zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 11. März 2009

Von Spitalskeimen zu Zoonosenerregern

Tieren kommt eine immer wichtigere Bedeutung als Erregerreservoir zu.

Neben den bekannten Zoonosen wie Rindertuberkulose, Tollwut bei Rindern, Trichinenbefall, Salmonelleninfektionen sowie Magen-Darm-Infekten und Entzündungserkrankungen sind nun zwei weitere Erregergruppen, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können, definiert worden: MRSA und Clostridium difficile. Sie sind nun auch als zoonotische Agentien zu betrachten.

 

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) galt lange als ein Erreger von Infektionen, die fast ausschließlich in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erworben werden. Während des letzten Jahrzehnts wurden neben diesen Krankenhaus-assoziierten MRSA (HA-MRSA) auch in der Gemeinschaft erworbene MRSA (CA-MRSA) beobachtet. Überraschend war jedoch in den Niederlanden und in Dänemark das Aufkommen eines bislang nicht beobachteten Stammes, nämlich des MRSA-Sequenztyps (ST) 398. Eine kausale Verbindung zwischen einer MRSA-Kolonisation im Viehbestand (vor allem bei Schweinen) und der MRSA-Besiedlung sowie dem Auftreten von Infektionen bei Tierhal-tern ist nun belegt.

In Österreich konnte MRSA ST 398 in Staubproben von zehn Prozent der untersuchten Schweinemastbetriebe, von acht Prozent der Nasenabstriche getesteter Bauern und aus Lebensmitteln isoliert werden.

Auch das Stäbchenbakterium Clostridium difficile (C. difficile) wurde lange als rein nosokomialer Erreger angesehen. Alleine im Jahr 2007 wurden von österreichischen Spitälern 2.761 C.-difficile-Infektionen (davon 277 mit tödlichem Ausgang) gemeldet. C. difficile wird in Österreich aber auch im Stuhl von ambulanten Patienten mit infektiö-ser Gastroenteritis häufiger nachgewiesen als Salmonellen oder Campylobacter. Nun ist auch das Vorkommen von C. difficile bei Tieren und in Lebensmitteln belegt. Kotproben von Kälbern, Schweinen und Broilern wurden in österreichischen Schlachthöfen gesammelt, und in fünf von 187 Kotproben wurde toxinbilden-des C. difficile (positiv für Toxin A und Toxin B) nachgewiesen. In einem der zwei Toxin-positiven C. difficile Schweineproben war auch der Nachweis eines binären Toxin-Bildners des PCR-Ribotyps 078 möglich.

MRSA und Clostridium difficile müssen zukünftig auch als zoonotische Agentien betrachtet werden.

 

 

Die Originalarbeiten können nachgelesen werden in der Wiener klinischen Wochenschrift 2009; 121: 86–95; © Springer WienNewYork.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben