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Dr. Sabine Hofer Leiterin der Diabetesambulanz, Universitätsklinik für Pädiatrie I, Department für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Innsbruck
 
Innere Medizin 5. Februar 2009

Junge Pumpenträger sind zufriedener

Die Pädiatrie hat bei der Insulinpumpentherapie eine Vorreiterrolle inne.

Obwohl die Insulinpumpentherapie in der Pädiatrie nicht neu ist, zeigt sich erst in den letzten zehn Jahren ein steigendes Interesse an der Anwendung dieser Therapie bei Kindern und Jugendlichen.

 

Der Aufwärtstrend in der Insulinpumpentherapie dürfte zum Einen mit den Ergebnissen der DCCT (Diabetes Control and Complication Trial)-Studie erklärt werden, wo klar demonstriert wurde, dass eine möglichst normnahe Glukosekontrolle notwendig ist, um mikro- und makrovaskuläre Folgeschäden zu vermeiden, zum Anderen aber auch mit der technischen Weiterentwicklung der Pumpen und der Einführung von schnellwirksamen Insulinanaloga zusammenhängen.

Die häufigste Indikation zur Insulinpumpentherapie bei Jugendlichen ist das Dawn-Phänomen. Der hormonell bedingte Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden ist aufgrund der Pharmakodynamik der Verzögerungsinsuline, sowohl der NPH (Neutral Protamin Hagedorn) als auch der langwirksamen Insulinanaloga, schlecht beherrschbar. Die Möglichkeit, die Basalrate dem zirkadianen Insulinbedarf anzupassen, begünstigt die Behandlung des jugendlichen Dawn-Phänomens. Umgekehrt ist bei Klein- und Schulkindern eine Reduktion der Basalrate nachts erwünscht. Altersspezifische Fragestellungen und Therapieanforderungen können mit individueller Basalratenanpassung gelöst werden. Während Dawn-Phänomen, Flexibilität und die gewünschte Verbesserung von Hyperglykämien bei Jugendlichen als Indikation zur Pumpentherapie an erster Stelle stehen, ist die Reduktion von Hypoglykämien der häufigste Grund bei Kleinkindern.

Bei Säuglingen und Kleinkindern Hypoglykämien verringert

Dass die Anwendung der Insulinpumpe bei Säuglingen und Kleinkindern sicher und effektiv ist, belegen mehrere Studien. Sowohl die HbA1c-Werte als Maß für die Stoffwechselkontrolle als auch die Häufigkeit von schweren Hypoglykämien reduzierte sich mit der Insulinpumpentherapie bei Kindern unter sieben Jahren signifikant. Diese Ergebnisse betrafen Kinder, die in häuslichem Setting von der Mutter betreut waren, noch ausgeprägter war die Verbesserung bei Kindern in Fremdbetreuung.

Schwere Hypoglykämien insgesamt seltener

Gefürchtete Komplikationen der Insulintherapie sind schwere Hypoglykämien und die ketoazidotische Entgleisung (DKA). In multizentrischen Studien konnte sowohl bei Kleinkindern als auch bei Jugendlichen gezeigt werden, dass schwere Hypoglykämien signifikant seltener unter Insulinpumpentherapie im Vergleich zur Basis-Bolus-Therapie auftraten. Ähnliche Ergebnisse finden sich zur DKA-Häufigkeit. Lokale Hautveränderungen, kutane Abszesse, Ekzeme und Narbenbildung an der Einstichstelle sind weniger bedeutende Komplikationen der Insulinpumpentherapie.

Der Einfluss der Insulinpumpentherapie auf die Stoffwechselkontrolle (HbA1c) ist differenziert zu betrachten. In Kurzzeitbeobachtungen wird die signifikant bessere Stoffwechselkontrolle mit deutlich reduzierten HbA1c-Werten hervorgehoben. Die zur Verfügung stehenden Langzeitbeobachtungen über mehrere Jahre Pumpentherapie relativieren diesen Optimismus. Im direkten Vergleich zur Basis-Bolus-Therapie zeigt sich keine signifikante Überlegenheit der Insulinpumpe im Sinne einer Reduktion von HbA1c. Es liegen jedoch keine Studien vor, die eine Verschlechterung der Stoffwechselkontrolle beobachtet hätten. Die Kombination der Insulinpumpentherapie mit dem kontinuierlichen subkutanen Glukosemonitoring zeigt in ersten Kurzzeitstudien bereits eine deutliche Besserung der Glukosekontrolle. Bleibt abzuwarten, wie dieses System über einen längeren Beobachtungszeitraum die Stoffwechselkontrolle beeinflusst.

Positiv sind die Berichte über die Therapiezufriedenheit junger Patienten mit Typ-1-Diabetes und Pumpentherapie. Diabetes ist per se mit einem negativen Impact bezüglich Lebensqualität belegt, die Zufriedenheit der Patienten mit Insulinpumpe ist jedoch im direkten Vergleich zu jenen Patienten, die mit Basis-Bolus-Regime therapiert werden, signifikant besser.

 

Der Originalartikel ist nachzulesen im skriptum, Kongressjournal 13/08

© SpringerWienNewYork

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Dr. Sabine Hofer Leiterin der Diabetesambulanz, Universitätsklinik für Pädiatrie I, Department für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Innsbruck

Von Dr. Sabine Hofer, Ärzte Woche

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