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Die Ergebnisse einer aktuellen Studie lassen das Pendel noch stärker in Richtung eines kardiovaskulären Nutzens der Influenzaimpfung ausschlagen.
 
Innere Medizin 2. März 2011

Schutzwirkung gegen Herzprobleme

Die Influenzaimpfung schützt nicht nur vor Influenza: Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom senkt sie anscheinend auch das Risiko für ein weiteres kardiovaskuläres Ereignis.

Nicht nur älteren Personen wird empfohlen, sich durch eine Influenzaimpfung zu schützen, sondern auch Personen mit Grunderkrankungen, insbesondere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch der Leber, der Nieren und der Lungen. Die präventive Wirkung dieser Impfung auf kardiovaskuläre Ereignisse ist jetzt in einer Studie thailändischer Mediziner erneut bestätigt worden.

 

Die Gruppe um Dr. Arintaya Phrommintikul aus Chiang Mai hat für diese Studie (Eur Heart J 2011, online) 439 Patienten mit koronarer Herzerkrankung ausgewählt, die innerhalb der vorangegangenen acht Wochen wegen akutem Koronarsyndrom in einer Klinik behandelt worden waren. Davon sind 221 Patienten der Gruppe, die eine Influenzaimpfung erhielt, und 218 Patienten der Kontrollgruppe ohne entsprechende Influenzaimpfung zugeteilt worden. Alle Studienteilnehmer erhielten die übliche medikamentöse Standardtherapie.

Von den Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt waren zudem 75 Prozent und von den Patienten mit Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt rund ein Drittel einer Revaskularisation unterzogen worden.

Zwölf Monate lang wurden die in beiden Gruppen aufgetretenen schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse (Tod, erneute Klinikeinweisung wegen akutem Koronarsyndrom, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall) erfasst und deren Inzidenz am Ende verglichen.

Die Bilanz nach einem Jahr

In der Gruppe der gegen Grippe geimpften Patienten war die Rate aller kardiovaskulären Ereignisse signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (9,5 versus 19,3 Prozent).

Entscheidend dafür war der bei den Klinikeinweisungen wegen akuten Koronarsyndroms zu beobachtende signifikante Unterschied: Während in der Vakzine-Gruppe 10 Patienten (4,5 Prozent) wegen eines erneuten Myokardinfarkts oder instabiler Angina pectoris hospitalisiert werden mussten, waren es in der Kontrollgruppe 23 Patienten (10,6 Prozent).

Die Unterschiede bei den Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz (1,8 versus 4,6 Prozent) und bei der Mortalität (2,7 versus 3,7 Prozent) waren jeweils nicht signifikant.

FLUVACS-Studie

Bisher lagen zwei prospektive Studien zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch Influenzaimpfung vor. Für die 2002 veröffentlichte FLUVACS-Studie wurden 200 Patienten mit akutem Myokardinfarkt sowie 101 Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung ausgewählt. Auf Basis einer medikamentösen und interventionellen Standardbehandlung erhielten 151 Patienten eine Influenzaimpfung, 150 blieben ungeimpft. Nach zwölf Monaten war die Rate kardiovaskulärer Todesfälle in der Gruppe der Geimpften signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (6 versus 17 Prozent). Vom präventiven Effekt der Influenzaimpfung profitierten primär Patienten mit Myokardinfarkt und Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Auch die Rate für den sekundären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und Rehospitalisation) war in der geimpften Gruppe signifikant niedriger (22 versus 37 Prozent).

FLUCAD-Studie

In der 2008 veröffentlichten FLUCAD-Studie sind 658 Patienten mit dokumentierter koronarer Herzerkrankung einer Gruppe mit und einer Gruppe ohne Influenzaimpfung zugeteilt worden.

Nach zehn Monaten war in dieser Studie keine signifikante Reduktion der kardiovaskulären Sterberate (primärer Endpunkt) festzustellen. Dagegen ergab eine auf ischämische Koronarereignisse fokussierte Analyse eine signifikante Reduktion durch die Impfung (6 versus 10 Prozent).

Die Fallzahlen in beiden Studien waren allerdings relativ klein. Eine systematische Studienübersicht der Cochrane-Gruppe kam zu dem Schluss, dass die Daten dieser beiden randomisierten Studien trotz des dokumentierten präventiven Effekts auf kardiovaskuläre Ereignisse und kombinierter Endpunkte noch nicht ausreichen, um die Effektivität einer Impfung zum Schutz von kardiovaskulären Ereignissen zuverlässig beurteilen zu können.

Die aktuell publizierte Studie im European Heart Journal schafft nun eine etwas bessere Datenbasis. Ihre Ergebnisse lassen das Pendel noch stärker in Richtung eines wirklichen kardiovaskulären Nutzens der Influenzaimpfung ausschlagen.

Im Übrigen war die Influenzaschutzimpfung auch in epidemiologischen Beobachtungsstudien mit einem reduzierten Risiko für Myokardinfarkte, Schlaganfälle sowie für kardio- oder zerebrovaskulär bedingte Todesfälle assoziiert.

Ungeachtet der noch optimierbaren Datenlage empfehlen die Leitlinien kardiologischer Fachgesellschaften wie der American Heart Association (AHA) schon seit längerem die Influenzaimpfung als Bestandteil der Sekundärprävention bei Koronarpatienten neben der medikamentösen Therapie.

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