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Innere Medizin 4. März 2009

Angeboren oder erworben?

Ursachen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie neue Therapieansätze.

Die Auslöser und die genaue Entstehung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind trotz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht ausreichend geklärt. Neuere Therapieansätze zielen auf das fehlregulierte Immunsystem ab.

Vereinfacht geht man davon aus, dass bei einem großen Teil der Patienten mit CED eine ererbte Veranlagung die Entwicklung dieser Krankheiten begünstigt und dass noch nicht ausreichend charakterisierte Umweltfaktoren zur endgültigen Auslösung und Entwicklung der CED beitragen. Dies führt dann zu einer Fehlsteuerung des darmeigenen Immunsystems und einer überschießenden Immunantwort, die dann letztendlich eine Zerstörung der Darmschleimhaut mit Ausbildung von Geschwüren, Entzündungs- und Eiterherden, Fistelbildung, Darmblutungen und starken Durchfällen führt.

In den letzten Jahrzehnten ist eine Vielzahl von Umweltfaktoren als Auslöser einer CED angeschuldigt worden. Bis auf den Faktor Rauchen fällt auf, dass diese Umweltfaktoren nicht immer von anderen Untersuchern reproduziert werden können und dass die biologische Bedeutung dieser Umweltfaktoren gelegentlich unklar ist. Wichtige Umweltfaktoren, die in den letzten Jahrzehnten neben dem Rauchen als Auslöser von CED genannt wurden, sind verschiedene Nahrungsmittel (Zucker, Margarine, Cornflakes etc.), die Antibabypille, eine Blinddarmoperation in der Krankheitsvorgeschichte, Mikroorganismen, der sozioökonomische Status sowie hygienische Bedingungen.

Pro und contra Rauchen

Interessanterweise beeinflusst das Rauchen einen Morbus Crohn und eine Colitis ulcerosa völlig unterschiedlich. Bei einem Morbus Crohn zählt Rauchen zu den Einzelfaktoren, die den ungünstigen Effekt auf den Krankheitsverlauf besitzen. Raucher mit Morbus Crohn erleiden deutlich häufiger Schübe, werden häufiger operiert und haben größere Fehlzeiten am Arbeitsplatz als Crohn-Patienten, die nicht rauchen. Im Gegensatz dazu scheint Rauchen bei Colitis-ulcerosa-Patienten einen günstigen Einfluss zu haben, der sich in einer leichten Zunahme der Schubhäufigkeit bei Beendigung des Rauchens oder geringeren Verbesserung nach Wiederbeginn des Rauchens niederschlägt.

Mehr Hygiene – mehr CED?

Die Relevanz anderer Umweltfaktoren wie Ernährungsgewohnheiten oder hygienische Bedingungen ist weniger eindeutig geklärt, so dass allgemeine Empfehlungen schwierig sind. Interessanterweise scheint ein hoher hygienischer Standard mit einem gehäuften Auftreten von CED vergesellschaftet zu sein. Eine aus dieser Beobachtung resultierende allgemeingültige Empfehlung kann jedoch bisher noch nicht abgeleitet werden.

Neuere Therapieideen wie die Einnahme von Wurmeiern oder von unschädlichen Bakterien versuchen auf künstlichem Wege die Darmflora zu modifizieren und dadurch das Immunsystem zu verändern. Generell hat das deutlich verbesserte Verständnis der Krankheitsentstehung der CED zu einer Vielzahl neuer zielgerichteter Therapieansätze geführt. Die meisten dieser Therapieansätze versuchen, das fehlregulierte Immun-system zu korrigieren und dadurch die Entzündung im Körper einzudämmen. Durch den Wissenszuwachs sind eine Reihe von weiteren neuen Therapieansätzen zu erwarten, die sowohl eine Korrektur der fehlgesteuerten Immunreaktion als auch eine Wiederherstellung der Schleimhautbarriere und Begünstigung der Schleimhautheilung ermöglichen werden.

 

Der Autor ist Facharzt für Gastroenterologie an der Medizinischen Klinik I, Markus-Krankenhaus, Goethe-Universität Frankfurt.

Von Prof. Dr. Axel Dignaß, Ärzte Woche

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