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Foto: Archiv
Dr. Franz Piribauer, MPH (Harvard), Arzt, Psychotherapeut und Unternehmensberater in Wien
 
Innere Medizin 20. März 2009

Prävention pur

Der Gehalt von Transfetten in Lebensmitteln wird nun endlich gesenkt.

Gesundheitsminister Stöger kündigte an, dass noch vor dem Sommer die „Österreichische Transfettsäuren-Verordnung“ in Kraft tritt. Damit ist Österreich neben Dänemark das zweite EU- Land, das restriktive Maßnahmen gegen die nachweislich gesundheitsschädlichen Transfettsäuren in Lebensmitteln ergreift.

Die nun in Begutachtung befindliche Verordnung sieht vor, dass ein Inverkehrbringen von Fetten und Ölen in Österreich mit mehr als zwei Prozent Transfettsäuren (TFS) verboten wird. Bei zusammengesetzten Lebensmitteln mit einem Fettgehalt von weniger als 20 Prozent soll ein TFS-Gehalt von bis zu vier Prozent erlaubt sein.

„Das ist eine der kosteneffektivsten primären kardiovaskulären Präventionsmaßnahmen“, freut sich Public-Health-Experte Dr. Franz Piribauer über die Umsetzung einer langjährigen Forderung. „Das ist pures, large scale Public Health.“

Dänemark hat freilich nicht nur einen Grenzwert für TFS erlassen, sondern die hydrogenierten künstlichen Fettsäuren aus der Nahrung verbannt. Die freiwillige Beschränkung der Industrie hatte zuvor mangelhaft gewirkt, erst der Bann hat beispielsweise die Fastfoodkette McDonalds dazu bewogen, TFS-frei bzw. -arm zu produzieren.

Transfettsäuren entstehen bei der künstlichen Härtung von pflanzlichen Ölen, die für die bessere Einsatzbarkeit der Fette in der industriellen Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt wird. Die Fette können so den Erfordernissen der Industrie angepasst werden und sie neigen weniger zum ranzig werden.

Bereits seit mehr als zehn Jahren mehren sich jedoch die wissenschaftlichen Hinweise, dass TFS die Gesundheit massiv schädigen. So erhöhen sie nachweislich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. In den USA wird davon ausgegangen, dass eines von fünf kardiovaskulären Ereignissen allein auf TFS zurückzuführen ist. In Europa ist der TFS-Anteil jedoch generell viel geringer als in Amerika. Tests haben aber auch in Österreich erhöhte Werte gefunden – etwa im Plunderteiggebäck. TFS verursachen in den Zellwänden Irritationen und Mikroentzündungen, die nicht nur mit kardiovaskulären Erkrankungen zusammenhängen, sondern auch für die Entstehung von Diabetes, Krebs und Fettstoffwechselstörungen verantwortlich gemacht werden. TFS senken den HDL- und heben den LDL-Spiegel.

Zu wünschen wäre, so Piribauer hoffnungsvoll, dass auch die EU nachzieht und die Nahrungskette in Europa TFS-frei wird. Schon beim European Health Forum 2005 in Gastein, erzählt er, hätte er das dem Leiter der Arbeitsgruppe „Diet, Physical Activity and Health“ als einfachste und effektivste public-health-Einzelmaßnahme vorgeschlagen. Piribauer: „Damals hat er, von Lobbyisten umzingelt, ziemlich abwehrend gewirkt.“

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Dr. Franz Piribauer, MPH (Harvard), Arzt, Psychotherapeut und Unternehmensberater in Wien

Von Inge Smolek, Ärzte Woche

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