zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 27. März 2009

Vom einfachen Röhrchen zur „sophisticated-stent-technology“

Kann die neue Generation an Stents die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen?

Stents waren zweifellos eine wichtige Entwicklung in der Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen. Nach den ersten einfachen Stents (den Bare Metal Stents, BMS), den nicht sehr breit eingesetzten radioaktiven und den nachfolgenden drug eluting stents (die mit Glucocorticoiden, Zytostatika, Immunmodulatoren oder Antiproliferativa beschichtet sind) wird bereits an der nächsten Stent-Generation geforscht. Diese sollen mit Antikörper beschichtet werden, um Endothelvorläuferzellen aus dem Blut zu fischen.

 

In welche Richtung die Entwicklung der Stents geht, darüber berichtete Prof. Dr. Johann Wojta vom Institut für Physiologie der Medizinischen Universität Wien vor kurzem im Rahmen der vom Wissenschaftsfonds FWF regelmäßig veranstalteten Vortragsreihe „Am Puls“ im Februar in Wien.

Nachdem die medikamentenbeschichteten Stents in Diskussion geraten waren, weil sich bei bestimmten Patientengruppen ein erhöhtes Thromboserisiko einfand (das man allerdings aufgrund dieser Erkenntnisse mit einer Antikoagulations-Behandlung wieder eindämmte), war klar, dass die Forschung nach neuen Optionen Ausschau halten würde. Dabei musste man vor allem an den unerwünschten Nebenwirkungen der drug eluting stents ansetzen. Diese sind mit Arzneistoffen beschichtet, die die Zellneubildung hemmen. Durch die kontinuierliche Freisetzung dieser Substanzen meinte man verhindern zu können, dass sich die Gefäßwand im Bereich des Stents durch das Anwachsen von glatten Muskelzellen verdickt. Diese antiproliferativen Substanzen verhindern allerdings auch die Neubildung von Endothelzellen, die die Innenwand des Stents auskleiden und in weiterer Folge eine für den Blutfluss wichtige glatte Oberfläche herstellen. Was man in einem Fall erreichen wollte (Proliferationshemmung bei den glatten Muskelzellen) wirkte sich im anderen Fall – bei den Endothelzellen, die am Stent anwachsen sollten – negativ aus. Also kam man auf die Idee, die Stents mit Antikörpern zu beschichten, die die Endothelvorläuferzellen (Progenitorzellen) aus dem Blutkreislauf abfangen und an den Stent binden.

Erste-Hilfe-Zellen einfangen

Die Progenitorzellen haben eigentlich die Aufgabe, an den Ort von allfälligen Verletzungen zu wandern und dort für die Bildung neuer Endothelzellen zu sorgen, damit sich die verletzte Gefäßwand regeneriert. Mit spezifischen Antikörpern, die bestimmte Oberflächenstrukturen auf diesen Endothelvorläuferzellen erkennen und die Zellen sozusagen an der Stentwand „arretieren“, meinte man das Problem (mangelnde Endothelbildung an den Stents) elegant lösen zu können. Waren die Vorläuferzellen einmal dem Stent verhaftet, so hatten sie nichts anderes zu tun, als ihrer physiologischen Bestimmung nachzukommen – in reife Endothelzellen auszudifferenzieren. Und es funktioniert tatsächlich! Das haben zumindest die ersten Studien bereits gezeigt. Allerdings hatte man sich mehr erwartet, denn die bisherigen Ergebnisse zeigen keine signifikante Überlegenheit gegenüber den bisher schon eingesetzten medikamentenbeschichteten Stents. Das könnte laut Wojta daher rühren, dass man möglicherweise noch zu wenige Patienten mit diesen Stents versorgt hat, um eine valide Aussage treffen zu können. Des Weiteren gelte es noch zu evaluieren, ob es ein ganz bestimmtes Patientenkollektiv gibt, das von diesen Stents in besonderem Maße profitiert (wie etwa Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetikern stärker von den drug eluting stents profitieren). Bleibt noch eine nicht unwesentliche Frage: Kann man ausschließen, dass durch die Antikörper zu viele Endothelprogenitorzellen „angelockt“ werden und diese dann unbegrenzt proliferieren? Dies ist laut Wojta auszuschließen, da Endothelzellen (im Gegensatz zu den glatten Muskelzellen, die „ungeniert in die dritte Dimension hinein proliferieren“) über eine sogenannte „Kontaktinhibition“ verfügen. Kontaktinhibition bedeutet, dass Endothelzellen, die aneinander stoßen und den Monolayer bedeckt haben, sich nicht mehr weiterteilen und daher nicht übereinander wachsen.

Des Weiteren hat sich in den bisherigen Studien gezeigt, dass die durch die Antikörper angelockten Vorläuferzellen physiologisch zu „ganz normalen Endothelzellen“ (Wojta) ausreifen. Sie weisen somit die gleichen Oberflächenmoleküle und die gleiche Aktivierung wie die unter normalen Umständen ausgereiften Endothelzellen auf. Daher sei auszuschließen, dass die an den Stentwänden ausdifferenzierten Endothelzellen suszeptibler sind und eventuell oxidierte LDL-Partikel besonders gut einwandern lassen und damit das Wiederverschlussrisiko erhöhen.

Apropos Endothelzellen

Mittlerweile weiß man, dass die Endothelzellen in Venen, Arterien und kleinen Gefäßen (z.B. Kapillaren) zwar ziemlich gleich aussehen, dass sie aber ein unterschiedliches Repertoire an Proteinen bilden und damit auch ungleich reagieren. Ob das daher kommt, dass diese Endothelzellen unterschiedlichen Strömungsverhältnissen ausgesetzt sind sie an unterschiedlichen Stellen ausgereift sind – das weiß man heute noch nicht. Aber es ist eine der Erklärungen dafür, dass man bei Bypass-Operationen mit aus dem Brustbereich entnommenen Arterien bessere Ergebnisse erzielt als mit Beinvenen. Dass noch immer in erster Linie auf Venen bei Bypass-Operationen zurückgegriffen wird hat den Grund, dass diese leichter zu gewinnen sind, sagte Wojta.

 

Quelle: Pressekonferenz: „Herzinfarkt – Therapie heute und morgen“ am 12. Feber 2009 im Albert Schweitzer Haus in Wien.

Von Eveline Schütz, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben