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Innere Medizin 27. März 2009

Puls für die Pulslosen

Hochkarätige Plattform gegen den plötzlichen Herztod nimmt die Arbeit auf.

Der neue Verein „Puls“ will Menschen vor dem Herztod retten – und zwar mindestens einen pro Tag. Wissenschaftler, Ärzte und Rettungsorganisationen ziehen dabei an einem Strang. Als Pilotprojekt soll eine der größten Wohnanlagen Österreichs „herzsicher“ gemacht werden.

 

Rund 15.000 Menschen versterben in Österreich am plötzlichen Herztod. Bei einem akuten kardialen Ereignis ist somit rasches Handeln bis zum Eintreffen der professionellen Rettungskräfte wünschenswert. Immerhin gehen pro Minute etwa zehn Prozent Überlebenswahrscheinlichkeit verloren. Die Realität sieht aber anders aus, nach wie vor werden lebensrettende Möglichkeiten unterlassen – wegen hilfloser Helfer.

Der neu gegründete Verein „Puls“ wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, ein Menschenleben pro Tag dadurch zu retten, dass alle Faktoren, die positiven Einfluss auf das Überleben von Menschen im Kreislaufstillstand haben, optimiert werden. Die neutrale Plattform, die von der Universitätsklinik für Notfallmedizin und den österreichischen Rettungsverbänden unterstützt wird, betreibt Aufklärung in Schulen, Betrieben und großen Wohnbauten. Nach Maßgabe werden vom Verein Defibrillatoren installiert. Neben hochkarätigen Wissenschaftlern sind – eine Rarität – auch Rotes Kreuz und der Wiener Arbeiter Samariter Bund gemeinsam an Bord.

Pilotprojekt in den Startlöchern

Da acht von zehn Kreislaufstillständen in den eigenen Räumlichkeiten passieren, soll in einem Pilotprojekt ab kommenden Herbst der Wohnpark Alt Erlaa mit 10.000 Menschen im 23. Wiener Gemeindebezirk „herzsicher“ gemacht werden. Nach einem Zeitraum von zwei Jahren mit wissenschaftlicher Begleitung sind politische Entscheidungsträger gefordert, durch entsprechende Gesetzgebung für Nachhaltigkeit zu sorgen. Die Aktionen werden daher nach dem letzten wissenschaftlichen Stand geplant und objektiv evaluiert. Eine Publikation sämtlicher Ergebnisse wird angestrebt.

Punktuell sollen – vorerst in Wien – auch andere Aktionen gestartet werden. Schließlich, so die Initiatoren von „Puls“, muss Erste Hilfe mit geeigneten Hilfsmitteln ein Selbstverständnis darstellen, um die Zeit bis zum Eintreffen professioneller Helfer erfolgreich zu überbrücken. Aufklärungs- und Schulungsbeginn können bereits in der Pflichtschule erfolgen.

Ein weiterer Bereich ist, einen optimalen Versorgungsstandard durch den nachfolgenden Rettungsdienst und im Spital, der die Anwendung von milder Kühlung nach überlebtem Kreislaufstillstand beinhaltet, zu sichern. Die Mitglieder von „Puls“ streben damit eine Verdoppelung der Anzahl von Überlebenden nach einem plötzlichen Kreislaufstillstand an. Das entspricht einem zusätzlich geretteten Menschenleben jeden Tag.

 

 Weitere Informationen sowie ein Standortverzeichnis des wachsenden Defi-Netzwerkes unter

www.puls.or.at

Von Raoul Mazhar, Ärzte Woche

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