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Bei Früherkennung und optimaler Therapie können bis zu 90 Prozent der Brustkrebspatientinnen geheilt werden.
 
Innere Medizin 12. Februar 2009

Höhere Qualität in der Brustkrebsbehandlung

OEGGG, ÖGRO, OERG und OGN trieben erste Zertifizierungen in Österreich voran.

Die EU schreibt die Implementierung flächendeckender Brustkrebs-Früherkennungsprogramme und zertifizierter Brustzentren mit klar definierten Qualitätskriterien vor. In Österreich wurde der erste Schritt der Zertifizierung von Brustgesundheitszentren erfolgreich abgeschlossen.

 

Das Mammakarzinom ist die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen – jede achte Frau in Österreich ist betroffen. Bei Früherkennung und kompetenter Behandlung liegt die Überlebensrate heute bereits bei 90 Prozent.

Österreichische Zertifizierungsgesellschaften gegründet

Seit Jänner 2009 gibt es fünf zertifizierte Brustgesundheitszentren (BRZ) in Österreich (siehe Kasten). Alleine durch diese ersten Zertifizierungen in der Pilotphase kann künftig bereits jede fünfte an Brustkrebs neuerkrankte Patientin in einem zertifizierten Brustzentrum behandelt werden – das entspricht jährlich rund 1.000 Frauen in Österreich. Ziel der Zertifizierung ist es, für die gesamte Kette von Früherkennung über Diagnostik und Behandlung bis zur Nachsorge einheitliche Qualitätsstandards einzuführen.

Interdisziplinäre Kooperation

Im März 2007 wurde im ÖBIG (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) von allen beteiligten Fachgesellschaften (Chirurgie, Hämato-Onkologie, Strahlentherapie, Gynäkologie, Röntgenologie und Pathologie) einstimmig die Errichtung von Brustgesundheitszentren beschlossen. Daraufhin gründete die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) die „Task Force Mammakarzinom“, um ein Konzept zur Umsetzung der europäischen Richtlinien und die Schaffung von Brustzentren zu erarbeiten. Mit einem unabhängigen und erfahrenen Zertifizierungsunternehmen, der Doc-Cert AG mit Sitz in St. Gallen, wurde 2008 ein österreichisches Zertifizierungsverfahren entwickelt. Unter Mithilfe der Radiologen, Strahlentherapeuten (Radioonkologen) und Nuklearmediziner wurden einheitliche Qualitätskriterien bezüglich Organisation, Anforderungen an das Team, Kernleistungen und Leistungsverfügbarkeit, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Qualitätsmanagement und Patientinnenbetreuung sowie Infrastruktur definiert und in Österreich umgesetzt.

Zertifizierungskriterien für Brustgesundheitszentren

Die Österreichische Zertifizierungskommission umfasst derzeit sieben Mitglieder, die vier Fachgesellschaften vertreten:

  • OEGGG (Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • ÖGRO (Österreichische Gesellschaft für Radioonkologie, Radiobiologie und medizinische Radiophysik)
  • OERG (Österreichische Röntgengesellschaft)
  • OGN (Österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin).

Sprecher der Kommission ist Doz. Dr. Walter Neunteufel.

Das österreichische Konzept besteht aus zertifizierten Brustzentren (BRZ) und affilierten Partnerzentren (AP). Ein sich für ein Brustzentrum bewerbendes Klinikum muss den Nachweis erbringen, mindestens 150 bösartige Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert und behandelt zu haben. Affilierte Partnerkliniken müssen pro Jahr mindestens 50 Mammakarzinom-Primärfälle behandeln. Die Kernleistungen eines zertifizierten BRZ sind Diagnostik, Operation, Strahlentherapie, Pathologie und internistische Onkologie und weiters die Verfügbarkeit unterschiedlicher Leistungen wie Physiotherapie, Psychoonkologie, plastisch-rekonstruktive Chirurgie und genetische Beratung. Die Partnerzentren stehen in enger Kooperation mit dem jeweiligen Hauptzentrum. An jedes BRZ dürfen zwei affilierte Partner gebunden sein. Zwischen Brustzentrum und affilierter Partnerklinik wird ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der jährlich überprüft werden muss.

Weitere Zertifizierungen geplant

Die nächsten Zertifizierungen stehen bereits an und sollen noch bis Ende 2009 vollzogen werden. An einer Zertifizierung sind derzeit unter anderem interessiert: BRZ Salzburg (Universitätsklinik Salzburg), BRZ der Barmherzigen Schwestern in Linz, BRZ der Universitätsklinik Graz, BRZ LKH Wiener Neustadt, BRZ Krankenhaus Neunkirchen, BRZ Krankenhaus Hietzing, KH Schwarzach, LKH Leoben, Gynäkologie am Wilhelminenspital Wien.

Ziel: Flächendeckende Versorgung in zertifizierten BRZ

Das erklärte Ziel der österreichischen Zertifizierungskommission für Brustgesundheitszentren ist, in Österreich bis 2010 die Versorgung von 50 Prozent, bis 2013 die Versorgung von 70 Prozent und bis 2016 eine flächendeckende Versorgung aller Brustkrebspatientinnen in zertifizierten BRZ zu gewährleisten. Bei 4.700 Brustkrebsneuerkrankungen pro Jahr in Österreich wäre schon in naher Zukunft eine Behandlungsquote von 80 Prozent der Patientinnen in zertifizierten Brustzentren möglich.

Kasten:
Die ersten fünf zertifizierten BRZ
• Brustgesundheitszentrum Tirol, Prof. Dr. Christian Marth und Prof. Dr. Werner Jaschke,
• Brustgesundheitszentrum Wien, AK/MUW-Wien, Prof. Dr. Ernst Kubista,
• Brustgesundheitszentrum Dornbirn, mit BRZ Tirol affiliert, Univ. Doz. Dr. Walter Neunteufel,
• Interdisziplinäres MAMMA-Karzinom Kompetenzzentrum, LKH Klagenfurt, Dr. Ernst P. Forsthuber,
• Brustgesundheitszentrum Villach, Prof. Dr. Jörg Keckstein.
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Bei Früherkennung und optimaler Therapie können bis zu 90 Prozent der Brustkrebspatientinnen geheilt werden.

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche

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