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Foto: www.pollenwarndienst at
Ragweed kommt bereits in weiten Teilen Europas vor. Besonders rasch ist der Bestand im Osten angestiegen.
 
Innere Medizin 22. Jänner 2009

Ragweedpollen- Alarm für 2009

Rasante Ausdehnung der allergenen Unkrautpflanze bringt Experten europaweit in Einsatzbereitschaft.

Die Auswertung des Pollenwarndienstes (AKH Wien) zeigt, dass sich Ragweed (Traubenkraut, Ambrosia) in Österreich weiter in Richtung Westen ausbreitet. Die aggressiven Pollenallergene der aus Nordamerika eingeschleppten widerstandsfähigen Pflanze machen auch Österreichern zunehmend das Leben schwer. Für das heurige Jahr prognostizieren Experten aufgrund des milden Herbstes 2008 eine massive und lang andauernde Ragweedsaison.

 

Immer mehr europäische Länder, darunter auch Österreich, schlagen Alarm und reagieren nun koordiniert auf das wachsende Gesundheitsproblem. „Noch vor ein paar Jahren war die Pflanze fast ausschließlich im Osten Österreichs zu finden. Mittlerweile hält Ragweed aber nicht nur von Süd-Osten her – über Slowenien, Kroatien und Ungarn – Einzug in unser Land, sondern kommt zusätzlich auch von Südfrankreich über die Schweiz und Oberitalien nach Österreich“, erklärt Prof. Dr. Siegfried Jäger, Leiter des Pollenwarndienstes an der Wiener Univ.-Klinik für HNO-Krankheiten. Nach wie vor verzeichnen Wien, Burgenland und Niederösterreich das höchste Ragweed-Vorkommen. Mittlerweile macht die Pflanze aber vor keinem Bundesland halt. Vor allem von den Hauptverkehrsrouten ausgehend ist eine rasante Ausdehnung zu beobachten. Aber auch in Gebieten mit Feldwirtschaft und bei Großbaustellen sowie sporadisch an Plätzen, wo Vögel im Winter gefüttert werden, tauchen die Pflanzen auf und verstärken den Pollenflug.

„Obwohl das Traubenkraut als einjährige Pflanze nicht überwintern kann, sichert es seinen Fortbestand durch eine immense Samenproduktion von bis zu 60.000 Samen pro Pflanze, die angeblich jahrzehntelang im Boden keimfähig bleiben“, erklärt Jäger. Ende Mai bis Anfang Juni beginnt die Pflanze zu keimen und blüht von Mitte August bis Oktober. Dabei setzt sie Milliarden von aggressiven Pollen frei. Aufgrund der langen, milden Perioden im Herbst konnten 2008 besonders viele Samen reifen, weshalb Experte Jäger eine sehr heftige Pollensaison im nächsten Jahr erwartet. „Eine genaue Prognose für 2009 kann man aber erst etwa Ende April machen, da die Blütezeit und -intensität von den Witterungsbedingungen und der Regenmenge abhängig ist.“ Der Klimawandel bewirkt weiters eine Verlängerung der Pollensaison, da Wärme die Pflanzen früher keimen und länger blühen lässt.

Europas Legislative reagiert

Um die massive Ausdehnung und dadurch drohende Belastung des Gesundheitssystems nachhaltig zu bekämpfen, ist für Jäger ein umfassendes und europaweites Konzept zur Zusammenarbeit notwendig: „Traubenkraut stellt aufgrund seiner hohen allergischen Potenz ein zunehmend großes Gesundheitsproblem dar. Um dem weiteren Anstieg an allergischen Erkrankungen entgegenzuwirken, muss die Verbreitung der Pflanze eingedämmt werden. Dazu braucht es legislative Richtlinien.“ Der Experte begrüßt Initiativen wie die Schweizer Pflanzenschutzverordnung, in der Ragweed als „unerwünschte Pflanze“ ausgewiesen ist und Maßnahmen zur Bekämpfung gesetzlich geregelt sind. Auch in anderen Ländern gibt es bereits entsprechende Aktionsprogramme. Eine europaweite Koordination und Abstimmung der Bekämpfungs-, Entsorgungs- und Meldeaktivitäten wird etabliert. Die Aufklärung der Bevölkerung ist in Vorbereitung und mehrere geplante EU-Projekte sowie zahlreiche regionale Konferenzen befassen sich mit dem Thema. Auch die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) plädiert für eine verpflichtende Bekämpfung der Ambrosia.

Hohe allergische Potenz, hohes Asthmarisiko

Mittlerweile reagiert bereits mehr als ein Drittel aller Allergiker (auch) auf Ragweed mit starken Heuschnupfensymptomen wie Fließschnupfen, roten, juckenden Augen, Niesreiz etc. Die Pflanze kann aber bei Kontakt auch Hautreaktionen sowie Asthma auslösen. Vor allem für Menschen mit einer bestehenden Pollenallergie besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Anhaltende Erkältungssymptome von August bis Oktober können ein Indiz für eine Allergie gegen Ragweed-Pollen sein. Betroffene sollten dann einen allergologisch versierten Arzt aufsuchen, um die Beschwerden abklären zu lassen. „Wichtig ist, die Allergenexposition zu minimieren“, informiert Jäger. „Zusätzlich können zahlreiche gute Wirkstoffe, wie Antihistaminika und lokal angewandtes Kortison, allergische Symptome abschwächen.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ergänzend die spezifische Immuntherapie (SIT).

Kasten:
Tipps für die Allergenvermeidung
Kein billiges Vogelfutter kaufen (Ragweed-Samen sind häufig in schlecht gereinigtem Vogelfutter zu finden)
• Pflanze – am besten schon vor der Blüte – mitsamt der Wurzel ausreißen (Achtung, Handschuhe tragen) und in einem Plastiksack im Restmüll entsorgen
• Mit Hilfe des Pollenwarndienstes lassen sich Freizeitaktivitäten im Freien, Ausflüge und Urlaube vorausschauend planen: unter www.pollenwarndienst.at können Allergiker die aktuellen Pollenflugprognosen für Österreich und Europa abrufen und auch anhand von Pollen-Verbreitungskarten Ausweichmöglichkeiten abrufen.
Foto: www.pollenwarndienst at

Ragweed kommt bereits in weiten Teilen Europas vor. Besonders rasch ist der Bestand im Osten angestiegen.

Foto: Zwatzl

Prof. Dr. Siegfried Jäger Leiter des Pollenwarndienstes an der Wiener Univ.-Klinik für HNO-Krankheiten

Fotos (2): wikipedia

Die Ragweed-Species Ambrosia artemisifolia besitzt eine besonders hohe allergene Potenz.

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche

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