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Innere Medizin 17. August 2010

Die bösen Zehn

Zehn Risikofaktoren sind für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich.

Dachte man bis jetzt, dass es für 30 Prozent aller Schlaganfälle keine adäquate Erklärung gibt, so zeigt nun eine Studie neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Erstmals konnten zehn Risikofaktoren quantifiziert werden, die weltweit für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich sind. So könnten einfache Veränderungen des Lebensstils zur Prävention von Insulten führen.

 

Im Rahmen des „World Congress of Cardiology 2010“ in Peking präsentierte Dr. Martin O’Donnell, McMaster University, Hamilton, ON, die Interstroke-Studie. Die Untersuchung enthält Daten von 3.000 Schlaganfall- und 3.000 Kontrollpatienten aus 22 Ländern. Dabei zeigt sich, dass Bluthochdruck der Risikofaktor Nummer 1 weltweit für die Entstehung von Schlaganfällen ist. Außerdem stellt die Hypertonie ein zusätzliches Risiko für die Entstehung von intrazerebralen Blutungen dar. Durch die Identifizierung der zehn Risikofaktoren wurden wichtige Parameter gefunden, die das Schlaganfallrisiko deutlich senken können.

Basierend auf der vorangegangenen Interheart-Studie von Dr. Salim Yusuf, McMaster University, Hamilton, ON, wo neun Risikofaktoren für die Entstehung von 90 Prozent aller Herzerkrankungen aufgezeigt wurden, konnte mit den jetzigen Ergebnissen gezeigt werden, dass bereits einfache Maßnahmen wie regelmäßiges Blutdruckmessen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, reduzieren können. Die Kontrolle des Blutdrucks durch Messung gibt, im Gegensatz zur teureren Blutlipiduntersuchung, viel schneller Auskunft über ein potenzielles Schlaganfallrisiko. Außerdem kann jeder Patient zuhause selbst Blutdruck messen, die Werte dokumentieren und Hypertonie frühzeitig erkennen. Durch Einsetzen antihypertensiver Medikamente, aber vor allem durch Veränderung bestimmter Lebensumstände kann das Insultrisiko rechtzeitig gesenkt werden.

Globale Risikofaktoren

Bereits länger bestehender Bluthochdruck kann das Schlaganfallrisiko schon um das 2,5-fache erhöhen. Hypertonie ist zusammen mit den Risikofaktoren Rauchen, abdominale Adipositas, Ernährung und körperliche Aktivität für 80 Prozent aller Schlaganfälle weltweit verantwortlich. Gemeinsam mit den restlichen fünf Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, psychosoziale Faktoren, Verhältnis von Apolipoprotein B zu A1 und kardiale Gründe) erhöht sich das Schlaganfallsrisiko um weitere zehn Prozent.

Darüber hinaus zeigt die Studie eine enge Beziehung zwischen der Entstehung eines ischämischen Insults, den Apolipoprotein- und HDL-Werten. Interessanterweise wird durch die Erhöhung von Apolipoprotein A1 und HDL-Cholesterin das Risiko, an einem ischämischen Schlaganfall zu erkranken, weitaus mehr gesenkt, als es durch die vermehrte Aufnahme von Apolipoprotein B und nicht-HDL-Cholesterin erhöht wird.

In einem Leitartikel der publizierten Interstroke-Studie zeigte Dr. Jack Tu, University of Toronto, ON, dass es oft schwierig ist, in verschiedenen Regionen der Welt aufgrund fehlender bildgebender Verfahren einen Schlaganfall auch als solchen zu diagnostizieren. Besonders hohe Schlaganfallsraten (85 %) weisen Länder mit geringen bis mittleren Einkommen auf. Doch die zehn Risikoparameter können auch in einkommensschwachen Ländern erhoben werden und so zur Prävention beitragen. Laut O’Donnell kann das Risiko für Koronararterienerkrankungen um 18 Prozent und das Risiko für Schlaganfälle sogar bis zu 35 Prozent gesenkt werden, wenn Hypertonie bereits frühzeitig erkannt und behandelt wird.

 

Quellen: 1 O’Donnell MJ, et al. Lancet 2010; doi:10.1016/S0140-6736(10) 60834-3; 2 Tu JV. Lancet 2010; doi:10.1016/S0140-6736(10)60975-0

Von Dr. Christine Pomikal, Ärzte Woche 29 /2010

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