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Wenn der Druck zu hoch ansteigt, nehmen Organe im Körper Schaden. Aber auch eine zu starke Absenkung kann negative Folgen haben.
 
Innere Medizin 20. August 2010

Moderat den Blutdruck senken gilt für alle

Für alle Patienten gilt nach den Leitlinien der Europäischen Hypertonie-Gesellschaft das Therapieziel 140/90. Neue ACCORD-Daten zum Schlaganfall lassen aufhorchen.

Ein hochnormaler Blutdruck von 140:90 mmHg ist heute kein Anlass mehr, eine Behandlung zu beginnen – außer, es sind beim Patienten bereits Endorganschäden wie z. B. eine Mikroalbuminurie eingetreten.

 

Die Hinweise, dass eine zu starke Senkung des Blutdrucks ungünstige Wirkungen haben kann, mehren sich. Ob bei Patienten mit Diabetes mellitus oder mit einer chronischen Nierenerkrankung, eine Blutdruckeinstellung auf moderate Werte scheint nach Stand des Wissens mit der niedrigsten Komplikationsrate einherzugehen. Die Europäische Hypertonie-Gesellschaft (ESH) hat darauf bereits mit ihren im Vorjahr publizierten Leitlinien entsprechend reagiert.

Blutdruck und Nierenerkrankung

Aus diesem Grund ist auch die Forderung, bei Hypertonikern mit chronischer Nierenerkrankung den Blutdruck unter 125/75 mmHg zu senken, revidiert worden.

Als Ziel auch für diese Hochrisikopatienten gilt ein Wert zwischen 140 und 130 mmHg systolisch sowie zwischen 80 und 90 mmHg diastolisch. Die Nephrologen haben sich damit den Empfehlungen der ESH angeschlossen, die in ihrer Leitlinie die Ergebnisse der ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes, N Engl J Med 2010) berücksichtigt hat. In dieser groß angelegten Untersuchung fanden sich Hinweise, dass gerade bei Hochrisikopatienten eine zu strenge Blutdruckeinstellung den Nutzen nicht weiter mehrt, dafür aber das Nebenwirkungsrisiko.

Möglicherweise ist für eine isolierte Betrachtung der vorgeschädigten Niere die Blutdruckdevise „je niedriger, desto besser“ weiterhin gültig, aber die meisten Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten sind auch herz- und gefäßkrank. Und gerade bei dieser Begleitmorbidität kann eine zu starke Blutdrucksenkung Nachteile haben. So wird bei verengten Koronarien durch eine zu starke diastolische Drucksenkung das Myokard unterversorgt, periphere Durchblutungsstörungen können sich durch eine inadäquate systolische Drucksenkung verschlimmern.

Neue Hinweise zu Schlaganfall

Beim 20. European Meeting on Hypertenion, das vom 18. bis 21. Juni in Oslo stattfand, wurden von Dr. med Dr. phil. Richard H. Grimm vom Berman Center for Clinical Research, Menneapolis, die neuesten Ergebnisse der ACCORD-Studie präsentiert. Wiederum konnte die intensivierte Therapie bei stabilen Diabetes-Typ- 2-Patienten nicht überzeugen. Als Endpunkt wurde ein erstmalig auftretendes großes kardiovaskuläres Ereignis festgelegt. Im Vergleich gegenüber Standardtherapie waren in der Intensiv-Gruppe signifikant häufiger schwere kardiovaskuläre Ereignisse zu verzeichnen (3,3% vs 1,3 Prozent, p<0,0001).

Schlaganfall

Aber es haben sich interessante Hinweise bezüglich des zweiten Endpunkts der Studie in Bezug auf die Insulthäufigkeit ergeben. Die Gruppe der intensiv therapierten Patienten hatte eine geringere Häufigkeit von Schlaganfällen als die Gruppe mit Standardtherapie. Die „Number neaded to treat“ für die Blutdrucksenkung, um einen Schlaganfall über fünf Jahre zu verhindern, wäre nach diesen Studiendaten 88. Diese Ergebnisse bedürfen jedoch einer weiteren Evaluation.

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