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Innere Medizin 1. Februar 2009

Methicillin resistenter Staphylococcus aureus: ein neuer Zoonoseerreger?

Staphylococcus aureus ist ein bedeutender Erreger von Infektionen, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erworben werden, und bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist mit Staphylococcus aureus kolonisiert, wobei das Risiko, an einer Infektion durch Staphylococcus aureus zu erkranken bei diesen kolonisierten Personen erhöht ist. Die weltweit zunehmende Antibiotikaresistenz von Staphylococcus aureus schränkt die Behandlungsmöglichkeiten von Infektionen ein und erschwert Kontrollmaßnahmen. Kurz nach Einführung des Methicillins wurde über die ersten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus Isolate (MRSA) berichtet. Während des letzten Jahrzehnts vollzog sich außerdem eine epidemiologische Verschiebung von den bisher dominierenden Krankenhaus assoziierten MRSA Stämmen hin zu in der Gemeinschaft erworbenen MRSA Stämmen (community acquired MRSA, CA-MRSA), welche Infektionen auch bei dem Teil der Bevölkerung hervorrufen, der keine Risikofaktoren durch Krankenhauskontakte hat. Basierend auf neueren Untersuchungen besteht für den Sequenztyp (ST) 398 eine kausale Verbindung zwischen einer MRSA Kolonisation im Viehbestand und der MRSA Besiedlung, sowie dem Auftreten von Infektionen, bei Tierzüchtern. In den Niederlanden wurde eine hohe Besiedlungsrate durch den MRSA ST398 bei Schweinen und Schweinehaltern festgestellt. Weltweite Berichte über den Nachweis von ST398 MRSA verdeutlichen, dass das Auftreten des neuen Subtyps kein spezifisch holländisches Problem darstellt. In Österreich konnte der MRSA Sequenztyp 398 in Staubproben von Schweinezuchtbetrieben und aus Lebensmitteln isoliert werden. Seit dem ersten Auftreten des Sequenztyps ST398 als Infektionserreger beim Menschen in Österreich im Jahre 2006 konnten 21 Humanisolate nachgewiesen werden, wovon allerdings nur ein geringer Teil mit Infektionen assoziiert war. MRSA müssen zukünftig auch als zoonotisches Agens betrachtet werden, wobei der Nutztierbestand ein bedeutendes Reservoir darstellt. Weitergehende Untersuchungen sind nötig, um Kontrollmaßnahmen erarbeiten und implementieren zu können.

Burkhard Springer, Ulrike Orendi, Peter Much, Gerda Höger, Werner Ruppitsch, Karina Krziwanek, Sigrid Metz-Gercek, Helmut Mittermayer, Wiener klinische Wochenschrift 3/4/2009

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