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Innere Medizin 15. Jänner 2009

Malaria-Therapie gefährdet

Parasiten werden zunehmend resistent gegen Artemisinin-Präparate.

Mit über einer Million Toten und mehreren hundert Millionen Erkrankungen jedes Jahr ist die Malaria auch im 21. Jahrhundert eine der gefährlichsten Krankheiten der Menschheit. Eine Studie der MedUni Wien bringt jedoch alarmierende Ergebnisse für die Wirksamkeit von Malaria-Therapien.

Malaria ist noch immer, insbesondere in Afrika, Asien und Lateinamerika, eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren. Etwa alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria. Während die medizinische Forschung in den letzten Jahrzehnten auf vielen Gebieten große Fortschritte gemacht hat, wurden die Behandlung und Kontrolle der Malaria zusehends schwieriger und teurer. Eine der größten Herausforderungen in der Behandlung der Malaria ist die Entwicklung von Resistenzen gegenüber praktisch allen in den letzten Jahrzehnten eingeführten Medikamenten.

Die wichtigste Gruppe der Malariamedikamente sind die Artemisinine. Artemisinin wird aus Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) gewonnen, einer vor allem in Ostasien weit verbreiteten Pflanze, die seit Jahrhunderten in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt wird. Dank ihrer hervorragenden Wirksamkeit haben die Artemisinine im letzten Jahrzehnt einen beispiellosen Siegeszug in der Therapie der Malaria angetreten.

Praktisch alle derzeit verfügbaren Malariatherapien basieren auf einem Verwandten von Artemisinin.

In den Jahren 2006/2007 wurde unter der Leitung von Doz. Dr. Harald Nödl vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien im Westen Kambodschas eine groß angelegte klinische Studie durchgeführt, die im Dezember im New England Journal of Medicine erschien (doi: 10.1056/NEJMc0805011). „Das Besondere am Design unserer Studie war, dass sie speziell auf die Untersuchung möglicher Artemisininresistenz ausgelegt war. Dieses Design erlaubte es erstmals, nicht nur die klinische Wirksamkeit von Kombinationstherapien, sondern auch die des Artemisinins selbst zu bestimmen“, so Doz. Dr. Nödl. „Die Studie belegt erstmals ein deutlich schlechteres Ansprechen der Malariaparasiten auf Artemisinin und damit verbunden eine stark verzögerte Heilung der Patienten.“

Kaum Alternativen entwickelt

Artemisinine bilden derzeit das Rückgrat praktisch aller Versuche, die Malaria zu kontrollieren. Für sie gibt es zurzeit keinen wirklichen Ersatz: „Die verfügbaren Daten zeigen, dass Artemisininresistenz bislang auf einzelne Parasitenstämme und eine relativ umschriebene Region entlang der kambodschanisch-thailändischen Grenze beschränkt ist, die Artemisinin-Kombinationstherapien also in den meisten Gebieten noch immer das Mittel der Wahl in der Malariatherapie sind“, so Doz. Dr. Nödl. Sollte sich die Resistenz der Parasiten gegen Artemisinin aber verbreiten, sieht Doz. Dr. Nödl eine große Gefahr für die Malaria-Bekämpfung: „Eine Ausbreitung der Resistenz von Südost-Asien auf weite Teile der von Malaria betroffenen Welt könnte eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Malariakontrolle im 21. Jahrhundert auslösen.“ Zudem hat das Vertrauen in die Wirksamkeit der auf Artemisinin basierenden Medikamente in den letzten Jahren die Entwicklung neuer Medikamente gehemmt. Die Präsentation dieser Daten führte nun vorerst dazu, dass in der Region unter der Ägide der Weltgesundheitsorganisation WHO mehrere Projekte entstanden, um das Phänomen der Artemisininresistenz zu untersuchen und deren Ausbreitung zu verhindern.

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MedUni Wien/PH, Ärzte Woche

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