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Foto: Privat
Prim. Prof. Dr. Kurt Lenz Tagungspräsident der 41. Jahrestagung der ÖGIM
 
Innere Medizin 29. September 2010

ÖGIM 2010: Den Blick über den Tellerrand ermöglichen

Zur Zeit findet die 41. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin in Salzburg statt. Im Interview spricht Tagungspräsident Prof.Dr. Kurt Lenz über die diesjährigen Highlights und erklärt, warum sowohl die Generalisten als auch die Spezialisten auf ihre Rechnung kommen. Auch kontroverse Themen kommen nicht zu kurz.

 

 

Welches sind die Highlights der aktuellen Jahrestagung?

Lenz: Am Samstag stehen ab 11.00 Uhr „Hot Topics – kontroverse Themen in der inneren Medizin“ auf dem Programm. Da geht es um ganz neue Errungenschaften. Das ist zum einem das endoskopische Operieren über natürliche Körperöffnungen. Zum anderen geht es um das Vitamin D: In den letzten Jahre zeigten große Untersuchungen, dass Vitamin-D-Mangel mit sehr vielen Erkrankungen vergesellschaftet ist. Professor Dobner aus Graz hat hier bahnbrechende Arbeiten geleistet, über die er sprechen wird.

Ein kontroverses Thema ist das Karzinomrisiko bei Diabetikern. Inwiefern die Therapie oder die Hyperinsulinämie das Karzinomrisiko erhöht, wird noch immer kontrovers behandelt. Kontroverse Ansichten gibt es auch in der Frage, wie sich bei der koronaren Revaskularisation Kosten reduzieren lassen und wie die Qualität verbessert werden kann.

Sehr Praxisrelevantes steht auch auf dem Programm.

Lenz: Vor allem in den „How to do“-Sitzungen. Neu und sicher sehr interessant ist auch das Gutachter-Seminar. Speziell für die Jungärzte gibt es am Mittwoch und Donnerstag die Rookie-Seminare. Für niedergelassene Internisten ist sicher auch der Antibiotika-Crashkurs am Samstag um 11.00 Uhr wichtig: Wenn jemand es braucht, muss das richtige Antibiotikum frühzeitig in ausreichender Dosierung und lange genug gegeben werden, damit keine Resistenzen entstehen.

Viele Krebspatienten werden vom Internisten extramural weiterbetreut. Am Donnerstag um 15.45 Uhr werden neue Krebsmedikamente vorgestellt und man erfährt, welche Nebenwirkungen auftreten können und was man dagegen tun kann.

Sie halten am Donnerstag um 15.15 Uhr einen Vortrag über die Therapiebegrenzung – ein schwieriges Thema.

Lenz: Die Therapiebegrenzung im Bereich der Intensivmedizin ist ein sehr wichtiges Thema, weil man bei etwa 50 Prozent der Patienten, die auf einer Intensivstation versterben, das schon voraussieht und deswegen einen Therapievorenthalt, eine Begrenzung kurativer Therapien, durchführt und auf eine palliative Therapie umsteigt. Auch in der Intensivmedizin ist die palliative Therapie ein ganz wichtiges Gebiet geworden.

Damit verbunden ist das Überbringen schlechter Nachrichten.

Lenz: Worauf man in so einem Fall achten soll, dafür gibt es heuer ein eigenes Seminar, „Übermittlung schwieriger Wahrheiten“. Es sind ja Nachrichten in Ausnahmesituationen, nicht nur für die akut Schwerstkranken, sondern auch für die Angehörigen natürlich.

Sind Internisten durch den Blick ins Innere besonders anfällig dafür, den Patienten als „Fall“ zu sehen?

Lenz: Es gibt den sehr breit ausgerichteten Internisten und den hochspezialisierten Internisten. Beide sind wichtig. Der Internist mit dem breiten Wissen muss alle Zusammenhänge erkennen, und wenn ein sehr spezielles Problem auftritt, den Patienten zum Spezialisten bringen. Andererseits hat der Internist dahinter sozusagen ein schmaleres, aber spezialisiertes Wissen. Wir versuchen mit dieser Tagung sowohl die Spezialisten als auch die Generalisten anzusprechen.

Ein Schwerpunkt ist „Der Akutpatient an der Schnittstelle zwischen Praxis und Klinik“. Ist das nur ein Problem der Notaufnahme oder werden auch niedergelassene Ärzte angesprochen?

Lenz: Die Kooperation mit den Niedergelassenen ist sehr wichtig. Organisatorisch in der Akutaufnahme wird der niedergelassene Arzt zwar nicht direkt angesprochen, aber der Akutpatient kann natürlich auch beim Niedergelassenen sein, und dann muss entschieden werden, ob der Patient ins Spital geschickt werden muss oder nicht.

Die Innere Medizin ist ja ein großes Fachgebiet und vier Tage reichen wohl nicht aus, um alle aktuellen Themen abzuhandeln.

Lenz: Dafür gibt es ja noch die Spezialkongresse für Kardiologie, Onkologie und so weiter. Bei der ÖGIM-Tagung werden eher Themen dargestellt, die für den Internisten ganz allgemein interessant sind. Als Onkologe zum Beispiel soll man auch von der Kardiologie etwas verstehen und vice versa.

Es wird also der Blick über den Tellerrand ermöglicht?

Lenz: Genau. Diese Tagung ist auch ein gesellschaftliches Treffen von Internisten, die gemeinsam in der allgemeinen Ausbildung waren und dann in unterschiedliche Fachrichtungen gegangen sind. Es erfolgt ein reger Austausch. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, dass Vertreter verschiedener Fachgebiete zusammenkommen und miteinander sprechen. Diese informellen Gespräche sind sehr wichtig, weil Probleme diskutiert werden, die unter Umständen sehr viele Fachgebiete betreffen und in den einzelnen Sitzungen gar nicht behandelt werden können. Durch das persönliche Gespräch können diese dann näher erörtert werden.

 

Das Gespräch führte Mag. Patricia Herzberger

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