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Innere Medizin 17. Mai 2011

Störungen des Essverhaltens heilen

Wirksame Behandlung von Magersucht und Bulimie.

Essstörungen gehören bei Frauen zwischen 15 und 35 Jahren zu den fünf häufigsten schwerwiegenden Gesundheitsproblemen, aber auch Männer und andere Altersgruppen sind betroffen. Die Prävalenz von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa bei jungen Frauen stagniert auf hohem Niveau. Die Häufigkeit der Binge-Eating-Störung, die mit Übergewicht assoziiert ist, nimmt dagegen zu und betrifft häufig auch Männer. Bei Kindern ist eine Zunahme von gestörtem Essverhalten, problematischen Trinkgewohnheiten (Softdrinks) und Übergewicht zu verzeichnen.

Störungen im Essverhalten sind häufig mit weiteren psychischen Störungen assoziiert wie depressiven Störungen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen sowie Substanzmissbrauch. Manche Patienten sind nur leicht beeinträchtigt, andere sind langjährig schwer krank und benötigen stationäre Intensivtherapien. Die Bedrohung der körperlichen Gesundheit kann sich aus Untergewicht, aus Erbrechen und anderen gegensteuernden Maßnahmen wie Abführmittelmissbrauch oder selbstschädigender körperlicher Betätigung sowie aus Übergewicht ergeben.

Für Essstörungen liegen evidenzbasierte, manualisierte verhaltenstherapeutische Programme vor. Am besten untersucht ist das von Prof. Dr. Christopher Fairburn in Oxford entwickelte CBT-E-Programm (Cognitive Behavioral Therapy-Enhanced). Schwerpunkte dieser Therapiemethode sind der Wiederaufbau eines strukturierten Essverhaltens, Entautomatisierung des Essverhaltens durch Selbstbeobachtung, Wiederausrichtung des Verhaltens auf altersentsprechende Ziele und die Reduktion von Checking-Behavior. Auch Persönlichkeitseinflüsse wie Zwanghaftigkeit auf das Essverhalten werden berücksichtigt.

Das Verhalten beeinflussen

Für schwerkranke Patienten mit Essstörungen, die Probleme mit der Emotionsregulation haben, ist die dialektisch-behaviorale Therapie für Essstörungen (DBT-E) eine alternative Verhaltenstherapie. Grundlage ist der Aufbau eines gesunden Essverhaltens nach den Prinzipien der Achtsamkeit und das Erlernen einer angemessenen Emotionsregulation.

Eine verhaltenstherapeutische Behandlung führt bei etwa der Hälfte der Patienten zu einer Remission der Störung. Bei schwerkranken Patienten mit erheblicher psychischer und medizinischer Komorbidität sind langwierige und komplizierte Behandlungsverläufe zu erwarten. Nach etwa zehn Jahren ist bei etwa 80 Prozent der Patienten die Essstörung überwunden. Ein früher Beginn der Behandlung verbessert die Prognose erheblich.

Prof. Dr. Fritz Hohagen ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck.

Prof. Dr. Fritz Hohagen-DGIM/IS, Ärzte Woche 20 /2011

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