sie ist damit ein Bindeglied zwischen so verschiedenen Bereichen wie Medizin, Technik, Bildverarbeitung, Informatik oder Biologie.

„Österreichische medizinphysikalische Forschung und Entwicklung in den Bereichen Optik, Audiologie, Magnetresonanz-Bildgebung, Radioonkologie oder in der medizinischen Bildverarbeitung spielt in der internationalen Liga weit oben mit“, freute sich Kongresspräsident Prof. Dr. Dietmar Georg, Leiter der Abteilung für Medizinische Strahlenphysik, Universitätsklinik für Strahlentherapie der MedUni Wien.

Medizinphysiker als wichtige Partner


In Bereichen wie der Tumorstrahlentherapie ist der Medizinphysiker wichtiger Teil des Behandlungsteams; nicht nur seine Anwesenheit, auch Aus- und dauernde Fortbildung sind gesetzlich vorgeschrieben und werden jährlich vom Bundesministerium überprüft.

Die schnellen und vielfältigen Entwicklungen in der Medizin stellen immer wieder neue Herausforderungen. Eine wesentliche Aufgabe der Gesellschaften ist daher, den Mitgliedern Möglichkeiten zur Aktualisierung ihres Wissensstandes zu schaffen – 2011 etwa gemeinsam mit dem Österreichischen Verband für Strahlenschutz oder der Paracelsus Universität Salzburg. Ein besonderes jährliches „Highlight“ stellt seit 24 Jahren die zweiwöchige „Winterschule“ in Pichl/Steiermark mit bis zu 100 Teilnehmern
dar.

Medizinphysiker sind mittlerweile von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO als eigene Berufsgruppe anerkannt und nehmen in der Internationalen Atombehörde (IAEA) eine zunehmend wichtige Stellung ein (hier u. a. in der Standardisierung von medizinphysikalischen Verfahren und deren Weitergabe an Entwicklungsländer). In der EU laufen mehrere Programme zur vereinheitlichten Standardisierung des „Medizinphysikers“ sowie zur Erfassung des „Physikunterrichts“ in medizinischen Berufsausbildungen.

„Auch und gerade für eine relativ kleine Gesellschaft wie die ÖGMP mit etwa 200 Mitgliedern ist es notwendig, auf dem Laufenden zu bleiben, internationale Entwicklungen zu beobachten, aber auch Kontakt zu nahestehenden Organisationen in
Österreich zu halten“ meint Dr. Werner Schmidt, Institut für Radioonkologie im SMZ-Ost
Wien und Präsident der ÖGMP.

Aktuelle Beispiele zu Forschungsgebieten der Medizinphysik

Partikeltherapie: Was früher nur an Spezialzentren der Grundlagenforschung möglich war, wird zunehmend breiter verfügbar. In Heidelberg ist das erste dezidierte Ionenstrahltherapiezentrum Deutschlands (HIT-Therapiezentrum) Ende 2008 in klinischen Betrieb gegangen; derzeit entsteht in Österreich in Wiener Neustadt mit MedAustron ein vergleichbares Krebsforschungs- und Behandlungszentrum. Die Strahlentherapie mit geladenen Teilchen wie Protonen oder Kohlenstoff-Ionen ermöglicht es, eine Krankheit mit voller Strahlungsdosis zu behandeln und gesundes Gewebe maximal zu schonen.

Funktionelle Bildgebung: Sie beschäftigt sich mit Darstellung, Beschreibung und Quantifizierung biologischer und physiologischer Prozesse. Hierbei kommen Computerund Magnetresonanztomographie (CT und MRT) sowie nuklearmedizinische Bildgebung (SPECT und PET), vor allem aber die Kombination der verschiedenen Techniken („Multimodale Bildgebung“) sowie eigens dafür entwickelte Kontrastmittel und Radiotracer zum Einsatz. Die Verfahren der „molekularen Bildgebung“ finden in der Biologie, bei der Beurteilung pharmakologischer oder genetischer Interventionen, in der Onkologie und der personalisierten Medizin Anwendung.

Optische Kohärenztomographie: Optical Coherence Tomography (OCT) ist ein bildgebendes Verfahren, das – ähnlich der Ultraschalltechnik, jedoch berührungslos – hochauflösende Schnittbilder von biologischem Gewebe ermitteln kann. Mit etwa 32
Millionen Untersuchungen ist die OCT vor allem in der Augenheilkunde etabliert, bald soll die Technologie auch für Dermatologie und kardiovaskuläre Diagnostik verfügbar sein. Die wichtigsten zukünftigen Anwendungsbereiche sind Onkologie, Kardiologie und
molekulare Bildgebung. Diese Methode wird auch einen Forschungsschwerpunkt des Zentrums für Medizinische Physik an der MedUniWien darstellen.

Medizinische Bildverarbeitung: Schnelligkeit in der Darstellung und Manipulation von Bildern aus Medizinischen bildgebenden Geräten wie CT und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist für den Workflow in Therapie und Diagnostik unumgänglich.
Techniken wie atemgesteuerte Strahlentherapie benötigen ultraschnell aufbereitete Bilder bzw. Bildinformationen. Durch spezielle Softwarelösungen, die auf Graphikkarten (GPU) implementiert werden, ist eine solche „Echtzeitdarstellung“ möglich. Dieser Bereich
wurde – und wird – stark von Entwicklungen für Computerspiele beeinflusst.

Audiologie: In der Entwicklung von implantierbaren Hörlösungen wie etwa „Cochlea-Implantaten“ haben Medinphysiker die Aufgabe übernommen, Hörnerven mit elektrischen Signalen „zu füttern“. Weiters befassen sie sich mit der Analyse und Formung solcher Signale, damit diese den Patienten wieder als Ton und Klang hörbar werden.

 

 

Quelle: ÖGMP

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben