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Innere Medizin 1. Februar 2009

Ausbruch von Staphylokokken-Enterotoxikosen nach Genuss pasteurisierter Schulmilch, Juni 2007, Österreich

Am 13. Juni 2007 wurde Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit von einer lokalen Gesundheitsbehörde über das gehäufte Auftreten von Bauchkrämpfen und Erbrechen am 8. Juni bei 40 Kindern zweier benachbarter Volksschulen unterrichtet. Die am 8. Juni konsumierten Schulmilchgetränke wurden als Quelle des Ausbruchs vermutet. Die Schulmilchgetränke stammten von einer lokalen Molkerei X, die am 8. Juni acht Volksschulen und zwei Kindergärten belieferte. Die kurze Inkubationszeit – alle Fälle erkrankten noch am Tag der Konsumation – und die kurze Krankheitsdauer von 1–2 Tagen ließen eine Lebensmittelvergiftung vermuten. Deskriptiv-epidemiologische und mikrobiologische Untersuchungen sowie eine retrospektive Kohortenstudie wurden zur Ermittlung des ursächlichen Agens, dessen Reservoirs und des Übertragungsmodus durchgeführt.Von 1025 Kindern der 10 Einrichtungen erfüllten 166 die Falldefinition (16,2%). Nach den Ergebnissen der Kohortenanalysen war die Konsumation von Milch, Kakaomilch oder Vanillemilch der Molkerei X mit einem 37,8 fach höherem Risiko zu erkranken, assoziiert (95% CI: 2,3–116,5). In den verbliebenen orginal-verschlossenen Milchprodukten wurden Staphylokokken-Enterotoxin A und D nachgewiesen. Sechs von 64 Viertelgemelksproben von 3 von 16 der Molkerei X zuliefernden Kühen erbrachten in der bakteriologischen Untersuchung Enterotoxin und D produzierenden Staphylococcus aureus des spa Typs t2953. Ein aus einem Nasenabstrich des Molkereibetreibers gewonnenes S. aureus Isolat war vom spa Typ t635 und wies Gene für Enterotoxin C, G, H und I auf. Die Ausbruchsuntersuchung belegte, dass die am 7. Juni in der Molkerei X hergestellten Milchprodukte die Quelle des Ausbruches einer Staphylokokken-Enterotoxikose am 8. Juni waren. Die Kühe der Molkerei X – und nicht der Molkereibetreiber – waren das wahrscheinliche Reservoir des Enterotoxin-produzierenden S. aureus-Stammes. Eine Risikoanalyse des Produktions-Prozesses ließ vermuten, dass die Toxinproduktion während Lagerung von überschüssiger pasteurisierter Milch über 3 Tage stattfand, bevor diese am 7. Juni neuerlich pasteurisiert und zu den inkriminierten Schulmilchgetränken verarbeitet wurde.

Daniela Schmid, Rainer Fretz, Petra Winter, Michaela Mann, Gerda Höger, Anna Stöger, Werner Ruppitsch, Johann Ladstätter, Norbert Mayer, Alfred de Martin, Franz Allerberger, Wiener klinische Wochenschrift

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