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Innere Medizin 1. März 2011

Renale Nebenwirkungen von Hydroxyäthylstärke – lediglich Folge des "unsachgemäßen" Gebrauchs?

HINTERGRUND: Klinische Studien wie die VISEP-Studie, die Nebenwirkungen von Hydroxyäthylstärke (HES) zeigten, werden häufig wegen "unsachgemäßer" Anwendung von HES kritisiert, z.B. wegen nicht ausreichender Berücksichtigung der klinischen Praxis, zu hoher Dosierungen, Missachtung von Kreatininobergrenzen und Hydratationsbedarf und Anwendung von "veralteten" HES-Produkten. Diese Kritiken implizieren, dass die in den Studien erfassten Nebenwirkungen lediglich Folge einer unkorrekten Anwendung sind. Deshalb untersuchten wir die publizierte Literatur nach klinischer Evidenz für die vorgeschlagenen Maßnahmen. METHODEN: Narrative Übersicht; post-hoc Auswertung epidemiologischer Daten einer repräsentativen nationalen Erhebung. ERGEBNISSE: Die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Vermeidung von HES-induziertem akuten Nierenversagen waren jedoch in publizierten klinischen Studien nicht effektiv. Das Risiko steigt mit zunehmender kumulativer Dosis und erhöhten Kreatininwerten, aber weder sind sichere Dosen oder Kreatininobergrenzen bekannt, noch gibt es ausreichende Belege für die Sicherheit neuerer HES-Lösungen. Publizierte klinische Studien, die zum Nachweis herangezogen werden, sind wegen geringer kumulativer Dosen, niedriger Fallzahlen, kurzer Beobachtungsdauer und ungeeigneter Vergleichslösungen wenig aufschlussreich. Die Verwendung von HES in einer Studie mit negativem Outcome entsprach der derzeitigen klinischen Praxis, was für die Allgemeingültigkeit der Studienergebnisse spricht. SCHLUSSFOLGERUNG: Für die Annahme, dass begleitende Maßnahmen bei der Anwendung von HES vor der Entwicklung von Nierenschäden schützen könnten, gibt es keine Evidenz. Da HES die Prognose nicht verbessert, stellt sich die Frage, ob seine Verwendung bei gefährdeten Patienten derzeit überhaupt vertretbar ist.

Christiane S. Hartog, Frank M. Brunkhorst, Christoph Engel, Andreas Meier-Hellmann, Maximilian Ragaller, Tobias Welte, Evelyn Kuhnt, Konrad Reinhart, Wiener klinische Wochenschrift 5/6/2011

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