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Innere Medizin 1. Februar 2009

Ein nicht-lebensmittelbedingter Norovirus-Ausbruch unter Teilnehmern eines Schulschikurses, Österreich, 2007

HINTERGRUND: Die Bedeutung von Noroviren (NV) als maßgebliche Ursache lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche wird zunehmend anerkannt. Wir berichten über einen Norovirus-Ausbruch mit 176 Erkrankungsfällen, der im Dezember 2007 Schüler und Lehrer von 4 Schulen betraf, die ihre Schulschiwochen in einem Schülerheim in Salzburg absolvierten. METHODIK: Durch die betroffenen Schulen wurden Fragebögen verteilt und Daten zu Erkrankungsstatus, Erkrankungsbeginn, Krankheitsdauer und Hospitalisation erhoben. Im Rahmen einer Kohortenstudie wurden die Schikursteilnehmer bezüglich Exposition gegenüber die im Rahmen des Schulschikurses angebotenen Lebensmittel befragt. ERGEBNISSE: Von den 284 Teilnehmern erfüllten 176 die Definition eines Ausbruchsfalls (Befallsrate: 61,9%). Insgesamt erklärten sich 264 Teilnehmer des Schulschikurses bereit an der Kohortenstudie teilzunehmen (Rückantwortrate: 93%). Die tagesbezogene lebensmittelspezifische Analyse zeigte, dass keines der zwischen Dezember 8 und 12 im Schülerheim angebotenen Lebensmittel in einem signifikanten Zusammenhang mit den Erkrankungen stand. Die tagesbezogene Analyse belegte Montag (RR: 9,04; 95%CI: 6,02–13,6; p < 0,001) und Dienstag (RR: 3,37; 95%CI: 2,56–4,43; p < 0,001) als die beiden Tage mit dem höchsten Risiko einer Exposition gegenüber Norovirus. DISKUSSION: Die epidemiologische Abklärung zeigte, dass eine lebensmittelbedingte Genese für den beschriebenen Norovirusausbruch auszuschließen ist. Aerogene Norovirus-Übertragung ausgehend vom Indexpatienten (wiederholtes Erbrechen im Bus und im Hotelfoyer) ist als Ausgangspunkt anzusehen. In den letzten Jahren haben sich Noroviren europaweit als die wichtigsten Erreger von Gastroenteritis-Ausbrüchen bei Touristen etabliert. Tourismus gilt in Österreich als eine Schlüsselindustrie. Ein zeitgerechtes Hinzuziehen der Gesundheitsbehörden sollte bei jedem Norovirus-Ausbruch erfolgen, unabhängig ob lebensmittelbedingt oder nicht.

Hung-Wei Kuo, Daniela Schmid, Karin Schwarz, Anna-Margaretha Pichler, Heidelinde Klein, Christoph König, Alfred de Martin, Franz Allerberger, Wiener klinische Wochenschrift

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