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Foto: Privat
Prim. Dr. Georg Gaul Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung am Hanusch-Krankenhaus
 
Innere Medizin 27. März 2009

Vernunft-Pak(e)t

Ein neues Projekt widmet sich der Koronaren Herzerkrankung.

Wenn sich Partner „mit unterschiedlichsten Interessen“ wie Pharmig, Hauptverband, Ärzte- und Apothekerkammer zu einem gemeinsamen Ziel zusammenfinden, kann das Motto nur lauten: „Arznei & Vernunft“. Das neueste Projekt ist der Koronaren Herzerkrankung gewidmet und liefert Richtlinien für die Praxis.

 

Im Gesundheitswesen kommt es hin und wieder zu jenen raren Momenten, in denen Akteure, die im Allgemeinen als Kontrahenten auftreten, gemeinsam ein neues Projekt präsentieren. Bei Rückbesinnung auf manch wirtschaftspolitische Fehde könnte diese Zusammenarbeit durchaus erstaunen. Bereits seit 1994 aktiv, überrascht jedoch die Initiative „Arznei & Vernunft – Vernünftiger Umgang mit Medikamenten“ Eingeweihte kaum, hat sie doch seither 13 Therapieempfehlungen zu weit verbreiteten Krankheiten wie Osteoporose, Asthma etc. vorgelegt.

„Nur miteinander können wir etwas erreichen, nicht gegen- und nebeneinander“, betont Generaldirektor-Stellvertreterin des Hauptverbandes, Mag. Beate Hartinger, die Bedeutung der Einung von Verschreiber, Zahler, Verkäufer und Produzenten. Angesichts der Medikamentenkosten-Steigerungen sei diese „Initiative im Medikamentenbereich“ besonders erfreulich. Die Compliance bei der Koronaren Herzerkrankung (KHK) sei nicht immer so optimal. Und weil sie eine Volkskrankheit sei, habe man beschlossen, „das Thema anzugehen“.

Pharmig-Präsident Dr. Hubert Dreßler vertritt aus der Überlegung „Sparen mit Arzneimitteln“ den Standpunkt der Industrie: „Wir leben davon, dass die Patienten die Dinge tun, die man ihnen sagt“, und setzt als „leisen Kritikpunkt“ hinzu, dass „Leitlinien nur dann Sinn haben, wenn sich alle daran halten. Sonst war die mühsame Arbeit der Experten umsonst.“

Aufbereitung mit Evidenzgrad

Die wissenschaftlich-praktischen Ziele der neuen Leitlinie sind somit hoch gesteckt. Bei deren Präsentation wurde deutlich darauf verwiesen, dass erstmals in einer derartigen Publikation „aufbereitete Evidenzdarlegungen aus internationalen Leitlinien genutzt“ wurden, die unter anderem von der American Heart Association (AHA) und der European Society of Cardiology (ESC) übernommen wurden. Grundsätzlich orientiert sich die Richtlinie am Schema der ESC und gibt, in der Wertigkeit absteigend, von A bis C drei Evidenz- bzw. Empfehlungsgrade an, wobei Evidenzgrad A die Daten aus mehreren randomisierten klinischen Studien oder Meta-Analysen bedeutet.

Die in der Leitlinie „Koronare Herzerkrankung“ zusammengefasste Prävention und Therapie sei nicht irgendein Konsensus-Papier, sagt Prof. Dr. Klaus Klaushofer, Ärztlicher Direktor im Hanusch-Krankenhaus Wien und unter anderem beratender Arzt im Hauptverband. „Immer wenn etwas Neues kommt, setzen sich selbst ernannte oder eingeladene Experten zusammen.“ Dies sei bei diesem Produkt nicht der Fall gewesen. Es habe klare Statuten gegeben und keiner der an der Leitlinie Mitwirkenden habe „einen Schilling für die Arbeit bekommen“. Klarerweise, so Klaushofer, sei die Auswahl der Experten immer ein Streitthema, eine optimale Lösung gebe es nicht. Bei der nunmehr abgeschlossenen Zusammenarbeit lag die Auswahl der von den Dachorganisationen entsandten Experten letztlich bei Klaushofer, beispielsweise oblag die Qualitätskontrolle einem externen Qualitätsmanager (des Österreichischen Roten Kreuzes). Klaushofer zum Ziel der Publikation: „Es ist wichtig, dass die Leitlinie breit ankommt, vom niedergelassenen- bis zum Universitätsbereich.“

An diesem breiten Ankommen nimmt auch Dr. Georg Gaul, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung am Hanusch-Krankenhaus, Maß: „Jeder kann leitlinienkonform vorgehen. Wir müssen aber auch ökonomisch vorgehen, dann gibt es keine Beschränkung, medikamentös zu therapieren.“ Das sei nicht zuletzt in Hinblick auf die durchschnittliche Lebenserwartung in Gesundheit der Österreicher („Inequalities in healthy life years ...“,Lancet 2008) von Relevanz: Österreich liegt laut Studiendaten lediglich im unteren Feld – und auch deswegen seien Leitlinien wie für die Koronare Herzerkrankung besonders wichtig, mahnt Gaul.

 

Quelle: Pressekonferenz: Arznei & Vernunft, Wien, Jänner 2009

Kasten:
Koronare Herzerkrankung
1. Auflage, Januar 2009, 31 S., Ordner-Heftung
Aufbau: 1. Epidemiologie 2. Definition und Therapieziele 3.Diagnostik 4. Abschätzung des kardiovaskulären Risikos 5. Therapie 6. Genderspezifische Aspekte / Anhang (Medikamenten-Tabellen)
 www.pharmig.at  www.sozialversicherung.at
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Prim. Dr. Georg Gaul Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung am Hanusch-Krankenhaus

Von Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche

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