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Innere Medizin 4. März 2009

Pollentagebuch jetzt online

Multinationales Projekt soll unter anderem präzisere Voraussage der individuellen Allergiebelastung ermöglichen.

Pollenallergiker, Ärzte und auch der Pollenwarndienst können gleichermaßen von einem kostenlosen Online-Programm profitieren, das kürzlich in Wien präsentiert wurde. Das Pollentagebuch http://phd.polleninfo.org sammelt Angaben über den Gesundheitsverlauf einer Person und vergleicht diese mit tagesaktuellen Pollenwerten.

Mit dem innovativen Tool des Pollenwarndienstes kann der Patient nun selbst überprüfen, ob seine Beschwerden auf Pollenflug zurückzuführen sind, und wie eingenommene Medikamente Wirkung zeigen. Aus den anonymisierten Angaben verspricht sich der Pollenwarndienst, in Zukunft Allergiker klassifizieren zu können und Pollenwarnungen für die jeweilige Person zu erstellen.

Nach Ausflug oder Urlaub

Der Benutzer gibt dazu in eine Datenmaske ein, ob er am jeweiligen Tag Allergiesymptome bei Auge, Nase oder Lunge festgestellt hat, welche dies sind und welche Medikamente er eingenommen hat. Gleichzeitig wird die Datenbank mit Pollenwerten aus mehreren Ländern Europas gefüttert. Das mündet in eine grafische Darstellung, die anzeigt, wie die jeweiligen körperlichen Symptome mit der Pollenkonzentration der Atemluft übereinstimmen. Weitere Angaben im System wie der tägliche Aufenthaltsort bei Reisen verfeinern die Angaben und erlauben ganz neuartige Rückschlüsse. „Dadurch können erstmals auch Allergiereaktionen, die nach einem Ausflug oder nach dem Urlaub aufgetreten sind, korrekt zugeordnet werden“, erklärt Prof. Dr. Siegfried Jäger, Leiter des österreichischen Pollenwarndienstes http://www.pollenwarndienst.at. Eine ausdruckfähige Version des Tagebuchs soll die Nutzung auch ohne Internetverbindung etwa bei Urlaubsreisen ermöglichen.

Vorteile für Ärzte

„Das Pollentagebuch bringt auch den Ärzten, die Allergiker behandeln, einen Vorteil“, betont Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der Univ.-Klinik für HNO-Krankheiten an der Wiener Universitätsklinik . Die kontinuierliche Aufzeichnung unterstützt die Diagnose, fördert die Mitarbeit des Patienten und ermöglicht zudem eine Verlaufskontrolle mit Auskunft über Auswirkungen der Therapie. Das sei ein wichtiger Beitrag zur Reduktion auch des finanziellen Aufwands, gibt Gstöttner zu bedenken. „Ein Allergiker kostet pro Jahr 630 Euro. Da das Tagebuch Therapieerfolge präzise darstellt, hilft es dabei, Medikamente einzusparen.“

Langfristiges Ziel der Pollenexperten ist es, die anonymisierten Daten der Patienten wissenschaftlich zu verarbeiten und daraus eine Klassifizierung der Allergiker zu erstellen. „Nicht jeder Allergiker reagiert gleich, denn während manche hohe Pollenkonzentrationen vertragen, treten bei anderen schon bei wenigen Pollenkörnern Symptome in Erscheinung“, erklärt Jäger. Durch die Datenanalyse erarbeitete Schwellenwerte könnten in Zukunft Allergiker nach dem Vorbild der UV-Typen unterscheiden. „Der Pollenwarndienst wird dann etwa verkünden, dass heute Birkenpollen-Belastung für die Typen 1-3 zu erwarten ist, während die Typen 4 und 5 verschont bleiben“, so Jäger. Wirklichkeit könnte das bis 2011 werden, vorausgesetzt, das Pollentagebuch finde genügend Teilnahme durch Allergie-Patienten. Am Projekt beteiligen sich die Pollenwarndienste Österreichs, Deutschlands und der Schweiz sowie weiterer mittel- und osteuropäischer Länder, für die noch eigene Sprachausgaben erstellt werden. „Durch die Integration der Daten des europäischen Netzwerkes SILAM http://silam.fmi.fi ist das Tagebuch auch für Bewohner anderer Länder benutzbar. Die Genauigkeit der Vorhersage orientiert sich dabei an der Qualität ihrer Pollenwarnung“, so Jäger.

PTE/MSW , Ärzte Woche

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