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Innere Medizin 1. Februar 2009

Lebensmittelbedingter Ausbruch von Gastroenteritis durch Shigella sonnei, Österreich, 2008

Wir berichten, für Österreich erstmalig, über einen lebensmittelbedingten Ausbruch von Gastroenteritis durch Shigella sonnei. Am 14. Juli 2008 erlangte die AGES Kenntnis über das gehäufte Auftreten von laborbestätigten S. sonnei Infektionen in einem Bezirk des Bundeslandes Salzburg. Alle Betroffenen hatten vom 7. bis zum 9. Juli an einem (vorzeitig abgebrochenen) Jungscharlager in Tirol teilgenommen. Ein Jungschar-Ausbruchsfall wurde definiert als jemand der am Jungscharlager teilnahm und in der Zeit 8. bis 12. Juli an Durchfall erkrankte. Unter den 61 Teilnehmern erfüllten 42 Jungscharlagerteilnehmer die Definition eines Jungschar-Ausbruchsfalls; darunter fanden sich 31 kulturbestätigte Fälle und 11 Fälle mit negativen Stuhluntersuchungen. Das Alter der 42 Erkrankten betrug im Median 11 Jahre (Min: 8, Max: 60), 26 waren weiblich. Die epidemiologische Falldefinition für Sekundärfälle bei Haushaltsmitgliedern lautete: ein Haushaltsausbruchsfall war jemand, der am Jungscharlager nicht teilnahm und ab 10. Juli an Durchfall erkrankte und 1 bis 3 Tage vor Erkrankungsbeginn mit einem Jungschar-Ausbruchsfall Haushaltskontakt hatte. Von den 11 Haushaltsausbruchsfällen unter den 139 befragten Haushaltsmitgliedern wurden 10 bakteriologisch untersucht; 4 Haushaltsangehörige hatten eine kulturbestätigte S. sonnei Infektion. Das Alter dieser Sekundärfälle betrug im Median 39,5 Jahre (Min: 15 a, Max: 48 a), 6 waren weiblich. S. sonnei wurde auch bei einer der beiden Herbergsbetreiber nachgewiesen. Alle 36 Isolate waren Biotyp gl, Lysotyp 12, und mittels PFGE voneinander nicht zu unterscheiden. Eine Kohortenstudie unter den 61 Teilnehmern des Jungscharlagers erbrachte die Konsumation von Salat (an zumindest einem der drei Tage) als Risikofaktor mit einem relativen Risiko von 2,71 (95%: 95% CI: 1,38–5,32, p = 0,004). Von den 42 Ausbruchsfällen des Jungscharlagers konnten 34 auf die Konsumation von Salat zurückgeführt werden. Die asymptomatisch infizierte Herbergsbetreiberin, welche die Salate mit bloßen Händen zubereitete, ist möglicherweise die Quelle der Kontamination. Ohne eine epidemiologisch-analytische Untersuchung wäre die Assoziation mit Lebensmitteln bei diesem Shigellosen-Ausbruch nicht erkannt worden.

Hung-Wei Kuo, Sabine Kasper, Sandra Jelovcan, Gerda Höger, Ingeborg Lederer, Christoph König, Gerda Pridnig, Anita Luckner-Hornischer, Franz Allerberger, Daniela Schmid, Wiener klinische Wochenschrift

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