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Innere Medizin 3. März 2009

Sind Ärztinnen die besseren Ärzte?

Die Qualität der Behandlung bei Herzinsuffizienz hängt vom Geschlecht der Mediziner und Patienten ab.

Die Studie „Einfluss des Geschlechts des Patienten sowie des behandelnden Arztes auf die leitliniengetreue Therapie der chronischen Herzinsuffizienz“ von Dr. Magnus Baumhäkel, Dr. Ulrike Müller und Prof. Dr. Michael Böhm von der Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, Deutschland, ergab signifikante Unterschiede.

Die Untersuchung der Universität in Saarbrücken umfasste 1.857 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und 829 behandelnde Ärzte. Erfasst wurden die Begleiterkrankungen, die Symptomatik der Herzinsuffizienz und die Therapieentscheidungen der Ärzte. Die überraschenden Ergebnisse: Patientinnen wurden im Vergleich zu Patienten seltener mit Medikamenten therapiert, die bei einer chronischen Herzinsuffizienz unabdingbar sind (ACE-Hemmer bzw. AT1-Antagonisten und Beta-Blocker). Die Dosierungen der Medikamente waren zudem bei weiblichen Patienten insgesamt niedriger. Dabei bieten erst die leitliniengerechten hohen Dosierungen dem Patienten den besten Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen.

Ärztinnen voran

Bezüglich des Geschlechts der behandelnden Ärzte konnte gezeigt werden, dass weibliche Ärzte mehr Patienten mit den erforderlichen Medikamenten behandeln und diese auch höher dosieren. Zudem machten Ärztinnen keinen Unterschied bezüglich des Geschlechts ihrer Patienten. Ärzte behandelten weibliche Patienten signifikant seltener und mit niedrigeren Dosierungen der erforderlichen Medikamente.

Um mögliche beeinflussende Faktoren ausschließen zu können, wurde eine multivariante Analyse der Ergebnisse durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass unabhängig von beeinflussenden Faktoren Beta-Blocker von weiblichen Ärzten signifikant häufiger eingesetzt werden.

Geschlechtsabhängigkeit

Insgesamt ergab sich in dieser Untersuchung, dass die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz sowohl vom Geschlecht der Patienten als auch vom Geschlecht des behandelnden Arztes abhängig ist. Die Unterversorgung weiblicher Patienten spiegelt die Ergebnisse vorheriger Untersuchungen bei anderen Erkrankungen wieder. Eine Ursache dafür könnte die Missinterpretation bzw. das Unterschätzen der Symptome weiblicher Patienten sein.

Die Untersuchung zeigte erstmals einen Unterschied der medikamentösen Therapie in Abhängigkeit vom Geschlecht des behandelnden Arztes. Ärztinnen dürften ihre Patienten besser therapieren. Die Gründe könnten darin liegen, dass Ärztinnen mehr Zeit pro Patienten-Arztkontakt aufwenden. Darüber hinaus beziehen Ärztinnen ihre Patienten und Patientinnen eher in die Therapieentscheidungen mit ein, wodurch die Einnahmetreue der Medikamente erhöht werden könnte. Zudem könnte die Analyse der Symptome bei weiblichen Ärzten detaillierter sein. Entsprechend der genaueren Evaluation der Symptomatik des einzelnen Patienten könnte die medikamentöse Therapie dadurch den individuellen Erfordernissen exakter angepasst werden.

Ein weiteres Plus scheint die höhere Zufriedenheit weiblicher Ärzte bezüglich des Arzt-Patienten-Verhältnisses zu sein, wodurch ebenfalls eine bessere Therapie wahrscheinlich wird.

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der medikamentösen Therapie der chronischen Herzinsuffizienz sind wahrscheinlich auch in anderen Bereichen der Medizin vorhanden. Ärzte sollten sich dieses Problems bewusst sein, um ihren Patienten eine vergleichbar gute medikamentöse Therapie zu ermöglichen.

 

idw / IS, Ärzte Woche

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